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    Viele Operationen wurden im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verschoben. Mit den Lockerungen nehmen auch Krankenhäuser in der Schweiz ihren regulären Betrieb wieder auf. Doch die Folgen der Krise machen sich vor allem finanziell bemerkbar: von großen ökonomischen Schäden bis hin zu kompensierenden Minusstunden.

    Schon zu Beginn der Corona-Krise wurden Entscheidungen getroffen, welche den Schweizer Krankenhäusern viel Geld kosteten. Unter anderem wurde am 16. März entschieden, dass alle nicht dringlichen Operationen verschoben werden sollten. Dies galt als Versicherung dafür, dass genügend Ressourcen für Covid-19-Patienten vorhanden wären. Laut der Schweizer Zeitung „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) büßten dafür die Spitäler wochenlang ihre Haupteinnahmequelle ein.

    Trotz Betriebswiederaufnahme: Unterbeschäftigung

    Am 27. April durften Krankenhäuser den regulären Betrieb wieder aufnehmen. Dennoch sei der finanzielle Schaden vom „Corona-Regime“ nicht überwunden, so die NZZ. Die meisten Krankenhäuser und Spitäler sind mittlerweile bereits wieder gut ausgelastet. Die volle Kapazität werde jedoch länger nicht vollkommen erreicht werden, so eine Sprecherin des Kantonsspital Baselland. Dies hänge zusammen mit den größeren Zeitabständen zwischen Sprechstunden. Außerdem müssten viele Patienten absagen, falls diese Symptome der Lungenkrankheit Covid-19 aufweisen. Abgesehen davon meiden generell viele Patienten den Besuch im Krankenhaus aus Angst vor einer Infektion.

    Die sogenannten „leere“ Zeit nutzen viele Krankenhäuser mit Umschulungen. Doch vor allem in unterbeschäftigen Bereichen, in denen auch Arbeit im Home-Office keine Option darstellte, wurden heikle Maßnahmen getroffen: So berichtet eine Sendung des „Schweizer Radio und Fernsehen“ darüber, wie einige Arbeitgeber ihre Angestellten zu einer Anhäufung von Minusstunden zwangen. Diese müssten nun abgearbeitet werden, da der Betrieb wieder aufgenommen wird. Laut einem Arbeitsrechtler – Roger Hirschier – falle dies in eine illegale Praxis. Das Risiko, dass es zu wenig Arbeit gebe, liege beim Arbeitsgeber. Verlorene Stunden nachzuarbeiten, sei laut Schweizer Arbeitsrecht dementsprechend nicht erlaubt.

    Finanzielle Schäden

    Die ökonomische Situation habe sich ebenfalls enorm verschlechtert seit dem Behandlungsstopp. So leidet auch das Kantonsspital Winterthur (KSW) unter den finanziellen Verlusten. Bis zu fünf Millionen Franken (4,7 Mio. Euro) habe der minimale Betrieb im KSW wöchentlich Verluste generiert.  

    Auch Arztpraxen seien von den Corona Maßnahmen nicht verschont geblieben. Von Mitte März bis Ende April seien laut Schätzungen der Schweizer Ärztevereinigung FMH ungefähr 70 Prozent weniger Sprechstunden realisiert worden. Auch in dieser Woche sollen Behandlungskapazitäten erst bei 30 Prozent liegen. Der wichtigste Grund für diesen Umstand sei ebenfalls einer, der potentielle Infektionen minimieren soll: Größerer zeitlicher Abstand zwischen Terminen sorgt dafür, dass Menschenansammlungen vermieden werden können und dass das Sprechzimmer desinfiziert werden kann.

    Auf absehbare Zeit werden also auch in den Kliniken Verluste entstehen. Die FHM sagte zur NZZ Folgendes: „Solange Schutzmaßnahmen im heutigen Umfang aufrechterhalten werden müssen, ist mit Einbußen von zirka 30 Prozent zu rechnen.“

    Dafür kritisiert die FMH auch Politik und Behörden stark: Bisher wurden Vorschläge des Verbandes zur Unterstützung von Ärzten ignoriert. Die meisten Ärzte müssen nämlich ihre Erwerbsausfälle vollumfänglich selber tragen, da ihre Praxen nicht unter Betriebsschließung oder Veranstaltungsverbot fallen. Somit erhalten diese meist keine Gelder, die vom Staat ausgesprochen wurden.

    lm/ae

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    Tags:
    Verlust, Finanzen, Coronavirus, Schweiz, Krankenhäuser