16:01 19 September 2020
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    In einer neuen SVP-nahen Studie zeigte sich, dass die Schweizer Löhne durch eine erhöhte Zuwanderung gedrückt werden. Währenddessen profitieren Kapital- und Immobilienbesitzer vom Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung. Die Resultate ergeben auch, dass eine selektive Zuwanderung dem BIP der Schweiz guttun würde – doch der Bund widerspricht.

    Der Londoner Think Tank Europe Economics hat am Freitag im Auftrag der „Stiftung für bürgerliche Politik“ eine Studie veröffentlicht. Die Stiftung ist der Schweizerischen Volkspartei (SVP) nahe und unterstützt finanzielle Anliegen der Partei. Derzeit werden immer mehr Werbekampagnen der SVP aktiv für die kommenden Wahlen im September, bei denen über die von ihnen lancierte Begrenzungsinitiative abgestimmt wird.

    Zugewanderte Arbeiter drücken auf Löhne

    Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Zuwanderung von unqualifizierten und dementsprechend billigeren Arbeitskräften aus dem Ausland einen Druck auf die Löhne ausübt. Das Gehalt der Schweizer Arbeitenden läge durchschnittlich etwa 3,7 Prozent tiefer als ohne Zuwanderung, schreibt der „Tages-Anzeiger“. Der Unterschied dabei sei im Niedriglohnsektor viel größer, als im oberen Lohnbereich. Immobilienbesitzer hätten dabei sogar von der Zuwanderung profitiert, indem ihre Renditen gestiegen sind.

    So sei die Mehrheit der zugewanderten Arbeitskräfte schlechter qualifiziert, schreiben die Autoren der Studie. Die Verfügbarkeit solcher billigen Arbeitskräfte würde die Investitionen der Wirtschaft abbremsen, was zur Folge habe, dass sich auch die Produktivität Einheimischer verlangsamt.

    Die Daten, welche aus der Studie hervorgehen, unterscheiden sich dabei deutlich von anderen Studien, die vom Bund in Auftrag gegeben wurden. Einzig in einer Studie der Universität Bern gab es 2010 vergleichbare Resultate. Zudem habe die Londoner Denkfabrik auch ähnliche Studien für Großbritannien durchgeführt und  die Ergebnisse veröffentlicht. Europe Economics arbeitet zudem regelmäßig mit der EU-Kommission zusammen.

    Hohes Bevölkerungswachstum

    In der Studie wird gesagt, dass die Schweiz aufgrund der hohen Löhne ein attraktives Land für Zuwanderer sei. Damit begründen die Autoren das hohe Wachstum der Bevölkerung. Seit 2002 habe die Schweizer Bevölkerung um 14 Prozent zugenommen.  Zudem gilt die Schweiz samt Norwegen und Großbritannien als ein sogenannter Beschäftigungspuffer. Also Länder, in die überzählige Arbeitskräfte oftmals abgeschoben werden.

    Die Studie will ebenfalls aufzeigen, dass das Bruttoinlandsprodukt aufgrund der Zuwanderung im Zeitraum 2002 bis 2017 um 4,4 Prozentpunkte tiefer liege. Davon beträgt die Personenfreizügigkeit nur 0,7 Prozent – und diese wolle die SVP schließlich mit der Begrenzungsinitiative auflösen. Zwar würden mit einem „Ja“ zur Initiative die bereits entstandenen Nachteile nicht verschwinden, jedoch läge das BIP mit einer selektiven Zuwanderungspolitik um 1,5 Prozentpunkte höher.

    Einflüsse auf das BIP

    Über die Effekte der bilateralen Handelsabkommen mit der EU („Bilaterale I“ und „Bilaterale II“) geht die Studie ebenfalls ein. Laut den Autoren gehen nur 14 Prozent des gesamten Güterhandels und der Dienstleistungen aus diesen Handelsabkommen ab. Ab dem Moment, wo Großbritannien aus dem EU-Markt fortschreitet, sollte der Wert bis zum Ende des Jahres auf 11 Prozent sinken. Die Zahlen widersprechen in diesem Fall denen der Initiativgegner. Der „Tages-Anzeiger“ erklärt dies damit, dass die Gegner höhere Prozentzahlen haben, da sich das Londoner Institut lediglich auf die erste „Bilaterale“ beschränken. Auch das ist darauf zurückzuführen, dass die „Initiative für maßvolle Einwanderung“ die Personenfreizügigkeit angreift, welche nur im ersten Bilateralen Vertrag verankert ist

    In diesem Sinne seien lediglich 0,1 bis 0,2 Prozent Zuwachs des BIP auf die „Bilateralen“ zurückzuführen. Die Autoren der Studien versichern ebenso einen Rückgang dieser, sobald Großbritannien die EU verlässt. In diesem Sinne soll die Bevölkerung einen halben Prozent BIP pro Kopf seit 2002 eingebüßt haben – nur aufgrund der „Bilteralen I“.

    Dem entgegen steht beispielsweise der Bund. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) habe Ende Juni einen Bericht vorgelegt. Darin stand, dass das Personenfreizügigkeitsabkommen einen „erheblichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zum Wohlstand in der Schweiz“ geleistet habe. Die Direktorin des Seco, Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, sagte überzeugt dazu, dass die Schweiz auf die Zusammenarbeit mit der EU angewiesen sei, falls sie prosperieren wolle. 

    lm

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    Tags:
    Abkommen, Studie, Schweiz, Schweizerische Volkspartei (SVP)