14:40 09 August 2020
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    Die Auslandshandelskammer Russland hat für einen schnellen Ausbau der Deutsch-Russischen Wasserstoffpartnerschaft als Pilotprojekt den Bau einer industriellen Wasserstoffanlage vorgeschlagen. Ein entsprechendes Papier der Wirtschaftslobbyisten ging am Montag an zuständige Behörden. Die Partnerschaft war vorab Thema auf ministerieller Ebene.

    Die Deutsch-Russische Energiepartnerschaft wurde am Rande der traditionellen großen Russlandkonferenz der Auslandshandelskammer (AHK) und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Februar in Berlin von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und dem russischen Industrie- und Handelsminister Denis Manturow verkündet.

    „Russland und Deutschland sollten ihre lange und erfolgreiche Energiepartnerschaft bei Öl und Gas nutzen, um nun auch bei dieser Klima-Zukunftstechnologie eng zusammenzuarbeiten“, heißt es nun in einem neuen Positionspapier der AHK, das am Montag an die zuständige Ministerien beider Länder versandt wurde.

    „Wir schlagen vor, eine deutsch-russische industrielle Wasserstoffanlage als Pilotprojekt zu errichten“, so Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der AHK in Moskau.

    Sowohl Deutschland als auch Russland haben das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Damit hätten sich beide Länder zu einer aktiven Klimapolitik und zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen verpflichtet, heißt es weiter: „Um diese globale Herausforderung zu meistern, wird eine deutsch-russische Zusammenarbeit im Bereich Wasserstofftechnologie einen entscheidenden Beitrag zu einer CO2-neutralen Welt leisten“, so Schepp. „Wir müssen die einmalige Chance nutzen, Technologieführer zu werden und die Zukunft russischer und deutscher Energieunternehmen zu gestalten.“ 

    Deutschlands Know-How und notwendige Investitionen

    Schon heute ist Deutschland internationaler Vorreiter bei der Entwicklung von Wasserstofftechnologien. Im Rahmen des Zukunftspaketes des Koalitionsausschusses werden neun Milliarden Euro in die Entwicklung der Wasserstoffindustrie investiert. Davon sind zwei Milliarden Euro für Projekte mit internationalen Partnern vorgesehen. „Russland als größter Flächenstaat der Erde und Rohstoffsupermacht mit riesigen Wasserreserven ist ein idealer Partner für solch eine Zusammenarbeit“, so der AHK-Chef. Voraussetzung für den Import von Wasserstoff in die EU wäre aber eine einheitliche, europäische Regelung zur Klassifizierung von Wasserstoff auf Basis von Kern- und Wasserkraft.

    Was Russland will

    Dabei haben die Ziele der EU und Deutschlands wie die Dekarbonisierung, Energiewende und Energiesicherheit für Russland allerdings geringere Bedeutung. Im Vordergrund stünden dort vielmehr Luftqualität, Technologieentwicklung und Energieeffizienz.  

    Ausschlaggebend für die Entwicklung der Wasserstoffenergie in Russland sind zwei Faktoren: Erstens, das Exportpotenzial des Landes durch die Schaffung neuer exportorientierter Industrien zu stärken und, zweitens, eine stabile und wirtschaftliche Energieversorgung abgelegener und isolierter Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen zu gewährleisten, heißt es im Papier.

    In Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und schrittweise Dekarbonisierung besteht in Russland in erster Linie Interesse an der Entwicklung von CO2-neutralem „blauem“ Wasserstoff, der auf Basis von Elektrizität aus Wasser- und Kernkraftwerken oder auf der Basis traditioneller Energiequellen unter Einsatz von Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologien zur Abscheidung und Speicherung des freigesetzten Kohlenstoffdioxids hergestellt wird.  

    Angesichts aktuell noch niedriger Erzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energien und deren hoher Kosten wird „grüner“ Wasserstoff in Russland allenfalls mittelfristig eine maßgebliche Rolle spielen. Im Jahr 2019 beschloss das russische Energieministerium allerdings, bereits eine „Wasserstoff-Roadmap“ zur Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft zu entwerfen. Der Maßnahmenplan umfasst Aktivitäten zur Ausbildung, Risiko- und Projektfinanzierung, wissenschaftlicher und technischer Entwicklung, Bestimmung der wirtschaftlichen Effizienz von Wasserstoffenergieprojekten sowie zur internationalen Zusammenarbeit und zum Eintritt in internationale Märkte. Für die Erarbeitung der Roadmap wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Energiekonzerns Gazprom, der Sberbank und der Atombehörde Rosatom sowie wissenschaftlichen Experten gebildet.

    Erste Gemeinschaftsprojekte schon gestartet

    In den neuen Bundesländern sind bereits erste Projekte im Bereich Energiespeicherung mit Wasserstoff gestartet.  

    Im „Energiepark Bad Lauchstädt“ in Sachsen-Anhalt streben Uniper, VNG sowie die Firma Ontras an, erstmals Herstellung, Speicherung, Transport und Nutzung von Wasserstoff aus Windkraft zu kombinieren. Auch Siemens Energy startete jüngst in Kooperation mit weiteren europäischen Stakeholdern die Entwicklung der weltweit ersten sogenannten „Power-To-X-To-Power-Demonstrationsanlage“, in der grüner Wasserstoff erzeugt, gespeichert und anschließend mit einem Anteil von bis zu 100 Prozent dem Erdgas zur Strom- und Wärmeerzeugung durch eine modernisierte Gasturbine beigemischt werden kann.  

    Die Wintershall Dea und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben im Oktober 2019 eine Forschungskooperation zur klimafreundlichen Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas vereinbart.

    Zusätzlich entwickeln Gazprom und Rosatom ihre eigenen Unternehmensstrategien für Wasserstoff. Gazprom erarbeitet im Forschungslaboren in Tomsk eine Technologie zur Umwandlung von Erdgas in Wasserstoff. Rosatom hat im Januar 2020 eine Wasserstoffstrategie auf den Weg gebracht und setzt dabei auf Wasserstofferzeugung durch Wasserspaltung in Hochtemperaturreaktoren, welche nach Unternehmensangaben eine besonders hohe Effizienz aufweist.

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    Tags:
    erneuerbare Energien, Wasserstoff, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), Deutschland, Russland