09:37 30 September 2020
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    Im letzten Monat wurde mitgeteilt, dass der Lebensmittelkonzern Nestlé die Hälfte seiner Wassermarken zum Verkauf aufgeben möchte. Welches Motiv liegt dahinter? Gründe für diesen Schritt sind unter anderem sicherlich auch der negativ aufkommende Ruf gegen Plastikflaschen und deren umweltschädlichen Folgen.

    Schon seit mehreren Jahren zeigt die Wassersparte des weltweit größten Lebensmittelkonzerns Nestlé massive Schwächen. Tatsächlich ist die Gesamtheit der Verkäufe von Nestlé in diesem Jahr um etwa zehn Prozent eingestürzt. Dabei traf es Wasser unter allen anderen Lebensmitteln am deutlichsten. Dies schrieb die Schweizer Nachrichtenagentur SRF („Schweizer Radio und Fernsehen“) in einem Bericht am letzten Freitag.

    Kein Kauf von Wasser im Lockdown

    Der Chef von Nestlé, Mark Schneider, sehe einen deutlichen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und den zugehörigen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Da die Menschen zuhause geblieben sind, wurden weniger Flaschen an Bahnhöfen, in Hotels oder in Restaurants verkauft. Der einzige Grund sei die Coronakrise jedoch nicht: Schon vor dem Ausbruch der Pandemie habe die Wassersparte weniger Gewinn generiert. So gibt es starke Konkurrenz im Massengeschäft Plastik-Wasserflaschen – dies wiederum resultiert daraus, dass die Preise unter Druck stehen.

    Plastikflaschen in der Kritik der Umweltlobby

    Der Konsumgüteranalyst Jon Cox aus Zürich spricht auch ein anderes wesentliches Thema an. Die Umweltlobby übe nämlich vor allem seit den letzten Jahren zunehmend Kritik an den Wasserflaschen aus – es sei Plastik, das oftmals in den Meeren lande. Dies wiederum führe zu einem immer größer werdenden Imageproblem.

    Und dass, während Nestlé schon aus vergangenen Skandalen mit einem schlechten Ruf zu kämpfen habe: So stehe der Konzern immer wieder in der Kritik für das Abpumpen und Verpacken von Wasser aus Gemeinden, das es anschließend auf eigene Rechnung verkauft. Ein Beispiel dafür ist der Fall der Wassermarke „Vittel“, wo ebendas ohne Rücksicht oder Absprache mit den Anwohnern passiert war.

    All diese Faktoren vereint führen dazu, dass Nestlé im Sinne Umweltfreundlichkeit eher schlecht abschneidet. Die Nicht-Regierungsorganisation CPD, welche den ökologischen Fußabdruck von 8400 Firmen auf der ganzen Welt messe, übe ebenfalls Kritik an Nestle. „In Bezug auf Wasser hat Nestlé noch einige kritische Punkte, die es aufarbeiten muss. Darunter sind teils Dinge, die relativ viel in der Öffentlichkeit diskutiert werden“, so der Europa-Direktor von CPD, Steven Tebbe.

    Verkauf angedacht

    Um dem Druck von außen zu weichen, hat der „Strategiewechsel“  – wie es das SRF schreibt – schon begonnen. Seit Juni steht das Geschäft der Plastik-Wasserflaschen in den USA zum Verkauf. Diese US-amerikanische Sparte insbesondere habe dem Konzern bisher nur wenig Gewinne und große Probleme eingebracht. Zu Beginn des nächsten Jahres solle mit dem Verkauf abgeschlossen werden.

    Für Nestlé ist diese eine Umorientierung und kein komplettes Aufgeben des Wasserverkaufs: Neu wolle sich Nestlé auf Premium-Marken wie „Perrier“, „San Pellegrino“ und „Vittel“ fokussieren. Auch Plastik solle es in Zukunft nicht mehr geben: Anstelle davon werde nur noch im Glas verkauft.

    lm

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    Tags:
    Nestle, Plastik, Trinkwasser, Wasser