07:06 16 Juli 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (64)
    486
    Abonnieren

    Ein US-Ökonom warnt laut aktuellen Medienberichten: Nach der Corona-Krise droht der Welt eventuell eine „Dracula-Wirtschaft“. Unternehmen wären ohne staatliche Hilfs-Gelder in Milliardenhöhe nicht mehr lebensfähig und würden diese wie Vampire „aussaugen“. Eine ostdeutsche Zeitung: „Der Staat will selbst Unternehmer sein – und scheitert kläglich.“

    Erst am Montag ließ Berlin verlautbaren, dass der Bund weitere 218,5 Milliarden Euro an Schulden aufnehmen müsse. Damit werden unter anderem auch die staatlichen Hilfszahlungen für die eigene Wirtschaft in der Corona-Krise finanziert. Seit Monaten schon schütten die führenden Volkswirtschaften der Welt – also nicht nur die Bundesrepublik – Rettungsschirme und Hilfsgelder für eigene Unternehmen und für „systemrelevant“ gehaltene Branchen aus.

    Doch, ob diese Strategie der Rettungspakete tatsächlich das richtige Mittel ist, um die möglicherweise katastrophalen wirtschaftlichen Folgen der akuten Krise um das Virus SARS-CoV-2 auch nur im Ansatz abzufedern, bezweifeln seit Anfang an viele renommierte Ökonomen, Wirtschaftswissenschaftler und Finanz-Experten.

    Wenn Geld zu „Blut“ wird ...

    Zu ihnen zählt Professor Nouriel Roubini. Der New Yorker Ökonom wird weltweit seit vielen Jahren als Instanz zitiert – und das nicht nur von Finanz-Fachblättern.

    Zur aktuellen Krise äußert der Wirtschafts-Experte:

    „Ich befürchte, die 2020er-Jahre werden geprägt sein von Verderben und Desaster“, sagte Roubini dem Magazin „Spiegel“. Der US-Ökonom prophezeie „eine Graf-Dracula-Wirtschaft, die vor allem vom Blut der Konjunkturpakete und der Geldschöpfung der Notenbanken leben wird.“ Eine kurz- bis mittelfristige Erholung der Weltwirtschaft sei kaum absehrbar. Staatliche Gelder wären das „Blut“ für Unternehmen in diesem Wirtschaftsgefüge. „Natürlich werden wir in der zweiten Jahreshälfte einen Aufschwung sehen. Nur wird es kein echter sein, sondern eine Sinnestäuschung.“

    Die in der Weltliteratur wohlbekannte Figur Graf Dracula, die auf einen grausamen rumänischen Herrscher namens Vlad Drăculea zurückgehen soll, steht dabei symbolisch für das mythische Wesen der Vampire. Und diese lichtscheuen Gestalten saugen nun mal das Blut ihrer Opfer gerne aus. Am Ende sei dies genau das Gleiche, was aktuell die Unternehmen mit den staatlichen Hilfspaketen machen würden. Doch irgendwann sind auch die „Blut-Reserven“ leer ...

    „Nur die großen Marktteilnehmer überstehen die Krise“

    Nur die ganz Großen werden die Krise überleben, prognostiziert US-Ökonom Roubini: „Ich schätze, dass hier in New York so ziemliche jedes Restaurant schließen muss, aber McDonald's wird überleben. Doch das ist nicht alles.“

    Die Börsen machen sich im Moment „etwas vor. Die Anleger wetten auf weitere Konjunkturpakete.“ Aber irgendwann sei auch das finanzielle Limit der Staaten erreicht.

