15:43 19 September 2020
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    Der deutsche Energiekonzern Uniper, der Nord Stream 2 mitfinanziert, schließt nicht mehr aus, dass die Gaspipeline niemals fertiggestellt werden könnte. 

    Das geht aus dem Risikobericht des Unternehmens für das erste Halbjahr hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Als „bedeutendes Einzelrisiko“ werden darin die andauernden Sanktionsdrohungen aus den USA wahrgenommen. 

    Die Anstrengungen der USA bezüglich der gezielte Sanktionen gegen das Projekt Nord Stream 2 seien intensiver geworden, heißt es im Bericht weiter, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass es zu Verzögerungen im Bau der Gasleitung oder überhaupt zu keiner Fertigstellung komme. Falls das Projekt letztlich nicht fertig gestellt werden könne, müsse der Konzern „gegebenenfalls den für Nord Stream 2 bereitgestellten Kredit wertberichtigen“ und könne „die geplanten Zinserträge nicht realisieren“. Bisher ist Uniper mit zehn Prozent an der Finanzierung der Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro beteiligt, also mit 950 Millionen Euro.

    Uniper erklärte, die Situation „aktiv“ zu überwachen und alle „erforderlichen Maßnahmen“ zu ergreifen, um die Einhaltung der geltenden Vorschriften zu gewährleisten. Die Betreibergesellschaft von Nord Stream 2 arbeite zudem daran, die Auswirkungen der noch anstehenden Arbeiten abzumildern und das Projekt zum Abschluss zu bringen. 

    US-Druck auf das Projekt wächst 

    In den vergangenen Wochen ist der Druck der US-Politiker auf das Projekt wieder gewachsen. Ende Juli hatte das US-Repräsentantenhaus die bereits bestehenden Sanktionen gegen die russische Gaspipeline verschärft. Sollten der US-Senat und Präsident Donald Trump sie unterzeichnen, würden die Sanktionen erstmals alle am Bau der Pipeline beteiligten Unternehmen treffen, auch die, die Verlegeschiffe versichern und deren Wartung und die Installation spezieller Ausrüstung vornehmen. Am 5. August war noch ein Drohbrief der US-Senatoren bei der Fährhafen Sassnitz GmbH angekommen, dem Betreiber des Hafens Mukran auf Rügen, wo das Projekt angenommen und abgearbeitet wurde. Dort lagern die restlichen Röhren und dort ankert auch der potentielle Retter des Projektes, das russische Verlegeschiff „Akademik Cherskiy“. 

    Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte bereits am Wochenende seinem US-amerikanischen Amtskollegen, Mike Pompeo, in einem Telefonat deutlich gemacht, dass europäische Energiepolitik in Europa gemacht würde und nicht in Washington. Der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft ließ sich allerdings mit der „Lippenbekenntnis von Politik“ nicht zufriedenstellen und forderte von der Bundesregierung und der EU-Kommission Gegenmaßnahmen sowie einen wirksamen Schutz deutscher und europäischer Unternehmen vor „solchen Übergriffen durch Drittstaaten“.

    lk/ae

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    Tags:
    US-Sanktionen, Gazprom, Uniper, Nord Stream 2