20:02 19 September 2020
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    Ende August soll es in Deutschland wieder zu einem generellen Lockdown der Wirtschaft kommen – dies ist die Aussage eines YouTube-Interviews, das bereits rund eine halbe Million Aufrufe gesammelt hat. Und nicht nur das: Der zweite Lockdown sei bereits seit Monaten beschlossen und solle womöglich Monate andauern. Doch kann das tatsächlich stimmen?

    Es ist eine Meldung – sollte sie denn stimmen, die Sprengkraft besitzt: Ein zweiter und deutlich strengerer Lockdown in Deutschland soll bereits rund um den 30. August durchgesetzt werden. Und nicht nur das: Anscheinend stehe der Termin bereits seit Monaten fest und werde seitdem in Politikerkreisen geheim gehalten. Die Informationen stammen aus einem YouTube-Video vom 31. Juli, das bis heute knapp 500.000 Klicks erreichen konnte.

    Hinter den Kulissen…

    Auf dem YouTube-Kanal des freiberuflichen Filmemachers Elijah Tee mit dem Namen „ET Video & Content“ wurde das besagte Video veröffentlicht. Es zeigt ein rund 20-minütiges Interview, das Elijah Tee mit dem Veranstalter und „Querdenken 615“-Unterstützer Thomas Bayer geführt hatte. Dieser berichtet von einer Gemeinderatssitzung aus Osthessen, an der ein guter Bekannter Bayers als Gemeinderatsmitglied teilgenommen habe. Die Sitzung soll bereits rund um den 20. Juni stattgefunden haben.

    Anweisung von ganz oben?

    Auf der Sitzung soll sich laut Bayer Folgendes zugetragen haben: Am Ende der Veranstaltung habe der nicht namentlich genannte Bürgermeister der Gemeinde eine offene Fragerunde eingeläutet, in der Gemeinderatsabgeordnete aller Fraktionen zu Wort kommen dürfen. Einer der Anwesenden habe dann gefragt, ob es denn zu einem neuen Corona-Lockdown kommen werde. Der Bürgermeister habe daraufhin ohne zu überlegen geantwortet, dass die Bundesregierung solch einen deutschlandweiten Lockdown rund um den 30. August anpeile und dieser länger gehen werde als der erste Lockdown von Ende März.

    „Äußerste Geheimhaltung“

    Laut dem Informanten habe der Bürgermeister von einem Schreiben berichtet, welches er bereits längere Zeit vorliegen habe und in dem um äußerste Geheimhaltung gebeten wurde. Hinterfragt oder diskutiert worden seien die Ausführungen des Bürgermeisters in der besagten Gemeindesratssitzung nicht, vielmehr sei der mögliche zweite Lockdown von den Anwesenden stillschweigend akzeptiert worden. Der ebenfalls anwesende Bekannte von Thomas Bayer habe sich schließlich im Juli mit seinen Informationen an ihn gewandt.

    Realität oder Nonsens?

    Doch ist diese Theorie des bereits beschlossenen Lockdown tatsächlich Realität? Solch ein Schreiben, wie es der Bürgermeister der osthessischen Gemeinde erhalten haben soll, müsste demnach allein in Hessen bei rund 422 Städten und Gemeinden eingegangen sein – jeweils mit der Bitte um Geheimhaltung. Der Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, David Rauber, erklärte auf Nachfrage von „t-online.de“ Folgendes:

    "Das gibt es nicht, und zu glauben, so was ließe sich geheim halten, ist großer Nonsens."

    Tatsächlich scheint es kaum denkbar, dass ein Schreiben von solch großer Tragweite und Sprengkraft über Monate geheim bleiben konnte, obwohl der Kreis der Eingeweihten von Bundes- und Landesebene, bis hin zu Kreis- und Kommunalpolitikern, nicht doch sehr schnell öffentlich geworden wäre.

    Nichts ist unmöglich…

    Grundsätzlich auszuschließen ist es aber nicht. Ebenso wenig ist ein neuer Lockdown nicht unmöglich. Die Aussagen von Regierungsmitgliedern und Ministern lassen viel Spielraum für Interpretationen. Alle Verantwortlichen werden jedenfalls nicht müde, immer wieder zu betonen, dass man einen neuen Lockdown und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einschnitte um jeden Preis verhindern wolle. Dazu erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 6. August:

    „Aus heutiger Sicht und mit dem, was wir wissen, auch zu dem Nutzen von Masken im Alltag, da glaube ich nicht, dass man noch einmal so umfangreich Geschäfte schließen würde.“

    Vielmehr konzentrieren sich die Länder gerade darauf, Ausbruchsherde lokal zu bekämpfen und – wenn nötig – lokale Lockdowns zu verhängen. Die bisherige Entwicklung der Corona-Infektionszahlen in Deutschland, vor allem die deutlich gesunkenen Todeszahlen im Zusammenhang mit Covid-19, würden jedenfalls einen bundesweiten Lockdown keinesfalls rechtfertigen.

    Regierung winkt ab

    Auf Sputnik-Anfrage erklärte ein Sprecher der Bundesregierung am Montag, die Meldungen über einen lange geplanten Lockdown am 30. August seien falsch und "entbehren jeder Grundlage". An diesen Worten werden die nächsten Schritte zu messen sein. Klar ist: Im zweiten Quartal 2020 verzeichnete das Bruttoinlandsprodukt im Zuge der Corona-Maßnahmen einen Rückgang von 10,1 Prozent. Allein in der Gastronomie befürchten über 90 Prozent der Branchenvertreter eine baldige Insolvenz. Ein erneutes Herunterfahren des öffentlichen Lebens würden die Millionen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland sicher kaum mehr verkraften.

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    Tags:
    Jens Spahn, Wirtschaft, YouTube, Einschränkungsmaßnahmen, Coronavirus