12:50 03 Dezember 2020
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    Gerade in den Zeiten der Corona-Pandemie haben viele Leute aus hygienischen Gründen die kontaktlose Kartenfunktion benutzt, anstatt mit Bargeld zu bezahlen. Laut einem Finanzökonomen hat das Virus vielleicht sogar das Aussterben des Bargelds in der Schweiz ausgelöst. Wird die Schweiz in den nächsten zehn Jahren komplett bargeldlos funktionieren?

    Laut einem Artikel des „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF) haben seit Anbeginn der Corona-Krise deutlich mehr Kunden mit dem Handy bezahlt als davor. Der Zuwachs betrüge in Geschäftshäusern wie Aldi oder Coop rund zehn Prozent. Auch die kontaktlos-Funktion der EC- und Kreditkarten erwies sich als hygienischere Alternative zum Bargeld. Migros – einem der größten Einzelhandelsunternehmen der Schweiz – habe in einem Bericht ausgesagt, dass die Hälfte aller Einkäufe mittlerweile elektronisch stattfände. Seit der Pandemie habe das bargeldlose Zahlen enorm zugenommen, so ein Sprecher von Migros zum SRF.

    Dies werde auch an immer mehr Orten empfohlen – vor allem aus hygienischer Sicht seien Scheine und Münzen nicht gerne gesehen, so das SRF. Viele Einzelhandelsunternehmen, Bäckereien und Geschäfte appellieren an ihre Kunden, nur mit Karte oder dem Smartphone zu zahlen. Studien hätten nämlich gezeigt, dass Krankheitserreger bis zu 17 Tage auf Papiergeld überleben können. Eine kategorische Ablehnung von Bargeld sei jedoch nicht möglich laut Dagmar Jenni, der Geschäftsführerin des Verbandes „Swiss Retail Federation“.

    Bargeld weg bis 2030?

    Durch die Corona-Krise und die neue Entwicklung des bargeldlosen Trends hat sich auch die Meinung des Professors für Finanzökonomie an der Universität Zürich Thorsten Hens geändert. Hens schätzt nun durch die jetzige Lage die Situation folgendermaßen ein: „Meine neue Vorhersage ist nicht mehr 2050, sondern 2030 – also nur noch zehn Jahre.“ Zu Jahresbeginn äußerte er noch scherzhaft, dass die Schweiz im Jahre 2050 als das letzte Land das Bargeld abschaffen wolle, so das SRF.

    Dass das bargeldlose Zahlen an Bedeutung gewinnt, sieht man alleine an den Aufrüstungsplänen von Coop, Migros und co. Die Großverteiler bereiten sich auf mehr Optionen in diesem Bereich vor: Coop hat das Angebot erweitert, indem nun die Zahlung über ihre eigene Karte – die sogenannte Supercard – möglich sei. Bei Aldi könne der Kunde nun auch mit der Schweizer Smartphoneapp „Twint“ bezahlen. Migros arbeitet ebenfalls Konzepte aus für die Zukunft, in denen Kunden ihre Artikel mit dem Handy selbst einscannen und direkt bezahlen können.

    Doch auch wenn das bargeldlose Bezahlen an Popularität gewinnt, so sparen die Menschen weiterhin ihr Bargeld an. „Der Gesamtumlauf aller Banknoten hat aber weiter zugenommen“, so Peter Eltschinger, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Nationalbank. Doch oft sei dies eine typische Reaktion für eine Krise – die Leute würden sich dann einen Notvorrat anlegen.

    lm/gs

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    Kreditkarte, Bargeld, Schweiz, Wirtschaft, Coronavirus