17:15 15 August 2020
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    Die EU-Kommission stellt am Mittwoch ihre Wasserstoffstrategie vor, steckt den Pfad zur EU-Wasserstoffwirtschaft bis 2050 ab. Dabei setzt die EU auch auf internationale Partner, da ein großer Teil der künftigen Wasserstoffnachfrage durch Importe gedeckt werden muss. Die Ukraine und der Westbalkan sind dabei, nur Russland ist „unter ferner liefen“.

    Die EU hebt als als potenzielle Wasserstoffpartner in Osteuropa ausdrücklich die Ukraine und die Staaten des Westlichen Balkans hervor. Diese sind regulatorisch bereits heute in den gemeinsamen EU-Energiemarkt integriert. Sie hätten zwar großes Potenzial für den Ausbau der erneuerbaren Energien und im Fall der Ukraine gar eine Exportinfrastruktur für Gas Richtung Westeuropa, so Oliver Hermes vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.

    Russland muss „unbedingt“ dabei sein

    Russland allerdings gehört seiner Ansicht unbedingt zu aussichtsreichen Partnern für die europäische Wasserstoffkooperation. Russland verfüge über jahrzehntelange Erfahrungen als Energielieferant Europas und über die entsprechende Infrastruktur. Dazu kämen gewachsene Geschäftsbeziehungen zwischen europäischen und russischen Unternehmen im Energiesektor. „Diese in fossilen Zeiten entstandenen Verbindungen bieten hervorragende Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von CO2-neutralen Wasserstofftechnologien“, so Hermes: „Russland hat zudem alle Voraussetzungen dafür, ein Global Player auf dem internationalen Wasserstoffmarkt zu werden.“

    Gas, Wind- und Wasserkraft 

    Dank seiner umfangreichen Gasreserven bringt Russland den Rohstoff für die Produktion von Wasserstoff aus Erdgas mit. Die damit verbundenen CO2-Emissionen lassen sich durch den Einsatz von CSS-Technologien („blauer Wasserstoff“) oder im Prozess der Methanpyrolyse durch die stoffliche Bindung von Kohlenstoff („türkiser Wasserstoff“) um bis zu 90 Prozent reduzieren. Russland verfügt aber auch über ein beträchtliches Wind- und Wasserkraftpotenzial, das für die Erzeugung grünen Stroms für die Wasserstoffproduktion genutzt werden kann. Damit könnte das Land langfristig auch zum Produzenten grünen Wasserstoffs werden. 

    „Russland könnte gleichsam mit der Wasserstoffentwicklung in der EU mitwachsen“, so Hermes: „Kurz- und mittelfristig als Lieferant vor allem von blauem und türkisem Wasserstoff aus Erdgas, langfristig auch als Lieferant von grünem Wasserstoff unter Einsatz erneuerbarer Energien.“

    Vorteile für alle 

    Gemeinsame Wasserstoffprojekte böten Vorteile für beide Seiten, so Wirtschaftslobbyist Hermes: Sie stärken das Bewusstsein für die Bedeutung von Wasserstoff für die globale Energiewende in Russland und anderen Partnerländern und kurbeln die Nachfrage nach entsprechenden Technologien und Know-how an. Damit tragen sie zur Dekarbonisierung der Volkswirtschaften bei und eröffnen europäischen Technologielieferanten zugleich neue Absatzmärkte. Die Schaffung einer langfristigen Exportoption würde bisherigen fossilen Energielieferanten zudem eine zusätzliche wirtschaftliche Perspektive in Zeiten einer zunehmenden Substitution fossiler Brennstoffe bieten und könnte so auch zu deren wirtschaftlicher und politischer Stabilität beitragen.

    Ost-Anrainer beim Green-Deal mitnehmen

    „Auf europäischer Ebene sollte die Bundesregierung während und nach ihrer Ratspräsidentschaft eine neue, nachfossile Energiepartnerschaft mit Russland und anderen Staaten Osteuropas vorantreiben“, so Hermes: „Die östlichen Anrainer der EU müssen beim Green Deal mitgenommen werden. Wir müssen zudem verhindern, dass die heutigen Exporteure fossiler Brennstoffe zu Verlierern der globalen Energiewende werden.“

    Deutschland selbst schon einen Schritt weiter 

    EU-Mitglied Deutschland hatte sich bereits mit Russland auf eine bilaterale Arbeitsgruppe für Energetik verständigt bei der Energiepartnerschaft verständigt – die beinhaltet auch Zukunftstechnologien.

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    Tags:
    erneuerbare Energien, Russland, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), EU, Deutschland, Wasserstoffantrieb, Wasserstoff