20:23 03 Juli 2020
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    Am 8. Juni überstieg der Preis für Brent-Rohöl 42 US-Dollar pro Barrel, nachdem die OPEC und die mit ihr kooperierenden Staaten vereinbart hatten, die derzeitige Quote für die Kürzung der Ölfördermenge bis Ende Juli zu verlängern. Wie beeinflusst die Entscheidung den globalen Ölmarkt?

    Die Minister der OPEC+-Staaten einigten sich darauf, eine Gesamtquote von 9,7 Millionen Barrel pro Tag für einen weiteren Monat beizubehalten. Der Leiter des russischen Energieministeriums Alexander Nowak sagte, dass alle russischen Ölunternehmen den Deal unterstützten. Die Entscheidung, die derzeitige Vereinbarung zu verlängern, ist unter anderem mit einem erheblichen Überschuss an Reserven verbunden, so Nowak. „Im März, April und Mai nimmt das Volumen des in den Reserven gelagerten Öls zu. Das sind riesige Zahlen: 25 Millionen Barrel pro Tag“, so der russische Energieminister. Laut Nowak wird Russland diesen Monat voraussichtlich den Deal zu 100 Prozent abschließen.

    Wird es möglich sein, die erzielte Einigung aufrechtzuerhalten? Konstantin Simonow, Generaldirektor des Nationalen Energiesicherheitsfonds, teilte seine Prognose während einer Online-Konferenz der Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“ mit.

    „Wie sich die Länder verhalten werden, ist schwer zu sagen. Wir haben bereits unterschiedliche Verhaltensweisen von Saudi-Arabien beobachtet. Da nichts garantiert werden kann, bleiben die Risiken bestehen.

    Die Situation mit Ölpreisen von 40 US-Dollar kann nur im Vergleich zum April optimistisch sein, sie weichen erheblich von unseren Erwartungen zu Jahresbeginn ab. In Bezug auf den Kampf um die Absatzmärkte schließe ich nicht aus, dass die Saudis ihre Fähigkeit nutzen können, die Ölproduktion rasch zu steigern und zu reduzieren. In dieser Situation sollte Russland keine zusätzlichen Verpflichtungen zur Reduzierung der Ölproduktion übernehmen. Wenn sich die Nachfrage erholt, ist es wichtig, wie schnell Russland das Produktionsniveau im April wieder herstellen und den Markt, vor allem der Europäischen Union, wiedergewinnen kann.“

    Es sei jedoch nicht notwendig, die Öl-Produktion schnell wieder herzustellen, meint Wjatscheslaw Kulagin, Direktor des Zentrums für Energieforschung. Es würden neue Corona-Wellen erwartet, die die Wirtschaft und dementsprechend die Nachfrage nach Öl eindämmen können.

    „Für die Ausbreitung des Virus werden viele Szenarien in Aussicht gestellt. Dies wirkt sich auch auf den OPEC+-Deal aus. Höchstwahrscheinlich werden wir in einem Monat die übernommenen Verpflichtungen erneut erörtern. Es ist jedoch nicht einfach, beim Deal zu bleiben, jedes Land kann die Vereinigung unter verschiedenen Vorwänden kündigen. Die Situation bleibt sehr instabil, daher bestehen gewisse Risiken weiterhin. Der April war ernüchternd für den Markt, viele spürten an eigener Tasche, was es bedeutet, keine Vereinbarung zu haben. Damals haben große Exporteure bis zu zehn Milliarden Dollar verloren. Sich flexibel an die Marktsituation anzupassen – dieses Pensum haben viele Unternehmen in Russland geschafft. “

    Der Anstieg der Ölpreise sollte mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen werden, sagte Stanislaw Mitrasowitsch, Experte an der Finanzuniversität bei der Regierung Russlands, im Sputnik-Gespräch.

    „Jetzt gibt es Anzeichen für eine Erholung der Nachfrage, die Welt hebt allmählich die Quarantänemaßnahmen auf. Jedoch besteht das Risiko, dass es zu einer zweiten Welle von Covid-19 und neuen Beschränkungen kommt. Zudem wirkt sich die OPEC + nur teilweise auf den Markt aus: Die Produktion wird um zehn Millionen Barrel pro Tag reduziert, und die Nachfrage ist um mehr als 20 Millionen gesunken.Darüber hinaus muss verstanden werden, dass sich die Produktion in Amerika allmählich erholt, wenn der Ölpreis 40 USD pro Barrel übersteigt, was sich auch auf die Preise auswirken kann. Daher müssen wir in Bezug auf Nachrichten über steigende Ölpreise vorsichtig optimistisch sein. Natürlich ist der Preis von 40 USD pro Barrel besser als der Preis von zehn USD Anfang April. Aber ich würde nicht voreilig sagen, dass alles vorbei ist. Die Ölmarktpreise sind volatil und können sich schnell ändern.“

    Die OPEC+ hat im April vereinbart, die Ölproduktion von Mai bis Juni um 9,7 Millionen Barrel pro Tag, in der zweiten Jahreshälfte um 7,7 Millionen Barrel und bis Ende April 2022 um 5,8 Millionen Barrel weiter zu reduzieren. Am Samstag (6. Juni) einigten sich die OPEC+-Staaten darauf, den derzeitigen Rückgang der Ölförderung bis Ende Juli zu verlängern.

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    Ölpreise, OPEC