12:00 06 Juli 2020
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    Die deutsche Regierung will angesichts des Milliarden-Bilanzskandals um den Dax-Konzern Wirecard die Bilanzkontrolle reformieren. Dies melden Nachrichtenagenturen am Montag unter Verweis auf das Justizministerium.

    Um einen funktionsfähigen und transparenten Kapitalmarkt zu gewährleisten, sei ein „sachkundiges, wirkungsvolles und effizientes Bilanzkontrollverfahren“ notwendig, zitiert die DPA den Sprecher des Amtes.

    In einem ersten Schritt soll der Vertrag mit der als Bilanzpolizei bekannten Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) gekündigt werden. Die zuständigen Ministerien hätten sich darauf geeinigt und leiteten dies nun in die Wege, sagte ein Vertreter der Behörde gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

    Die Kündigung des DPR-Vertrags sei nur der erste Schritt, so die Agentur unter Verweis auf eine Sprecherin des Finanzministeriums. Der Fall müsse umfassend aufgeklärt werden, daran habe das Finanzministerium selbst ein Interesse.

    Vertrag mit der Bilanzpolizei bis Ende 2021

    Die Zusammenarbeit mit der DPR läuft nach Reuters-Angaben noch bis Ende 2021. Wie die Agentur unter Berufung auf einen Insider berichtet, sollte der Vertrag nicht zeitnah gekündigt werden, so verlängere er sich um ein Jahr und würde dann bis Ende 2022 laufen.

    Der deutsche Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte vergangene Woche schon eine Reform der Finanzaufsicht angekündigt. „Die BaFin muss künftig in der Lage sein, Sonderprüfungen möglichst kurzfristig, schnell und effizient durchführen zu können.“

    Hintergrund

    Wirecard wickelt als Zahlungsdienstleister die bargeldlosen Geldflüsse zwischen Händlern auf der einen und Banken sowie Kreditkartenfirmen auf der anderen Seite ab. Weltweit beschäftigt der Konzern knapp 6000 Menschen.

    Der Vorstand hatte für die Wirecard AG am 25. Juni einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Auslöser für den Insolvenzantrag war das Eingeständnis mutmaßlicher Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die das High-Tech-Unternehmen aus dem Münchner Vorort Aschheim an den Rand des Abgrunds getrieben haben.

    Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun und weitere ehemalige und aktive Spitzenmanager. Das Münchner Amtsgericht hatte den Anwalt Michael Jaffé als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, der nun zunächst die Überlebensfähigkeit des Unternehmens einschätzen muss.

    mo/mt/dpa/rtr

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