07:49 29 September 2020
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    Der Goldpreis knackt Anfang der Woche die historische Bestmarke und steuert auf 2000 US-Dollar je Unze zu. „Diese Entwicklung ist seit drei Jahren abzusehen“, analysiert Goldmarkt-Insider Dimitri Speck im Sputnik-Interview. „Gründe für den Preisanstieg sind vor allem die überschuldete Finanzwirtschaft und niedrige Zinsen.“

    „Heute ist ein historischer Tag für den Goldpreis“, berichteten Finanzmedien am Montag. Gold habe „ein neues Allzeithoch“ bei 1994 US-Dollar je Feinunze markiert. Gold konnte dabei einen historischen Rekord aufstellen. Der Goldpreis habe die alte Rekordmarke mit 1981,27 Dollar pro Unze durchbrochen – und rase weiter auf 2000 Dollar je Gold-Unze zu. Der Höhenflug der Preise für Edelmetalle setze sich also fort. Diese Entwicklung war abzusehen, viele Goldmarkt-Experten hatten in den letzten Monaten diesen Rekord erwartet.

    Darunter auch Edelmetall-Insider Dimitri Speck, mit dem Sputnik regelmäßig über Gold und Silber spricht. Der renommierte Goldmarkt-Experte hatte diese Entwicklung in früheren Interviews immer wieder vorausgesagt. Im aktuellen Gespräch erklärt der Finanz-Fachmann und Buchautor die Hintergründe zum aktuellen Gold-Hoch.

    „Corona-Krise nur Beschleuniger, keine Ursache für Gold-Hoch“

    „Die Gründe für den Anstieg liegen in den vergangenen drei Jahren“, sagte Speck. Aber auch grundsätzlich gesehen steige der Goldpreis in der Regel immer im Gegenspiel zur festverzinslichen Geldanlage in Währungen.

    „Also immer, wenn eine Enteignung droht. Sei es beispielsweise durch direkte Bankenkrisen oder durch eine schleichende Enteignung durch die sogenannte ‚zu niedrige‘ Realverzinsung – dann steigt typischerweise der Goldpreis.“ Die derzeit sehr niedrigen Realzinsen, vor allem in der US-Finanzwirtschaft, seien für das aktuelle Gold-Hoch ein entscheidender Faktor. Kurz gesagt: „Wenn die Sparer schleichend enteignet werden, dann gehen sie ins Gold.“ Dieser Zusammenhang sei aktuell gegeben und sichtbar.

    Die aktuelle Corona-Krise sei dabei bei weitem nicht der treibende Hauptfaktor für das Gold-Hoch. „Wir haben den beschleunigten Anstieg schon seit Mitte 2018“, betonte Gold-Experte Speck. „Den grundsätzlichen Anstieg beim Goldpreis haben wir bereits seit dem Jahr 2001. Das hat mit der Corona-Krise wenig zu tun. Sie hat natürlich durch die enorme Liquiditätsschwemme (in Form der staatlichen Rettungs- und Hilfspakete, Anm. d. Red.) noch einmal das, was bereits schon im Markt vorhanden war, bestärkt.“ Die Virus-bedingte Wirtschaftskrise sei in letzter Instanz nur ein nebensächlicher Faktor für den historischen Gold-Rekordpreis.

    „Wir haben genügend Hinweise, dass der Zusammenhang zwischen Goldpreisanstieg und Realverzinsung weitaus gravierender ist“, analysierte der Goldmarkt-Kenner. „Wenn die Sparer enteignet werden, gehen sie in das liquide Anlagegut, das nicht so leicht enteignet oder Pleite gehen kann.“ Darunter eben das begehrte Edelmetall Gold.

    Warnung vor möglicher Manipulation am Markt

    Die weltweit „hohe Überschuldung“ der Staaten und Zentralbanken sei auf lange Sicht ein sehr gutes Signal für den Goldpreis – wenn auch gleichzeitig ein ernstzunehmendes Risiko für die Volkswirtschaften. Stichworte: drohender Geldwertverlust und Inflation.

    Gold (Symbolbild)
    © REUTERS / Michael Buholzer- BM2E8CL0UBQ01

    Speck geht davon aus, dass die Zentralbanken „auch in Zukunft dafür sorgen werden, dass die Zinsen niedrig sind. Sonst würden die Schuldner und Staaten schlicht und ergreifend den Schuldendienst nicht bedienen können. Die niedrigen Zinsen werden auf längere Sicht nachhaltig für weitaus höhere Gold-Kurse sorgen.“

