10:01 04 Dezember 2020
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    Rund 20 Milliarden Euro entgehen dem Fiskus aufgrund der Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent. Doch der erwünschte Kaufrausch bleibt bisher aus. Die Realität ist ernüchternd: Laut einer aktuellen Studie wollen nur drei Prozent der Konsumenten in den kommenden Monaten Ausgaben tätigen, die ohne Senkung nicht geplant gewesen wären.

    Noch bis zum Jahresende gilt in Deutschland eine verminderte Mehrwertsteuer von 16 Prozent. Mit rund 20 Millionen Euro ist diese Maßnahme damit der mit Abstand größte Posten im Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Doch der erhoffte Effekt, nämlich ein deutlich höherer Konsum, bleibt wohl aus. Zu dieser Erkenntnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung aus Düsseldorf im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung.

    Konsum? Nein, danke…

    Für die repräsentative Studie wurden rund 6300 Erwerbstätige aus ganz Deutschland zu ihrem Konsumverhalten befragt. Das Ergebnis: Drei Viertel der Probanden gaben an, trotz Mehrwertsteuersenkung ihr Konsumverhalten im zweiten Halbjahr 2020 nicht verändern zu wollen. Nur 14 Prozent wollen dagegen eigentlich später geplante Ausgaben noch in diesem Jahr vorziehen, um von der Senkung gegebenenfalls zu profitieren. Acht Prozent der Befragten wollen schon früher geplante Ausgaben in die Zeit der Steuersenkung verschieben. Gerade einmal drei Prozent wollen die Mehrwertsteuersenkung nutzen, um bisher ungeplante Anschaffungen zu tätigen.

    Die Teilnehmer der Studie wurden ebenfalls gefragt, in welchem Bereich neue Ausgaben geplant sind, falls diese unter die Mehrwertsteuersenkung fallen. Dies würde in etwa auf ein Viertel der Befragten zutreffen. Über die Hälfte der Studienteilnehmer gab dabei an, in den kommenden Monaten in Innenausstattungen oder Haushaltsgeräte investieren zu wollen. Knapp 30 Prozent der Probanden planen Mehrausgaben für Bekleidung und Schuhe, dicht gefolgt von Verkehr und Mobilität sowie Wohnungsinstandhaltungen. Das Schlusslicht bilden zusätzliche private Investitionen im Bildungswesen bei nur 3,5 Prozent der Befragten.

    Das Vertrauen fehlt…

    Ein Grund für die Zurückhaltung der Konsumenten dürfte laut Forschungsinstitut das Vertrauen in den Einzelhandel sein: Mehr als jeder dritte Befragte glaubt nicht daran, dass die Steuersenkungen vom Handel an den Kunden weitergegeben werden. Eine klare Mehrheit von rund 58 Prozent geht davon aus, dass die Senkung nur teilweise weitergereicht wird, und nur sechs Prozent glauben, dass die Senkung „ganz überwiegend“ bei den Kunden ankommt.

    Die Senkung der Mehrwertsteuer ist stark umstritten. So hatte beispielsweise die Partei Die Linke angeregt, stattdessen eine Einmalzahlung von 1.000 Euro für Haushalte mit mittleren und geringen Einkommen vorzunehmen. Diese Idee hätte auch bei den Befragten der aktuellen Konsum-Studie zu einer größeren Zustimmung geführt: Auf die Frage, was die Studienteilnehmer mit einer fiktiven Einmalzahlung von 1.000 Euro anfangen würden, gaben knapp 80 Prozent an, ihren Konsum dadurch zu erhöhen.

    Erst einmal abwarten…

    Eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft aus Köln kommt wiederum zu einem anderen Ergebnis. Allerdings wurde hier nicht das Konsumverhalten von Studienteilnehmern abgefragt, stattdessen wurde der Andrang in über 40 Fußgängerzonen Deutschlands untersucht. Die Schätzung ergab, dass die Mehrwertsteuersenkung allein in den betrachteten 21 Städten für bis zu 1,7 Millionen zusätzliche Passanten in den Innenstädten gesorgt habe. Relativ betrachtet sei die Steuersenkung für mehr als sechs Prozent der Passanten in den beobachteten Straßenabschnitten im Juli verantwortlich gewesen.

    Ob die Steuersenkung im Konjunkturpaket tatsächlich eine positive Wirkung erzielen wird, lässt sich mit Sicherheit jedoch erst nach Ende des laufenden Jahres sagen. Auch die Maskenpflicht im Einzelhandel könnte diesbezüglich einen hemmenden Effekt haben. Eine Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung über 2020 hinaus ist – im Gegensatz zum Kurzarbeitergeld – ist laut Bundesregierung bisher übrigens nicht geplant.

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    Tags:
    Maskenpflicht, Konsumausgaben, Steuerzahler, Wirtschaft, Coronavirus