00:20 12 Juli 2020
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    Batteriebetriebene Autos sind auf längere Sicht auf Lithium-Akkus angewiesen. Doch der Rohstoff kam bislang aus dem Ausland. Nun will Deutschland Lithiumsalze vor Ort gewinnen – durch Extraktion aus Geothermie-Feldern. Das so gewonnene Lithium soll nicht nur den E-Auto-Markt decken, sondern auch CO2-neutral sein.

    Bis 2030 sollen zwischen sieben und zehn Millionen batteriebetriebene Autos in Deutschland zugelassen sein und zusammen mit dem Ausbau erneuerbarer Energien die CO2-Bilanz des Landes reduzieren. Bislang ist dafür und für viele weitere Anwendungen Lithium als Rohstoff unabdingbar, auch wenn an Batterien auf Basis von Natrium oder Magnesium fleißig geforscht wird.

    Was tun nach dem Lithiumdeal?

    Bis zum Umsturz in Bolivien sah es so aus, als könnte Deutschland den Rückstand gegenüber China aufholen, denn die Bundesrepublik hatte sich das Schätzungen zufolge größte Lithiumvorkommen der Welt im südamerikanischen Land gesichert. Dann hat die bolivianische Interimsregierung angekündigt, dass der Deal mit Deutschland aufgelöst werden soll. Worauf sich Deutschland nicht einlässt, denn es will solche Gespräche nur mit der nächsten gewählten Regierung des Landes führen.

    Lithiumförderung an Geothermiefeldern

    Und plötzlich ist eine völlig neue Option im Gespräch, bei der die Bundesrepublik gänzlich auf den Import des Rohstoffs verzichten könnte: Lithium im Inland gewinnen. Die Idee ist nicht neu, im Erzgebirge soll eines der größten Lithiumvorkommen Europas stecken, das etwa die Deutsche Lithium GmbH anbrechen will. Aber der neue Vorschlag verzichtet auf den Bergbau und setzt auf bereits bestehende Infrastrukturen in Deutschland: Geothermiefelder, die tagein, tagaus Grundwasser auf und ab bewegen und dabei Haushalte mit Wärme, Kälte und Strom versorgen.

    An insgesamt zwei Orten sollen einem Bericht der Welt am Sonntag zufolge Pilotanlagen entstehen, an denen eine solche Förderung getestet werden soll. Zum einen will der Energiekonzern EnBW an eine bestehende Geothermie-Anlage in Bruchsal eine Anlage zur Extraktion des Salzes Lithium-Chlorid anschließen, das aus dem Oberrheingraben gewonnen werden soll. Zum anderen plant auch die australische Firma Vulcan Energy in Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern Pfalzwerke eine Erweiterung des Geothermiekraftwerks Insheim um eine Filteranlage für Lithiumhydroxid.

    CO2-neutral und ab 2022 in größerem Maßstab

    Der Vorteil: Während die Lithium-Produktion in der Regel die CO2-Bilanz von Batterie-Autos verschlechtert, soll die Geothermie eine CO2-freie Förderung gewährleisten. Zeigen sich die Pilotanlagen erfolgreich, soll im nächsten Schritt das Material in einer Demonstrationsanlage bereits in großem Umfang extrahiert werden. Laut Vulcan könnte bereits ab 2022 eine kommerzielle Anlage für eine Förderung von 2000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr sorgen.

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    E-Auto, Lithium, Deutschland, Neutralität, CO2, CO2-Emissionen