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    Wegen der Corona-Pandemie könnten die Rücküberweisungen der Arbeitsmigranten weltweit um 20 Prozent zurückgehen, sagt die Weltbank voraus. Das hätte verheerende Folgen für die ärmsten Regionen der Welt, in denen die Rücküberweisungen aus dem Ausland bis zu einem Drittel des BIP ausmachen.

    2019 waren die Rücküberweisungen laut Weltbank mit 554 Milliarden US-Dollar auf einem Rekordhoch. Für das Jahr 2020 prognostiziert die Weltbank aufgrund der Corona-Pandemie und der Lockdowns einen Rückgang von etwa 20 Prozent. Das wäre der größte Fall in der jüngeren Geschichte. Am heftigsten wird den Prognosen zufolge der Rückgang in Europa und Zentralasien ausfallen (27,5 Prozent), gefolgt von der Sub-Sahara-Region (23,1 Prozent) und Südasien (22,1 Prozent). Die Gründe dafür sind Jobverluste und Lohnausfälle der Arbeitsmigranten, die meist im Niedriglohnsektor arbeiten und von Kündigungen am meisten bedroht sind. Aber auch die Kanäle, über die das Geld in die Heimat gesendet werden kann, sind in Corona-Zeiten oftmals nicht mehr intakt.

    „Rücküberweisungen sind eine wichtige Einkommensquelle für Entwicklungsländer. Die fortlaufende ökonomische Rezession durch Covid-19 schränkt in hohem Maße die Möglichkeiten ein, Geld nach Hause zu schicken“, so der Präsident der Weltbank-Gruppe David Malpass. „Die Rücküberweisungen ermöglichen es Familien, Essen, medizinische Versorgung und andere Grundbedürfnisse abzudecken.“ Die Weltbank-Gruppe arbeite daran, Überweisungskanäle zur Verfügung zu stellen, damit die Ärmsten der Welt diesen Zugang nicht verlieren.  

    Größter Empfänger von Rücküberweisungen in Europa ist die Ukraine. Aber auch die zentralasiatischen Republiken Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan sind seit Jahren in einem hohen Maße auf die Rücküberweisungen der Verwandten, die meist in Russland arbeiten, angewiesen. So machten die Rücküberweisungen 2019 mit 29,2 Prozent fast ein Drittel des kirgisischen BIP aus. Höher fällt der Anteil der Rücküberweisungen am BIP nur im Süd-Sudan (34,4 Prozent), auf Haiti (37,1 Prozent) und auf Tonga (37,6 Prozent) aus.

    Eine Maßnahme, den Arbeitsmigranten und ihren Familien in der Heimat zu helfen, ist, die Kosten für die Rücküberweisungen zu senken. Im globalen Durchschnitt musste man im ersten Quartal 2020 6,8 Prozent Gebühren drauflegen, um 200 US-Dollar zu überweisen. Wie hoch die Gebühr ausfällt, hängt davon ab, aus welchem Land in welches die Überweisung getätigt wird und welches Geldtransferunternehmen diese vornimmt. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) empfiehlt Arbeitsmigranten hierzulande das Vergleichsportal geldtransfair.de.

    „Mit der Preisvergleichswebsite www.geldtransfair.de können Sender die günstigste und schnellste Lösung für die Überweisung ins Herkunftsland finden. Das kostenlose Portal hat monatlich knapp 3.000 Nutzer und wird vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums betrieben.“ 

    Wie im Rahmen des G20-Treffens der Finanzminister und Notenbankgouverneure festgestellt wurde, machen Rücküberweisungen rund das Dreifache der öffentlichen Entwicklungshilfe aus. Ein Ersatz für Entwicklungshilfe können Rücküberweisungen jedoch nicht sein, so der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Nicht alle Menschen in Entwicklungsländern hätten Freunde oder Verwandte, die sich als Arbeitsmigranten im Ausland verdingen und ihnen Geld überweisen können. Zuletzt hatte die Bundesregierung die Entwicklungszusammenarbeit mit einer Reihe von Ländern eingestellt, darunter mit der zentralasiatischen Republik Kirgistan.

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    Tags:
    Osteuropa, Zentralasien, Ukraine, GUS, Coronavirus, Geldüberweisungen