23:02 04 August 2020
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    Das Schweizer Bundesgericht hat bereits 2019 ein wegweisendes und erst jetzt publik gewordenes Urteil gefällt. Eine Zürcher Firma muss danach einem Angestellten für den Heimarbeitsplatz eine monatliche Mietentschädigung zahlen. In Zeiten der Corona-Krise könnte dieses Urteil folgenschwer sein.

    Schweizer Unternehmen müssen ihren Angestellten künftig einen Teil der Wohnungsmiete zahlen, wenn sie diese im Home-Office arbeiten lassen. Ein entsprechendes Urteil hatte das Bundesgericht bereits im April vergangenen Jahres ausgesprochen.

    Ein Mitarbeiter einer Zürcher Treuhandfirma hatte auf Entschädigung geklagt, berichtet die NZZ zu dem Fall. Der Standpunkt der Firma war, dass sie mit dem Mitarbeiter nie eine entsprechende Entschädigungsvereinbarung getroffen habe und sie sich dementsprechend auch nicht verpflichtet fühle, diesem einen Teil der Wohnungsmiete zu erstatten.

    Die Richter ließen diesen Einwand des Arbeitgebers nicht gelten. Dass dem Mitarbeiter für das Home-Office keine zusätzlichen Kosten – etwa im Anmieten eines zusätzlichen Zimmers – entstanden sind, war für die Richter kein Grund, von einer Entschädigung abzusehen. Das Gericht verpflichtete die Firma nun sogar zu einer rückwirkenden Entschädigungszahlung. Die Richter befanden eine monatliche Entschädigung von 150 Franken (rund 140 Euro) für gerechtfertigt.

    Mietentschädigungen wie Generalabos für den ÖPNV als Selbstverständlichkeit

    Laut Zeitungsbericht könnte das nun publik gewordene Urteil weitreichende Folgen für die Schweizer Arbeitnehmer haben, arbeiten doch in der Corona-Krise viele Arbeitnehmer von daheim. Und es sei nicht ausgeschlossen, dass auch hier Ansprüche auf Mietentschädigungen entstanden sind, denn die Mitarbeiter seien vielerorts von den Arbeitgebern aufgefordert worden, von zu Hause aus zu arbeiten. Angestellte hätten Anspruch auf eine Entschädigung, wenn sie unfreiwillig im Home-Office seien. Wer dies auf eigenen Wunsch tue, habe dies jedoch nicht. Das ist auch Rechtslage in Deutschland, wurde Home-Office vereinbart. Eine steuerliche Absetzbarkeit kann jedoch unter Umständen erfolgen.

    Arbeitet der Mitarbeiter überwiegend im Homeoffice und steht ihm kein Arbeitsplatz in den Firmenräumen zur Verfügung, müsse das Unternehmen den hierfür verwendeten Raum entweder vom Mitarbeiter anmieten oder dem Arbeitnehmer eine monatliche Kostenpauschale für Nutzung, Energie, Heizungs-, Reinigungs- und sonstige Unterhaltskosten zahlen, so das Verdikt.

    Wird nunmehr auch im Lichte der Pandemie das Arbeiten von zu Hause immer mehr zur annehmbaren Alternative zur Bürotätigkeit, würde sich ebenso die Frage nach der Entschädigung vermehrt stellen: Mietentschädigungen könnten so in den kommenden Jahren zur Selbstverständlichkeit werden, ähnlich der bereits arbeitgeberseitig arrangierten Generalabonnements für den öffentlichen Personen- und Nahverkehr für den Weg zum Arbeitsplatz.

    Allgemein würde das Gesetz die Arbeitgeber ohnehin verpflichten, ihren Mitarbeitern alle zur Ausführung der Arbeit entstehenden Auslagen zu ersetzen – etwa Laptops oder Drucker und worunter eben auch der Arbeitsplatz falle – samt ergonomischen Bürostuhl, denn Arbeitgeber seien auch für den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer verantwortlich.

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    Bezahlung, Arbeitgeber, Miete, Homeoffice, Schweiz