09:49 04 Dezember 2020
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    Der Goldpreis ist „stark und stabil“ durch die Corona-Krise gekommen – im Gegensatz zu Bitcoin oder Aktien, so Goldmarkt- und Finanz-Experte Dimitri Speck. „Das Coronavirus ist in Europa weitgehend unter Kontrolle – wenn die Politik es will“, sagt der Edelmetall-Insider im Sputnik-Interview. Für ihn ist aktuell Silber „sehr attraktiv“.

    Aktuell kostet eine Feinunze Gold am Markt etwa 1793 US-Dollar (umgerechnet circa 1587 Euro). Goldmarkt-Analytiker und Buchautor Dimitri Speck bewertete im Sputnik-Interview die momentane Lage des Edelmetalls.

    „Der Goldpreis ist aktuell seit Jahresbeginn sehr gut gelaufen und sehr stabil durch die Corona-Krise gekommen – während sich der Bitcoin-Kurs halbiert hat und auch Aktien stark abgegeben haben“, sagte er.

    „Gute Phase für Gold im Juli“ – Edelmetall-Experte

    „Außerdem steht bei Gold aktuell eine gute saisonale Phase an“, betonte der Gold-Experte:

    „Jetzt in der ersten Juli-Hälfte. Das begründet sich darin, dass Gold auch als Schmuckmetall stärker nachgefragt wird.“ Beispielsweise in Indien, wo der Sommer traditionell die Hochzeits-Saison ist. Oder auch in China für dortige Festivitäten, bei denen Goldschmuck gern getragen wird. „Das sind Faktoren, die auch noch positiv auf den Goldpreis wirken.“

    Der Edelmetall-Insider beschäftigt sich unter anderem mit jahreszeitlich und sogar wochentäglich bedingten Schwankungen und Faktoren beim Goldpreis. Informationen darüber finden sich auf Specks Website „Seasonax“ und auf dessen gleichnamigem YouTube-Kanal.

    „Innerhalb der Woche gibt es auch Schwankungen beim Gold. Der Goldpreis steigt typischerweise sehr stark am Freitag im Mittel. Also kaufen Sie es bis Donnerstag.“

    Führend in allen Anlageklassen

    „Der Goldpreis hat meines Erachtens – trotz Manipulation – relativ wenig zwischenzeitlich verloren“, schätzte er ein. Gold führe mit dem gegenwärtigen Kurs außerdem alle wichtigen Anlageklassen an. Das Coronavirus habe dennoch zu starken weltwirtschaftlichen Verwerfungen geführt, vor allem im Bereich der Luftfracht zwischen den USA und Europa.

    Wenn Gold-Fachmann Speck von Manipulationen am Edelmetallmarkt spricht, meint er genau das: Kräfte und Akteure an den Termin-Märkten manipulieren laut ihm seit Jahrzehnten den Goldpreis. Dies hat er in seinem Buch „Geheime Goldpolitik“ ausführlich beschrieben und schon häufig in früheren Sputnik-Interviews erläutert. 

    „Wir haben ein neues Virus, das auf ein bereits desolates Finanzsystem trifft. Das sollte man nie vergessen. Wir waren bereits vorher in einer Mega-Blase an den Anlagemärkten, Aktien- und Immobilienmärkten und dergleichen. Wir sind in einer völlig überschuldeten Weltwirtschaft. Aufgrund dieser Überschuldung muss der Realzins niedrig bleiben. Also, was die Anleger nach Abzug der Inflationsrate auf dem Konto an Zinsen bekommen, dieser Ertrag wird niedrig bleiben – sonst bekämen die Schuldner Probleme. So ein Umfeld ist einfach immer positiv für Gold gewesen.“ Und ist es eben auch heute.

