01:52 11 Juli 2020
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    Der EX-DENA-Chef Stephan Kohler sieht in den Plänen der USA, neue Sanktionen gegen die Gaspipeline Nord Stream 2 zu verhängen, eine Gefahr für die am Bau beteiligten europäischen Unternehmen. Die Situation sei gefährdend für das Projekt, sagte Kohler gegenüber Sputnik.

    „Die USA planen, die bestehenden Sanktionen gegen die fast fertig gebaute Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 massiv auszuweiten. Sie beabsichtigen, auch rückwirkend, sämtliche am Bau der Pipeline beteiligten Unternehmen zu sanktionieren. Davon wären auch zahlreiche europäische Unternehmen betroffen. Mit dieser aggressiven Vorgehensweise erreicht der Streit um die Ostseepipeline eine neue Eskalationsstufe. Würden die neuen Sanktionen realisiert werden, wäre dies projektgefährdent für Nord Stream 2“, betont der ehemalige Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (DENA) (2006-2014) und heute Aufsichtsratsvorsitzender von Zukunft ERDGAS. 

    Laut dem namhaften deutschen Energieexperten braucht Europa Nord Stream 2 dringend für eine sichere und klimaverträgliche Energieversorgung. Die Gasförderung in Europa ist deutlich rückläufig. Gleichzeitig wächst der Gasbedarf durch den europaweiten Kohleausstieg. „Wir sind daher auf neue Gasimport-Infrastrukturen wie Nord Stream 2 angewiesen, um die Gasnachfrage auch in Zukunft jederzeit zuverlässig zu decken“, so Kohler.

    Seinen Worten zufolge beweist der Abschluss des neuen Gasdurchleitungsvertrages zwischen Russland und der Ukraine auch, dass Nord Stream 2 nicht als Kampfinstrument gegen die Ukraine eingesetzt werde.

    „Im krassen Gegensatz dazu stehen die wirtschaftlichen Interessen der USA. Sie möchten Nord Stream 2 verhindern, um eigenes LNG nach Europa zu liefern. Dies würde aber bedeuten, dass damit der Gastransit durch die Ukraine vollkommen entfällt, und damit auch die Durchleitungsgebühren für die Ukraine. Die USA verfolgen aber nicht nur energiewirtschaftliche Eigeninteressen mit diesen Sanktionen, sondern knallharte politische Machtansprüche gegenüber Deutschland und Europa. In diesem Zusammenhang steht auch die ‘Androhung‘ der USA, US Soldaten aus Deutschland abzuziehen.“  

    Kohler wies darauf hin, dass die Europäische Energiepolitik in der EU gemacht werden müsse und nicht von den USA diktiert werden dürfe. „Derartige Sanktionen beschneiden nicht nur die Souveränität Europas. Die USA zetteln damit im Interesse ihres LNG-Exports de facto einen Handelskrieg mit der EU an und gefährden die europäische Energieversorgung. Deutschland und Europa sollten deshalb jetzt klare und eindeutige Gegenmaßnahmen beschließen, die auch Sanktionen gegen amerikanische Unternehmen beinhalten“, unterstrich Kohler.

    Nord Stream 2 ist eine Pipeline auf dem Grund der Ostsee, die Gas von Russland nach Deutschland befördern soll. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt, doch andere europäische Länder - wie auch die USA – betrachten es als gefährlich. Laut Kritikern dieses Vorhabens kann die Pipeline Europa von russischem Gas abhängig machen. Der Fertigbau des Projektes wurde wegen der ersten USA-Sanktionen bereits verzögert. In den USA gibt es neue Pläne, die Fertigstellung des Pipeline-Projektes Nord Stream 2 mit zusätzlichen Sanktionen zu verhindern. Deutsche Unternehmen und Behördenvertreter könnten von US-Sanktionen betroffen sein.

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    Tags:
    Sanktionen, US-Sanktionen, Nord Stream 2