    „Aktuell ist es so“, beschrieb der Goldmarkt-Insider die momentane Lage an den Edelmetall-Märkten: „Offizielle staatliche Stellen wirken (über die Zinspolitik, Anm. d. Red.) nicht nur indirekt auf den Goldpreis, sondern auch direkt durch Goldpreis-Manipulationen. Das machen diese Akteure systematisch seit August 1993.“ Dies funktioniere so: „Über die Terminmärkte wird schlagartig in kurzer Zeit sehr viel Gold verkauft.“ Durch diese gezielt geschaffenen „Schocks“ werde so der Kassapreis beim Gold künstlich nach unten gezogen. „Das geht nur bei Gold, Silber und Platin. Wenn Gold über den Terminmarkt künstlich nach unten gedrückt wird, werden Interessenten abgeschreckt und bestehende Anleger aus dem Markt gedrängt. Das konnten wir systematisch seit 1993 verfolgen. Die Methode der schlagartigen Verkäufe über den Terminmarkt ist beibehalten wurden. Das wird jetzt interessant im gegenwärtigen Zusammenhang.“

    Ziel dieser staatlichen Gold-Manipulation sei letztlich, einen weiteren Anstieg beim Goldpreis aus politischen Gründen zu verhindern. „Um Gelder aus dem Gold zu vertreiben und stattdessen in politisch opportune (also genehme, Anm. d. Red.) Anlagemöglichkeiten wie Aktien oder Anleihen zu lenken.“ Dies erfolge „im Auftrag des Staates“. Konkreter: der USA. Gold sei schließlich „der natürliche Gegenspieler und Konkurrent“ zu Währungen wie dem US-Dollar und zu Aktien.

    Experte zur aktuellen Situation am Goldmarkt

    Solche Manipulationen am Goldmarkt hatte Speck bereits seit 2017 in Sputnik-Gesprächen immer wieder beschrieben, offengelegt und kritisiert.

    „Jetzt haben wir bei Gold die Situation“, blickte er in die Gegenwart, „dass wir wieder bei einem Hoch sind – ähnlich wie bei Silber im Jahr 2011. Und wir sind beim Goldpreis in der Nähe einer runden Dezimalzahl, nämlich 2000 (Dollar je Unze, Anm. d. Red.).“ Dies sei für den Experten eine mögliche Ausgangslage, ein eventuelles Szenario, dass es mit geringer bis mittlerer Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft zu einer Goldpreis-Manipulation kommen könnte.

    Speck könne nicht sagen, ob und wann dieser dann „überraschende“ Absturz durch manipulative Aktivitäten beim Gold kommen könnte. Aber die Möglichkeit wolle er nicht ausschließen. „Das hängt auch von anderen Faktoren ab, weil die Manipulationen meist dann gezielt durchgeführt werden, wenn es an den Märkten kriselt. Das ist aktuell noch nicht der Fall, wenn man den Aktienmarkt anschaut. Dieses Krisen-Szenario haben wir im Moment nicht“, betonte er. „Aber wie gesagt: Das ist für langfristige Anleger irrelevant“, gab er zugleich auch Entwarnung für Gold-Halter, Anleger und Interessenten. Allerdings sollte sich ein Edelmetall-Anleger stets „gewahr sein, dass dies kommen könnte“.

    Tipps und Hinweise für Gold-Anleger

    „Gold steigt saisonal typischerweise jetzt im Sommer“, sagte Speck und verweis auf sein Finanzdienstleistungs-Angebot „Seasonax.com“. „Das hängt mit der saisonalen Schmucknachfrage zusammen. Dann beschleunigt der Goldpreis im Januar/Februar. Das ist ein Muster.“

    Er nannte ein weiteres Muster, „das für die Praxis auch recht wichtig ist: Fast der gesamte Goldanstieg seit dem Jahr 2000 fand immer am Wochentag Freitag statt. Also, wenn Sie Gold kaufen, dann bitte am Donnerstag. Das sind solche praktischen Tipps und Hinweise, die man auf meiner Website nachschauen kann.“

    Grundsätzlich rät er Klein-Anlegern dazu, Standard-Münzen aus Edelmetall wie Gold oder Silber zu kaufen. Nicht auf dem Papier, sondern physisch. Also beispielsweise echte Gold-Münzen von den Anbietern „Krügerrand“ oder „Mapleleaf“ zu erwerben.

    „Ich empfehle Gold und Silber – und ich empfehle, beide Edelmetalle langfristig zu halten“, gab er Interessenten und Investoren einen abschließenden Experten-Tipp mit auf den Weg. Diese sollten selbst bei schlagartigen Preiseinstürzen – etwa durch bereits beschriebene Preis-Manipulationen am Markt – nicht in Panik verfallen und bereits gehortetes Edelmetall nicht Hals über Kopf abstoßen, sondern auf die längerfristige Stabilität und Wertverlässlichkeit von Gold und Silber vertrauen und setzen. „Das ist ein Investment für drei bis fünf Jahre. Mindestens.“

    Das Radio-Interview mit Goldmarkt-Experte Dimitri Speck zum Nachhören:

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    Silber, Rekordhoch, Gold