    Rettungspakete plus „billiges Geld“ = Gute Aussichten für Gold-Kurs

    Gegenwärtig sei es so, dass die Überschuldung der Weltwirtschaft, die Corona-Krise, die staatlichen Rettungspakete und „die Liquiditätsflutung“ – Stichwort billiges Geld – einen „richtigen Unfall des Finanzsystems“ hervorrufen könnten. Von Konten-Restriktionen bis hin zur galoppierenden Inflation (Geldwertverlust) sei jedes Szenario aktuell denkbar. „Da bietet Gold einfach Schutz und das sehen auch viele Anleger und kaufen entsprechend das Edelmetall.“

    Die Prognose des Gold- und Finanz-Experten: Die Staaten und Zentralbanken werden auch kurz- und mittelfristig weiter „billiges Geld“ in die Märkte pumpen. Die laut ihm außer Kontrolle geratene Überschuldung werde sich fortsetzen – bis es möglicherweise zu einem großen „Crash“ komme.

    Die staatlichen und von den Zentralbanken getragenen Hilfs- und Rettungspakete zur Unterstützung der eigenen Volkswirtschaften, Branchen und Unternehmen haben ihm zufolge bereits einen „Run“ auf Gold und Edelmetalle ausgelöst. „Die physische Nachfrage ist gestiegen und steigt, das kann man auf Basis von Gold-Münzen ganz klar sehen. Das kann man auch bei Gold-ETFs (teils börsengehandelte Gold-Zertifikate auf Papier, Anm. d. Red.) erkennen, also bei Anlageprodukten, die beispielsweise Vermögensverwalter leicht kaufen können.“ Aber schon vor der aktuellen Corona-Krise sei die gestiegene Gold-Nachfrage vorhanden gewesen, hob er hervor: „Also, das darf man jetzt nicht alles auf Corona schieben." Diese Einschätzung wäre völlig verfehlt.

    „Das Virus ist weitgehend unter Kontrolle in Europa“, erklärte Speck unter Berufung auf medizinische und virologische Erkenntnisse. „Wenn die Politik es will, kann sie diesen Kurs und die Produktion in der Wirtschaft beibehalten.“

    Weltweit arbeiten viele Gold-Raffinerien und Minen aktuell schon wieder. Bei Gold-Minen, vor allem in Entwicklungsländern, sehe die Lage jedoch teilweise noch anders aus. Aber selbst die stillstehende Gold-Förderung und Verarbeitung „führt dann letztlich nur zu einer Reduktion des Angebots und wäre dann nochmal positiv für den Goldpreis.“

    Die Nachfrage nach physischem Gold, beispielsweise verstärkt nach Münzen oder Barren, sei ohnehin gestiegen. Da „viele Anleger verstehen, dass Verwerfungen im Finanzsystem drohen.“ Sie würden sich mit Gold absichern.

    Silber: „Vielleicht die noch bessere Alternative“

    „Silber ist in der Corona-Krise wesentlich volatiler (schwankender, Anm. d. Red.) gewesen als Gold“, sagte Speck mit Blick auf den Silbermarkt. „Phasenweise ist der Silberpreis sogar ziemlich stark eingebrochen, auch weil es ein Industriemetall ist. Wir hatten ein Verhältnis der beiden Metalle in der Spitze von 125 zu 1 im Wert. Also ein Gramm Gold war 125-mal so viel Wert wie ein Gramm Silber. Oder umgekehrt: Silber war extrem günstig. Vielleicht kommt es beim Silber nochmal zu solch einem Rückgang, was ich für sehr wahrscheinlich halte. Aber das ist nur eine These.“

    Das Edelmetall Silber sei langfristig sogar „vielleicht die attraktivere Anlage-Alternative im Vergleich zu Gold. Insbesondere wenn wir eine Edelmetall-Hausse (ein Hoch, Anm. d. Red.) bekommen, wie Ende der 1970er und 80er Jahre. Oder auch 2011. Dann steigt der Preis beim Silber typischerweise weit überproportional, auch weil die Anleger dann in Silber gehen.“ Denn es gebe viel weniger oberirdische Vorräte an Silber im Vergleich zum Gold. „Also: Wer langfristig in Edelmetalle investieren möchte, für den halte ich Silber für attraktiver als Gold.“

    Eine Feinunze Silber kostet gegenwärtig etwas über 18 Dollar, umgerechnet also rund 16 Euro.

    Das Radio-Interview mit Goldmarkt-Experte Dimitri Speck zum Nachhören:

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    Tags:
    Bitcoin, Aktien, Silber, Gold, Coronavirus