14:58 07 Juli 2020
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    Der eventuelle Retter der Nord Stream 2, das russische Verlegeschiff „Akademik Cherskiy“, gehört nach öffentlich gewordenen Informationen nicht mehr dem Energiekonzern „Gazprom“. Die neue Eigentümerstruktur soll laut den Experten das potenzielle Sanktionsrisiko durch die USA reduzieren, auch wenn sehr gering.

    Laut dem Russischen Internationalen Schiffsregister gehört das Schiff nun dem Wärmekraft-Eigentumsfonds Samara (Samara Thermal Energy Property Fund, STIF). Zuvor war die Tochterfirma „Gazprom Flotte“ als dessen Betreiber bekannt. Ursprünglich kaufte „Gazprom“ das Verlegeschiff 2016 bei der nigerianischen Sea Trucks Group für etwa eine Milliarde Euro – genau für den Fall, dass die schweizerische Allseas aus dem Projekt aussteigt. Das Rohrverlegeschiff war auf der Website der „Gazprom Flotte“ mindestens bis Februar 2020 präsent. 

    Sollten nun neue US-Sanktionen gegen die Nord Stream 2 kommen, wie der bereits zurückgetretene US-Botschafter Richard Grenell drohte, sollen sie „Gazprom“ als Eigentümer der Nord Stream 2 und Hauptexporteur des russischen Gases nicht oder weniger hart treffen. Jedoch werden die Risiken einigen Experten zufolge jedoch weiterhin bestehen, da nicht klar ist, wie neue US-Beschränkungen gegen die Fertigstellung der Gaspipeline formuliert werden könnten.

    Die seit Dezember 2019 geltenden US-Sanktionen verpflichten bisher den US-Präsidenten, jedes Unternehmen, das Schiffe für den Bau von Nord Stream 2 bereitstellt, auf die sogenannte schwarze Liste der SDN (Liste nicht zulässiger Personen und speziell ausgewiesener Staatsangehöriger) zu setzen. Auch das Schiff selbst kann in die SDN-Liste aufgenommen werden. In diesem Fall könnte die „Akademik Cherskiy“ die Pipeline zwar fertigstellen, würde aber anschließend den Zugang zu jeglichen ausländischen Dienstleistungen (Nachrüstung, Reparatur usw.) verlieren. Gleichzeitig bereiten sich die US-Senatoren Ted Cruz und Jeanne Shaheen laut Reuters darauf vor, dem Kongress einen neuen Gesetzentwurf vorzulegen, um den Abschluss des Projekts endgültig zu verhindern. Cruz drohte im Mai, dass neue Sanktionen jedes Schiff und jeden Besitzer betreffen würden, der versuchen würde, den Bau von Nord Stream 2 abzuschließen. 

    „Gazprom Flotte“ ist bereits auf einer weniger strengen sektoralen Sanktionsliste des US-Finanzministeriums. Der Firma sind demnach alle Lieferungen von US-Ausrüstung und Technologien für die Entdeckung und Förderung von Öl (aber nicht Gas) im russischen arktischen Schelf, in Tiefseegebieten und im Schiefer untersagt. 

    „Akademik Cherskiy“ bereits in Mukran 

    Das Rohrlegeschiff war Anfang Februar aus dem russischen Pazifik-Hafen Nachodka ausgelaufen und hatte auf der Fahrt zur russischen West-Exklave den Weg nicht durch den Suezkanal, sondern um die Südspitze Afrikas genommen. Am 9. Mai war das Schiff nach Angaben des Navigationsportals Vesselfinder in Deutschland eingetroffen. Im Moment ankert es im Hafen Mukran auf Rügen. Auch die unter russischer Flagge fahrende Rohrlegebarge „Fortuna“ des Pipelinebauers MRTS ist längst in Mukran vor Ort. Jedoch erfüllt sie nicht die Anforderungen der dänischen Behörden an den Fertigbau der Ostseeleitung. Die Behörden fordern nach Angaben des Informationsdienstes S&P Global Platts Analytics dynamische Positionierungssysteme, wobei die „Fortuna“ ihre Position je nach Seegang nicht automatisch ändern kann - anders als die „Akademik Cherskiy“.

    lk/mt

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    Tags:
    Gazprom, US-Sanktionen, Nord Stream 2