15:05 13 August 2020
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    Noch immer sind viele Schlachtbetriebe durch Corona-Infektionen geschlossen oder eingeschränkt arbeitsfähig. Das hat dazu geführt, dass deutsche Schweinehalter kaum mehr Abnehmer für ihre Tiere finden. In der „Warteschleife“ stehen derzeit Hunderttausende Schweine. Bedeutet das nun auch erhöhte Preise, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt?

    Die Schlachthof-Kapazitäten in Deutschland sind vor allem für Schweinehalter hierzulande weiter ein großes Problem. Woche für Woche erreichen immer mehr Schweine die Schlachtreife, doch sie können nicht wie geplant geschlachtet werden. Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, Torsten Staack, schlägt nun Alarm. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ erklärte er:

    „Wir bauen derzeit also sogar noch weitere Überhänge auf. Unter dem Strich reden wir derzeit über etwa 400.000 Schweine, die noch immer quasi in der Warteschleife stehen.“

    Die Lage bleibe angespannt, so Staack. Und auch viele Bauern fürchten um ihre Existenz: Es drohen Notschlachtungen und damit massive Einnahmeausfälle oder sogar Zusatzkosten für die Schweinehalter.

    Die Kette ist gerissen

    Das System funktionierte bisher wie ein gut geöltes Uhrwerk: Die Kette startet mit dem Ferkelzüchter, der den Schweinenachwuchs drei Monate lang aufzieht. Dann übernehmen sogenannte Mäster, bei denen die Tiere innerhalb von vier Monaten rund 100 Kilo zulegen sollen - mit einem Flüssigmix aus Getreide, Soja und Mineralien. Dann geht es weiter zu Unternehmen wie Tönnies oder Westfleisch. Die hatten bisher jede Woche in Deutschland eine Million Schweine geschlachtet. Schließlich bringen Lieferfirmen das Fleisch zu den Supermärkten und damit zum Kunden. Diese Kette ist nun empfindlich gestört.

    Die Welle bricht

    Laut Bauern schiebt sich nun eine Art „Bugwelle“ vor den Mastbetrieben her. Und das kostet schon jetzt, denn die zur Schlachtung bestimmten Tiere müssen einer bestimmten Standardgröße entsprechen, da Fließbänder und Transport dafür ausgelegt sind. Wachsen die Schweine aber nun weiter, da weniger Betriebe schlachten, bekommen die Bauern für die fetteren Tiere weniger Geld. Gegenüber der „Deutschen Welle“ erläuterte der Schweinebauer Florian Hollmann:

    „Da gibt es einen Korridor für das Gewicht. Wenn ich zu große Schweine liefere, werde ich auch schlechter bezahlt.“

    In den vergangenen Wochen war der Schweinepreis deshalb gleich um ein Viertel eingebrochen. Für Landwirt Hollmann bedeutete die Corona-Krise deshalb bereits Einbußen von rund 10.000 Euro.

    Ein hausgemachtes Problem

    Ein weiteres Problem ist die mittlerweile stark fortgeschrittene Zentralisierung in der Schlacht-Branche: Allein in Nordrhein-Westfalen gab es vor über zehn Jahren noch 20 bis 30 Schlachthöfe, mittlerweile nur noch drei oder vier. Immer lauter wird die Forderung an die Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auch kleinere Schlachthöfe überleben können.

    Überraschende Preisentwicklung

    Aber wird das Fleisch jetzt teurer, weil weniger Schweine geschlachtet werden können? Tatsächlich ist ein gegenteiliges Phänomen zu beobachten. Trotz politischer Forderungen nach mehr Tierwohl und der daraus resultierenden höheren Preise für Fleischprodukte plant ausgerechnet einer der Discount-Marktführer laut einem internen Bericht, die Einkaufskosten für Fleisch- und Wurstwaren zu senken. Aldi Süd und Aldi Nord verweisen laut der „Lebensmittelzeitung“ auf die derzeit generell günstigen Schweinefleisch-Preise. Die Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF), Sarah Dhem, ist entsetzt:

    „Die Forderungen von Aldi sind komplett gewissenlos!“

    Gegenüber der Deutschen Presseagentur betonte Dehm, gerade angesichts der Bemühungen der Wurstbranche in den vergangenen Wochen, die Versorgungssicherheit in der Corona-Krise mit großem Aufwand sicherzustellen, passe diese Forderung nicht in die Zeit. Das dürfte Aldi im Kampf mit Konkurrent Lidl um die Marktherrschaft aber herzlich egal sein – vorausgesetzt König Kunde greift auch weiter zum massenproduzierten Billigfleisch in den Aldi-Tiefkühlregalen.

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    Preise, Aldi, Tönnies, Schlachthöfe, Schweine, Schweinefleisch, Coronavirus