23:52 22 September 2020
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    Was machen chinesische Geldinstitute, wenn die US-Regierung Ungnade walten lässt und die Banken vom internationalen Zahlungsverkehr abkoppelt? Die Gefahr ist ja real – wie auch die Gefahr, dass der Dollar massiv entwertet. Chinesen fürchten enorme Verluste, sind aber nicht allein.

    Sage und schreibe 130 mögliche Maßnahmen gegen „echte Gegner der Vereinigten Staaten: Russland, China und Iran“ sind in einem Bericht enthalten, den republikanische Kongressabgeordnete in der zweiten Woche dieses Monats veröffentlicht hatten. Es ist ein 120-Seiten-Dokument mit der gravitätischen Überschrift „Amerika stärken und globalen Bedrohungen entgegenwirken“. Ein möglicher Schritt, den die amerikanischen Republikaner andenken, besteht darin, die Zahlungsgesellschaft SWIFT zum Abbruch der Zusammenarbeit mit Banken aus den genannten Ländern zu drängen. Am 17. Juni dann unterzeichnete Donald Trump einen Gesetzentwurf, der Sanktionen gegen chinesische Amtspersonen vorsieht, die an der „Verletzung der Rechte der Muslime in der Volksrepublik China“ beteiligt seien.

    Beide Vorhaben heißen konkret: Peking hat allen Grund zu erwarten, dass auf die Einzelsanktionen wirtschaftliche Strafmaßnahmen folgen

    „Wir müssen uns rechtzeitig und richtig, nicht nur mental, darauf vorbereiten, vom SWIFT abgeschaltet zu werden“, erklärte Vize-Vorsitzender der chinesischen Wertpapieraufsicht (China Securities Regulatory Commission) Fang Xinghai und fügte hinzu: „China ist verwundbar durch potenzielle Sanktionen Washingtons“.

    Über 11.000 Organisationen in 200 Ländern sind an die SWIFT – Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunications – derzeit angeschlossen. Allein seit Beginn dieses Jahres sind über vier Milliarden Finanztransaktionen darüber abgewickelt worden. Formal ist SWIFT zwar ein Privatunternehmen, aber da die Finanzgeschäfte in Dollar abgerechnet werden, hängt die Gesellschaft wesentlich vom Dollar ab – und somit von der Notenbank und der Regierung in den USA.

    Yuan anstelle des Dollars

    Die Sorgen der Chinesen haben noch eine zweite, größere Ursache. Eine Entwertung des US-Dollars werde immer wahrscheinlicher, was auf China negativen Einfluss nehmen könne, sagte Fang Xinghai außerdem.

    Die Gefahr sieht auch sein Kollege Guo Shuqing, Vorsitzender der chinesischen Banken- und Versicherungsaufsicht (China Banking Regulatory Commission). In einer Fachkonferenz in Schanghai sagte er, die amerikanische Federal Reserve sei „faktisch die Zentralbank der Welt“ und in letzter Zeit zu sehr dem Gelddruck verfallen.

    „Einige sagen, Binnenschulden seien keine Schulden; echte Schulden seien nur Außenschulden. Doch für die Vereinigten Staaten sind im Grunde auch die Außenschulden keine wirklichen Schulden. Das hat Jahrzehnte lang funktioniert, kann so aber nicht unendlich weitergehen“, erklärte der Aufsichtschef Guo.

    Das Vollpumpen der amerikanischen Wirtschaft mit frischen Dollar habe nur ein unvergleichliches Wachstum der Aktienmärkte ausgelöst, die jede Beziehung zur Realität verloren hätten, mahnte er. „Das Ausmaß der Verwerfungen ist beispiellos. Doch gibt es diese Sause nicht geschenkt: Wir alle müssen eine Entwertung befürchten.“

    Mit dieser Sicht sind die Chinesen nicht allein, auch US-Analysten klagen über drohende Risiken für den Dollar als Leitwährung: „2021 könnte der Dollar 35 Prozent an Wert verlieren“, sagt Stephen Roach, ehemaliger Chef der Morgan Stanley Asia. Ursache dafür: Schnell schwindende Sparguthaben der amerikanischen Bevölkerung und die steigende Staatsverschuldung, ausgelöst durch immensen Input an ungedecktem Geld in die US-Wirtschaft.

    Die amerikanische Notenbank hat in der Tat seit 2008 circa acht Billionen Dollar gedruckt und plant allein in diesem Jahr, weitere fünf Billionen zu emittieren. Eine Schwächung der amerikanischen Währung scheint somit unumgänglich.

    Für China, das über eine Billion in amerikanische Staatsanleihen investiert hat, droht eine Dollarentwertung zu kolossalen Verlusten zu führen. Schon deshalb will Peking die Risiken mindern und den Yuan als Alternative zum Dollar aufstellen. „Würden wir unsere Auslandswerte in Yuan [halten], hätten wir keinerlei Sorgen“, sagte Fang Xinghai. „Die Internationalisierung des Yuan wird es uns ermöglichen, den finanziellen Druck auszugleichen, der von außen kommt.“

    Alternative ist vorhanden

    Es gibt Möglichkeiten, mit diesen Risiken umzugehen. Russland beispielsweise lebt mit der Drohung, von SWIFT abgekoppelt zu werden, seit 2014 – dem Anfangsjahr des amerikanischen Sanktionskrieges gegen Moskau. Als Reaktion darauf hat die russische Zentralbank ein eigenes Finanzverkehrssystem entwickelt: das SPFS. Zu Beginn dieses Jahres waren 391 Nutzer daran angeschlossen; rund 13 Millionen Transaktionen erfolgten über das SPFS 2019.

    Kurz vor dem russischen Verfahren hatte Peking sein China International Payments System (CIPS) eingeführt. Auf dem BRICS-Gipfel im November letzten Jahres haben Russland und China sich darauf verständigt, die beiden Verfahren im internationalen Zahlungsverkehr zu koppeln: Das SPFS rechnet in Rubel, das CIPS in Yuan ab – in beiden Fällen sind die Nutzer vom Dollar und vom SWIFT unabhängig. Und: Die internationale Stellung des Dollars wird mit jeder Transaktion solcher Art schwächer.

     

     

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    Tags:
    Wirtschaft, SWIFT, China, USA, Dollar