16:21 21 September 2020
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    China und USA sollten im Kampf gegen die Corona-Krise gemeinsam das Heft des Handels in die Hand nehmen. Laut einem IWF-Bericht wandten sich bereits 45 Länder mit geringen Einnahmen an den Fonds zur Bekämpfung der Pandemie und deren Folgen.

    Laut IWF-Angaben geben die Industrieländer bis zu 20 Prozent des BIP zur Überwindung der Krise aus. Dabei können die Entwicklungsländer nur bis zu fünf Prozent des BIP dafür bereitstellen.

    Experten zufolge, welche CNBC zitiert, traf die jetzige Krise fast alle Länder mit gleicher Härte, weil die Pandemie für alle gleichermaßen gefährlich ist. Doch sind die Möglichkeiten der Länder im Kampf gegen dieses Übel ungleichmäßig verteilt. Professor Raghuram Rajan von der University of Chicago's Booth Schoolzufolge haben Industrieländer mehr Finanzmöglichkeiten und stellten bis zu 20 Prozent ihres BIP zur Unterstützung der Wirtschaft und Finanzstabilität bereit. Entwicklungsländer können sich das nicht leisten. Bestenfalls stellen sie fünf Prozent des BIP bereit, doch in der Regel sind es maximal ein Prozent. Professor Rajan warnt: Die finanzstarken und mächtigen Staaten widmen den Entwicklungsländern zu wenig Aufmerksamkeit. Wegen deren beschränkten Finanzressourcen können sie die jetzige Situation selbstständig nicht in den Griff bekommen. Viele Länder riskieren einen Anstieg der Überschuldung gegenüber ihrem BIP, was ihre Finanzstabilität noch zusätzlich bedroht.

    Die Befürchtungen eines unkontrollierten Schuldenwachstums der Entwicklungsländer bestätigen die IWF-Statistiken. Laut dem Juni-Bericht von World Economic Outlook wandten sich bereits 45 Länder an den Fonds, um Sonderfinanzhilfen zu bekommen. Laut IWF werden die Staatsschulden in diesen Ländern 2020-2021 durchschnittlich 48 Prozent des BIP ausmachen. Vielen Wirtschaftsstudien zufolge geht das durchschnittliche Jahrestempo des Wirtschaftswachstums bei Staatsschulden von 60 Prozent des BIP um zwei Prozent zurück.

    Wie der singapurische Senior Minister Tharman Shanmugaratnam sagte, entfällt ein großer Teil des globalen BIP – rund zwei Drittel des globalen Zuwachses – auf die Entwicklungsländer. Ihm zufolge ist die reale Gefahr eines Zusammenbruchs dieser Länder zu erkennen. In diesem Fall sei das ganze Wachstum der globalen Wirtschaft in Gefahr. Professor Rajan zufolge müssten die USA und China damit beginnen, eine konstruktive und führende Rolle bei den Hilfsmaßnahmen für die Entwicklungsländer zu spielen. Ohne die Unterstützung der Großmächte sind die Probleme des globalen Wachstums nicht zu lösen.

    China und die USA üben tatsächlich einen großen Einfluss auf die Wirtschaft und Entwicklung der restlichen Welt aus. Deswegen hängt von ihren Beziehungen unmittelbar die Situation in anderen Ländern ab. Wenn China und die USA kooperieren, nutzt das jedem. Leider sei in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten ein Abwärtstrend zu erkennen, sagte Jiang Yuechun, Direktor des Zentrums für Weltwirtschaft und Entwicklung am Chinesischen Institut für die Erforschung internationaler Probleme.

    „China und die USA spielen eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft. Hätten die beiden Seiten fruchtbar kooperiert, würde das einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Prosperität und Stabilität in der Welt leisten. Und andersherum: Wenn die beiden Seiten im Wettstreit stehen, wird das die globale Entwicklung negativ beeinflussen. In der aktuellen Situation, ob Wirtschaft, Politik, Kampf gegen Epidemie – die USA halten an ihrem äußerst negativen Umgang mit China fest. Ich denke, dass eine solche Position der USA die ohnehin schon nicht einfache globale Lage erschwert“.

    Laut dem Experten versucht China, eine konstruktive Rolle bei der Lösung der durch die Pandemie ausgelösten Weltkrise zu spielen. Doch das Scheitern der USA im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie im eigenen Land bedroht vor allem die US-Wirtschaft und damit die Entwicklung nicht nur der USA, sondern auch anderer Länder.

    „China ergriff beispiellos strikte Maßnahmen im Kampf gegen die Epidemie und erreichte offensichtlich positive Ergebnisse. Zudem unternahm China maximale Anstrengungen zur Unterstützung anderer Länder, ob bei der Eindämmung der Epidemie oder der Behandlung der Patienten, Lieferung von Medikamenten. Doch es ist nicht erfreulich, dass die USA es nicht geschafft haben, die Epidemie in den Griff zu bekommen. Die Zahl der Infizierten in den USA steigt; das bedroht nicht nur die Rückkehr der USA zu einem normalen Leben, sondern auch die Wiederherstellung der US-Wirtschaft. Zudem bringen die USA eine negative Stimmung in die internationale Zusammenarbeit. Washington stoppte seine Zahlungen an die WHO in einer Zeit, in der die ganze Welt gegen die Epidemie kämpft. Wir sehen nicht, ob es überhaupt tatsächliche Schritte der USA bei der Kooperation mit anderen Ländern gab. Die USA sind ein großer Akteur in der internationalen Gemeinschaft, sie sollten wirkungsvolle Maßnahmen in einer Zeit, in der die Welt mit einer ernsthaften Krise konfrontiert ist, ergreifen“.

    Die von der CNBC befragten Experten hoffen auf die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA. Der November soll zum Wendepunkt werden, ab dem die beiden Länder wieder mit einem Dialog beginnen können. Allerdings folgen viele Demokraten mittlerweile Trumps hartem China-Kurs, was Zweifel daran aufkommen lässt, dass selbst eine Änderung der Kräfteverhältnisse in Washington den Negativtrend in den Beziehungen zu China noch umkehren kann. Sowohl Biden als auch Trump tönen im Wahlkampf von der chinesischen Gefahr, um auf diese Weise ihre Handlungen und die entsprechenden Probleme in Wirtschaft, sozialem Bereich und Politik zu rechtfertigen. Doch wichtig ist zu verstehen, dass eine Verschiebung der Verantwortung dem gemeinsamen Kampf gegen die Pandemie und der Wiederherstellung der Wirtschaft nicht helfen wird. Statt sich gegenseitig ständig Vorwürfe an den Kopf zu werfen ist jetzt tatsächlich die Zeit gekommen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

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    Tags:
    Coronavirus, Schuldenkrise, China, USA, Weltfinanzkrise, Finanzkrise, Weltwirtschaft