19:08 28 November 2020
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    Fleisch, aber wie? Natürlich kann man die Tierhaltung verbessern. Oder man kann einfach das Tier über Bord werfen und sich sein Stück Fleisch vom Bioprinter drucken lassen. Zumindest hat das neuerdings „Kentucky Fried Chicken“ mit seinen Nuggets vor – und arbeitet dazu mit einem russischen 3D-Druck-Vorreiter zusammen.

    Der Fastfood-Gigant Kentucky Fried Chicken aus den USA ist in erster Linie für seine knusprigen und fettigen Hähnchenteile bekannt. Mindestens genauso berühmt ist er aber auch für die Kritik an der Haltung der zugelieferten Hühner und der Qualität des Fleisches.

    Das im Jahr 2013 gegründete russische Unternehmen „3D Bioprinting Solutions“ hat seine Wurzeln in der Medizin, genauer dem jungen Feld der „regenerativen Medizin“, bei der es um die Anzucht für menschlichen Körperzellen geht, die im Labor zum notwendigen Gewebe oder auch Organ heranwachsen.

    Im Fall des „Bioprinting“, zu Deutsch: Biodruckens, übernimmt ein Drucker die Anordnung der Zellen auf einem speziellen Gerüst zum gewünschten Gewebe oder Organ q. Mit dieser Technik hatte das russische Unternehmen im Jahr 2015 das weltweit erste Organ, eine Maus-Schilddrüse, erzeugt und für massig Schlagzeilen gesorgt. Später waren die Forscher wieder die ersten der Welt, die mit dieser Technologie Gewebe in der Schwerelosigkeit des Weltalls herstellen konnten – auf der Internationalen Wetraumstation (ISS).

    Drucker trifft auf Bucket

    Aber wie genau hängen eigentlich der Fastfood-Gigant und der Biotech-Innovator zusammen? Bei „3D Bioprinting Solutions“ ist es wahrscheinlich die Erfahrung. Wer ein Organ drucken kann, schafft es erst recht einen Zellklumpen zum Essen zu drucken – und in gewisser Weise sind Chicken Nuggets ja genau das.

    Bei KFC dagegen ist es eine relativ junge Experimentierfreude, die bereits für vegane Burger, vegane Chicken Wings und vegane Nuggets auf der Speisekarte gesorgt hat. Und jetzt will die Kette nachlegen und in Zusammenarbeit mit dem russischen Unternehmen die ersten Chicken Nuggets aus echten Hühnerzellen drucken, wie das Unternehmen am Donnerstag in einer Pressemitteilung verkündet hat.

    Die ersten Nuggets aus dem Labor sind dabei Teil des Konzepts eines „Restaurants der Zukunft“. Gedruckt sollen die Nuggets aus Zellen von Huhn sowie Pflanzenmaterialien. Außerdem will KFC der Biodruck-Firma alle weiteren nötigen Zutaten zur Verfügung stellen wie Panade und Gewürze, damit „die typische KFC-Geschmackssignatur erreicht wird“, wie es heißt. Kurzum: Die Original-Nuggets sollen so stark nachgeahmt werden wie nur möglich.

    Umweltfreundlicher als Tierhaltung

    Als vegetarisch bezeichnet KFC das Produkt nicht, denn es kommen ja Tierzellen zum Einsatz. Dagegen soll diese Produktionsweise deutlich umweltfreundlicher sein, da unter anderem deutlich weniger Treibhause auf diese Weise entstehen und der Energieverbrauch geringer sein soll. Auch Tierleid wird dadurch deutlich gesenkt, da damit prinzipiell keine Tötung mehr nötig werden, sondern nur noch eine Zellentnahme.

    Bislang ist allerdings der 3D-Druck von Zellen ein sehr langsamer Prozess und eine Massenproduktion in nächster Zukunft nicht abzusehen. Ob das sich bei dieser Kooperation ändern wird? Fest steht nur, dass die finalen Tests der ersten 3D-Druck-Nuggets im Herbst dieses Jahres in Moskau durchgeführt werden sollen. Ob und wann man sie auch kaufen und essen kann, steht bislang in den Sternen.

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    Tags:
    Russland, KFC, 3D-Drucker