21:53 12 Juli 2020
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    Finanzmedien zufolge ziehen sich weltweit immer mehr Banken aus dem internationalen Goldhandel zurück. Der Grund liegt in den globalen Gold-Lieferketten, die durch den „Corona-Ausfall“ gestört sind. Banken haben millionenschwere Verluste zu beklagen. Überraschend dabei: Trotz dieser Entwicklung steigt der Goldpreis immer noch weiter.

    „Gold ist am Dienstagmorgen gefragt und notiert (…) weiterhin in der Nähe seines am 24. Juni bei 1779,44 US-Dollar pro Unze erreichten knappen Achtjahreshochs.“ Das meldete das Trading-Portal „Godmode-Trader“ am Dienstag. Damit sei das Edelmetall aktuell auf bestem Wege, im zweiten Quartal 2020 den größten vierteljährlichen Anstieg seit vier Jahren verbuchen zu können.

    „In der Corona-Krise haben sich einige Banken im Edelmetallhandel verzockt“, berichtete das „Handelsblatt“ vor wenigen Tagen. „Die Banken dürften vorsichtiger agieren. Das hat Auswirkungen auf die Dynamik der Goldpreise.“ Der globale Goldmarkt sei ein fragiles Gebilde mit klarer Aufgabenverteilung: „In London, auf dem wichtigstem Umschlagplatz für das Edelmetall, wird vornehmlich physisches Gold gehandelt. In New York wird der Handel mit Futures, also Lieferkontrakten, abgewickelt. Beide Märkte greifen ineinander – doch in der Corona-Krise ist die Verbindung kurzzeitig abgerissen.“

    Britische Bank „HSBC“: 200 Millionen Euro Verlust im Gold-Handel

    Die Konsequenzen dieser Entwicklung könnten sich demnach langfristig auf den Goldpreis auswirken. Die Banken wurden „von den Problemen in der Lieferkette kalt erwischt“ und mussten „hohe Preise zahlen, um ihr Gold nach New York zu schaffen“. Beispielsweise kostete eine Unze Gold zu einem bestimmten Liefertermin an der New Yorker Börse zeitweise rund 90 Dollar mehr als in London.

    Diese untypische Handelsspanne bescherte großen internationalen Bankhäusern herbe Verluste. So erlitt die britische Bank „HSBC“ – in Deutschland als „HSBC Trinkhaus“ vertreten – im Mai einen Verlust von etwa 200 Millionen Euro im Goldhandel in London. Das drittgrößte Bankhaus Kanadas, die „Scotiabank“, kündigte demnach an, sich aufgrund der Marktverwerfungen endgültig vom Goldhandelsplatz in London zurückziehen zu wollen.

    Über die Folgen dieser Banken-Entscheidungen für den Goldmarkt berichtete am Montag das Schweizer Online-Wirtschaftsmagazin „Finanzen.ch“. „Einige Banken haben in der jüngsten Vergangenheit durch die besonderen Entwicklungen am Markt herbe Verluste einstecken müssen und wollen nun vorsichtiger agieren.“

    „Gestörte globale Gold-Lieferketten“ – Finanz-Medien

    Die Corona-Krise führe zu Verwerfungen am Goldmarkt. Banken hätten dadurch heftige Verluste durch Goldgeschäfte zu verzeichnen und dies seien die Gründe dafür:

    Durch die Corona-Krise sei es zu „Störungen in der Gold-Lieferkette“ gekommen. „Durch das Herunterfahren der Wirtschaft mussten auch die Gold-Raffinerien in der Schweiz, die zu großen Teilen für die Herstellung der Goldbarren weltweit zuständig sind, ihre Produktion stoppen. Auch große Gold-Raffinerien in anderen Ländern, wie in Kanada oder Südafrika, waren vorübergehend geschlossen. Hinzu kam, dass der Flugverkehr nur eingeschränkt möglich war, wodurch der Transport von fertigen Barren nahezu zum Erliegen kam. Die Gold-Reserven befanden sich also in Zwischenlagern und warteten auf den Weitertransport.“

    Marktbeobachter gehen davon aus, dass Banken künftig „noch vorsichtiger“ im Edelmetall-Sektor agieren werden. Dadurch könnte insgesamt die Liquidität des Goldmarktes abnehmen.