    Mit Blick auf den Arbeitsmarkt in den USA sagte er, dort „haben sich mehr als 40 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Viele glauben, dass es ebenso rasch wieder aufwärtsgehen wird, aber das ist ein Trugschluss. Die Wirtschaft ist so steil abgestürzt, dass es praktisch unausweichlich ist, dass sie irgendwann wieder zulegt. Aber das wird den Absturz in keiner Weise kompensieren. Selbst Ende 2021 wird die US-Konjunktur noch unter dem Niveau von Anfang 2020 liegen, zu viel ist kaputtgegangen. Die Arbeitslosenquote wird sich bei 16 oder 17 Prozent einpendeln – in der Finanzkrise (2008, Anm. d. Red.) waren es maximal zehn Prozent.“

    Der Dracula-Wirtschaft sei letztlich nur durch „Innovation und Zuversicht“ beizukommen.

    „Vergleich mit Graf Dracula ist passend“ – Lausitzer Zeitung

    Die „Lausitzer Allgemeine Zeitung“ nimmt aktuell Bezug auf Roubinis Aussagen und schreibt in einem Beitrag über „Unternehmen, die faktisch pleite sind und nur noch über günstige Kredite und staatliche Förderprogramme am Leben gehalten werden. Defizitäre Unternehmen sind also nur durch direkte oder indirekte staatliche Eingriffe lebensfähig. Immer häufiger tritt dabei auch der Staat selbst als Unternehmer auf.“ Mehr als die Hälfte aller Ausbildungsplätze stelle ohnehin schon heute der Staat bereit.

    Der Vergleich mit der sogenannten „Graf-Dracula-Wirtschaft“ dränge sich hierbei auf: „Denn immer weniger gesunde Unternehmen müssen immer mehr Pleitekandidaten finanzieren. Wobei die wichtige Kernfrage im Raum steht: Ist der Staat wirklich der bessere Unternehmer? (...) Vereinfacht: Am Ende der großen Wirtschaftskrise werden die ohnehin schon großen Spieler am Markt noch größer als zuvor und viele kleine Mitbewerber von der Bildfläche verschwunden sein.“

    Ist die „Lufthansa“ überhaupt systemrelevant?

    Der Staat, beispielsweise Deutschland, rette relativ problemlos strategisch wichtige Wirtschaftsakteure wie die Fluglinie „Lufthansa“, während viele kleinst-, klein- und mittelständische Unternehmen um ihre finanzielle Zukunft bangen. „Die Verluste der Commerzbank gleicht der Steuerzahler aus und die kleine konkurrierende Bankfiliale nebenan?“, so die Zeitung. „Die darf ruhig Pleite gehen. Kurzum: Die sogenannten 'systemrelevanten Unternehmen' werden gerettet und der Rest kann Insolvenz anmelden. Davon sind aber nicht nur Banken betroffen. Sogar Fluggesellschaften stehen mittlerweile als 'systemrelevant' da.“

    Der Beitrag kritisiert dabei „das Dickicht an staatlichen Subventionen“ für bereits kränkelnde Wirtschafts-„Riesen“, darunter die „Deutsche Bank“.

    Doch „der Staat“ wisse dabei selbst ganz genau, „dass er nicht der bessere Unternehmer ist.“ Das musste demnach sogar selbst das Kanzleramt im Jahr 2009 zugeben, im Zuge der damaligen Rettungspakete für den Autobauer „Volkswagen“.

    Die sogenannte „Graf-Dracula-Wirtschaft“ dränge sich als These für die heutige Situation regelrecht auf: „Die defizitären staatlichen Unternehmen werden durch gesunde Unternehmen aus der Privatwirtschaft am Leben gehalten. Kurzum: Der kleine Handwerksbetrieb um die Ecke muss über seine Steuern die wirtschaftlichen Abenteuer des Staates finanzieren. Solche Systeme können aber nur am Leben bleiben, solange der Einfluss von 'Graf Dracula' klein bleibt.“

    Themen:
    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (64)

    Zum Thema:

    Dafür wurde die EU geschaffen – Trump erläutert
    Merkel spricht mit Putin – Konflikt in der Ukraine im Fokus
    Mindestens sieben Schiffe im iranischen Hafen in Brand geraten
    Tags:
    Coronavirus, Wirtschaftskrise