14:56 13 August 2020
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    Viele Arbeitnehmer haben aufgrund der Corona-Maßnahmen ihre Arbeitsstelle verloren. So erging es auch vielen Schweizer Angestellten. Doch während man im Mai so hohe Arbeitslosenquoten wie selten zuvor hatte, scheint die Lage im Juni schon bergauf zu gehen. Experten erklären, weswegen die Situation weiterhin angespannt bleibt.

    Die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt zeigte im Mai ein dunkles Bild: Bei Regionalen Arbeitsvermittlungszentren hätten sich Ende Mai 156.000 Arbeitslose registriert. Diese Zahl erschreckt, wenn man sie mit der aus dem Vorjahr vergleicht – denn da waren es nur 54.600 gemeldete Arbeitslose.

    „Noch nie gab es im Monat Mai so viele Arbeitslose“, sagte der Leiter der Direktion für Arbeit, Boris Zürcher, gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ).

    Dennoch scheint es jetzt schon einen kleinen Lichtblick zu geben: Die Lage hat sich laut dem „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF) im Juni schon „erhellt“.

    Die Arbeitslosenquote soll im Juni um 0.2 Prozentpunkte von 3.4 auf 3.2 Prozent gesunken sein. So seien 5709 Menschen weniger arbeitslos gewesen als im Vormonat Mai. Nach stetigem Anstieg der Arbeitslosigkeit, sei dies der erste kleine Rückgang. Laut Experten ist diese Senkung der Arbeitslosenquote selbst für Experten überraschend: Die Nachrichtenagentur AWP habe Wirtschaftsexperten befragt und laut ihrer Einschätzung wäre die Arbeitslosenquote im Juni sogar höher als im Vormonat angesetzt gewesen.

    Sommersaison bringt Arbeitsstellen

    Grund für diese Zunahme seien vor allen Dingen die Lockerungen der Corona-Maßnahmen, welche für die Öffnung vieler Betriebe verantwortlich waren. Gerade in Bereichen wie der Gastronomie könne man den Rückgang der Arbeitslosenquote beobachten. Dies komme auch wegen der erhöhten Nachfrage von inländischen Gästen in den Schweizer Bergen. Doch auch im Bausektor habe man weniger Leute, die arbeitslos seien.

    Doch dies stellt laut dem SRF normale Entwicklungen dar: In den Sommermonaten werden immer mehr Leute in solchen Branchen beschäftigt. So wird ein größerer Anstieg im Herbst befürchtet, wenn die Sommersaison vorbei ist und auch auf Baustellen weniger gearbeitet wird.

    Angespannter Arbeitsmarkt

    Trotz der leichten Besserung bleibe die Situation auf dem Arbeitsmarkt angespannt. Denn bisher zeichne sich in anderen Wirtschaftszweigen, wie der Uhrenindustrie oder der Maschinen- und Elektrobranche, keine Besserung ab. Die Exportindustrie schwanke noch in der Schweiz – bisher sei die Nachfrage in China, in den USA und in der EU zu gering.

    Die Zahl der offenen Arbeitsstellen scheint ebenfalls pessimistisch zu stimmen. Zwar seien diese leicht gestiegen, dies jedoch nur aus formalen Gründen. Seit Anfang Juni sind Unternehmen verpflichtet ihre offenen Stellen zu melden – auch wenn diese schon seit längerem existieren. Dennoch müsste man einsehen, dass bisherige Schreckensszenarien, von denen zu Beginn und während des Lockdowns gesprochen worden sei, ausgeblieben seien.

    Kurzarbeit

    Grund für diesen doch sehr milden Ausweg aus der Krise, sei einerseits die Kurzarbeit. Rund 131.000 Unternehmen hätten im April Kurzarbeit angeordnet. Betroffen seien davon ungefähr eine Million Arbeitnehmer – also etwa jeder Fünfte arbeitende Mensch in der Schweiz. Der Bund habe zu Beginn des Lockdowns mit einer größeren Zahl von Kurzarbeitern gerechnet. In diesem Sinne sei auch die Belastung der Arbeitslosenkassen nicht völlig ausgeschöpft.

    Das SRF schreibt der Kurzarbeit eine Rettung vor den schlimmsten Schreckszenarien zu: Auch wenn der Arbeitsmarkt in der Schweiz ausgebremst wurde, so konnte eine große Anzahl an Entlassungen verhindert werden. Von einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt müsse man für längere Zeit jedoch absehen. Zahlreiche Unternehmen wie beispielsweise Läderach, Dufry, Hotelplan haben schon jetzt Sparprogramme und Personalkürzungen angekündigt.

    lm/gs

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    Tags:
    Wirtschaft, Coronavirus, Schweiz, Arbeitslosenquote, Arbeitslosigkeit