    Demgegenüber stehen Aussagen von Finanz-Analytikern der Deutschen Bank, die in naher Zukunft mit einem „moderaten Anstieg“ des Goldpreises rechnen.

    Gründe für Gold-Anstieg

    Zwei Faktoren scheinen „zuletzt für den Preisanstieg eine Rolle gespielt zu haben“, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) vor wenigen Tagen. „Zum einen der niedrige Dollar. Wenn die US-amerikanische Währung nachgibt, wird das in Dollar gehandelte Gold außerhalb des Dollarraumes günstiger und die Nachfrage steigt.“ Ein anderer Grund sei in den gestiegenen Zahlen der weltweiten Infektionen mit SARS-CoV-2 zu sehen. Diese habe „die Nachfrage nach Gold und damit den Preis wieder erhöht. Der Anstieg des Goldpreises ist also wohl nicht nur ein Krisensymptom, aber auch.“

    Aus Sicht eines von der FAZ befragten Finanz-Experten würden Anleger im Moment „zwiegespalten handeln“. Einerseits sorge das langsame Hochfahren der Wirtschaft für vorsichtigen Optimismus. Aber die immer noch nicht unter Kontrolle befindliche Corona-Krise erhöhe offenbar das Sicherheitsbedürfnis. „Über zahlreiche Konjunkturpakete fluteten zudem Regierungen und Zentralbanken die Märkte mit günstigem Geld.“ Der schwache Dollar-Kurs würde darüber hinaus den Höhenflug beim Gold unterstützen.

    Dämpfer und Risiken für den Gold-Preis

    Doch: Für die Goldbranche sei die momentane Pandemie „nicht nur ein Motor für höhere Preise“. Sondern auch ein großer Störfaktor. „Die Shutdowns hatten nicht nur bei der Goldverarbeitung etwa im Tessin (in der Südschweiz, Anm. d. Red.) für Schwierigkeiten gesorgt, sondern auch beim Goldtransport per Flugzeug und in der sonstigen Logistik. Wer Barren und Münzen kaufen wollte, traf auf lange Wartezeiten oder erhielt gleich die Ansage: Lager leer.“

    Dieser Einschätzung folgt aktuell auch das Online-Fachmagazin „Finanzmarktwelt“, das vor einem risikobehafteten, aber noch gemäßigten Preisrückgang beim Gold warnt. Die schlechten innenpolitischen Nachrichten aus den USA – Corona-Krise, hohe Infektionszahlen, Unruhen und flächendeckende Proteste – würden momentan Ängste vor einem „erneuten Herunterfahren der Wirtschaftstätigkeit“ schüren. „Da fliehen die Anleger folgerichtig aus risikobehafteten Anlagen wie Aktien, womit der sichere Hafen Gold automatisch attraktiver wird.“ Allerdings funktioniere dieses Szenario nicht immer.

    Außerdem sei weiterhin nicht abzusehen, wie schnell, stabil und nachhaltig sich die Weltwirtschaft erholen könnte, die teilweise immer noch im politisch verordneten Lockdown verharrt. „Mit den erneut gestiegenen Corona-Infektionszahlen (hat auch der Gold-Preis, Anm. d. Red.) einen weiteren Dämpfer bekommen“, so weitere Finanzmedien.

    Das bereits zitierte Trading-Portal betonte andererseits, dass das Edelmetall in der aktuellen Pandemie als „sicherer Hafen“ sehr gefragt sei. Bislang habe Gold „angesichts der ultralockeren Geldpolitik und den umfangreichen Stimuli, mit denen die großen Notenbanken versuchen, die Auswirkungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie auf die Weltwirtschaft abzumildern, im zweiten Quartal um knapp 13 Prozent zugelegt.“

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