04:48 01 Dezember 2020
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    Analysten von Morgan Stanley haben in einem ihrer jüngsten Berichte dem Yuan die Rolle der – nach dem US-Dollar und dem Euro – drittgrößten Weltwährung prophezeit, die ihm in zehn Jahren zukommen soll. Liu Dongmin, Leiter des chinesischen Zentrums für Internationale Finanzen, nennt Faktoren, die die internationale Akzeptanz des Yuan erschweren.

    Laut Prognosen des Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmens Morgan Stanley könnte 2030 der Anteil des Yuan an den Weltreserven, der heute lediglich zwei Prozent betrage, im schlechtesten Fall auf fünf Prozent und im besten Fall auf bis zu zehn Prozent steigen.

    © AP Photo / Sukharevskyy Dmytro

    Die weltweite Investorennachfrage nach chinesischen Wertpapieren sei im Aufwärtstrend: Im Juli hätten die Nettozuflüsse des ausländischen Kapitals in chinesische Anleihen 21,3 Milliarden US-Dollar erreicht. Dies sei der höchste Wert seit 2014, als die Statistik erstmals veröffentlicht worden sei. Der Gesamtwert der Anleihen ausländischer Investoren habe im Vergleich zum vergangenen Jahr um 13,7 Prozent zugenommen und mache 360 Milliarden US-Dollar aus.

    Laut dem Bericht von Morgan Stanley soll der Trend die Rolle des Yuan stärken. In diesem Jahrzehnt sollten Portfolio-Investitionen zum wichtigsten Kanal für Kapitalzuflüsse in China werden, während Direktinvestitionen in den Hintergrund treten würden.

    Portfolio-Investitionen im Aufwärtstrend

    In diesem Jahr solle sich das Gesamtvolumen der angezogenen Portfolioinvestitionen in China auf 150 Milliarden US-Dollar belaufen und von 2021 bis 2030 auf 200 bis zu 300 Milliarden US-Dollar steigen.

    Da sowohl Peking selbst als auch die Investoren daran interessiert seien, Kapital anzuziehen, und eine erhöhte Offenheit von Finanzmärkten fordern würden, könnte in Zukunft ein zunehmender Anteil des globalen Vermögens in Yuan vorgelegt werden.

    Der Yuan war 2016 in den SZR-Korb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen worden. Seither haben die Zentralbanken in einigen Ländern Reserven in der chinesischen Währung gebildet. 2018 hielten 60 Zentralbanken zumindest einen Teil ihrer Reserven in Yuan, Ende 2019 waren es schon 70. Der Gesamtanteil des Yuan an den weltweiten Devisenreserven beträgt jedoch nicht mehr als zwei Prozent.

    Nach Angaben des IWF belief sich im ersten Quartal 2020 der Anteil des US-Dollars an den Weltreserven auf 61,9 Prozent, der des Euro machte 20,05 Prozent aus, der Anteil des Yen und des britischen Pfunds betrug 5,70 beziehungsweise 4,43 Prozent.

    Faktoren, die die „Internationalisierung“ des Yuan einschränken

    Laut Liu Dongmin, Leiter des Zentrums für Internationale Finanzen am Institut für Weltwirtschaft und Politik der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, gibt es mehrere Faktoren, die die internationale Akzeptanz des Yuan erschweren.

    „Derzeit ist der wichtigste Faktor für die Internationalisierung des Yuan der Grad der Offenheit der Leistungsbilanz (alle Ausgaben und Einnahmen einer Volkswirtschaft – Anm. d. Red.). China hat sie bisher noch nicht vollständig geöffnet. Dies schränkt die Internationalisierung des Yuan natürlich stark ein“.

    Es gebe auch noch andere Faktoren, darunter die freie Konvertierbarkeit der chinesischen Währung.

    „Auch die Liberalisierung der Leistungsbilanz hängt davon ab. Wenn der Yuan keinen frei schwankenden Wechselkurs hat, ist es sehr schwierig, eine vollständige Liberalisierung der Leistungsbilanz zu erreichen“.

    Darüber hinaus spiele der Grad der Offenheit der chinesischen Finanzmärkte eine wichtige Rolle, so Liu weiter. Wenn diese vollständig geöffnet seien, trage dies dazu bei, mehr ausländische Investitionen anzulocken. „Schließlich ist es auch wichtig, dass die chinesische Wirtschaft mittel- und langfristig hohe Wachstumsraten beibehält“.

    Wechsel von Export zu Binnenkonsum erfordert ausländischen Kapitalzufluss

    Die Analysten von Morgan Stanley glauben, dass Pekings Leistungsbilanz in naher Zukunft ein Defizit aufweisen wird. Da China versuche, das Wachstumsmodell seiner Wirtschaft zu ändern, indem es vom Export zum Binnenkonsum wechsle, werde es unvermeidlich mehr aufnehmen, als es produziert. Diese Aufnahme bedeute Konsum, Investitionen und Staatsausgaben.

    Chinas Leistungsbilanzdefizit werde bis 2030 voraussichtlich minus 1,2 Prozent seines BIP betragen. Um dieses Defizit zu finanzieren, benötige China von 2025 bis 2030 einen Nettozufluss an ausländischem Kapital in Höhe von mindestens 180 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

    Prognosen von Morgan Stanley „durchaus gerechtfertigt“

    Laut Liu Dongmin bleibt die Konzentration auf der schrittweisen Öffnung der Leistungsbilanz und der Finanzmärkte unverändert. Die Prognosen von Morgan Stanley in Bezug auf die zunehmende Rolle des Yuan im internationalen Finanzsystem seien „durchaus“ gerechtfertigt, weil die chinesische Wirtschaft derzeit gute Ergebnisse zeige, betonte er:

    „Die Bekämpfung der Pandemie ist erfolgreich verlaufen, was die chinesischen Märkte für Investoren attraktiv macht. Viele westliche Investoren haben mehr Interesse an den chinesischen Kapitalmärkten gezeigt.“

    Chinesische Renditen sind höher

    „Wir sehen, dass die Renditen für chinesische Wertpapiere höher sind als für ähnliche Wertpapiere in westlichen Märkten. Daher erzielen ausländische Investoren, die Yuan auf den chinesischen Märkten investieren, höhere Renditen als diejenigen, die auf den westlichen Märkten investieren. Dies ist der Schlüsselfaktor, um ausländische Investoren anzuziehen“, äußerte Liu.

    Darüber hinaus reformiere China aktiv seinen Finanzsektor und öffne seine Finanzmärkte. Liu glaubt, dass der chinesische Markt für ausländische Investoren in Zukunft noch attraktiver werden kann. Schließlich zeige die chinesische Wirtschaft ein stabiles Wachstum. „All dies schafft Voraussetzungen, um ausländisches Kapital anzuziehen".

    China will keine Mindestzinspolitik

    Um der gegenwärtigen Krise entgegenzuwirken, haben die meisten Länder mit fortgeschrittenen Finanzmärkten eine Mindest- oder sogar Nullzinspolitik eingeführt, wodurch globale Investitionen weniger rentabel werden. China hat, im Gegenteil, die Zinssätze auf einem höheren Niveau gehalten und betreibt im Allgemeinen eine Geldpolitik, die von einigen als moderat angesehen wird.

    Die Differenz zwischen den Renditen auf chinesischen und anderen Märkten macht den chinesischen Markt für Investoren attraktiver, während die Investitionssicherheit von chinesischen und beispielsweise US-amerikanischen Wertpapieren vergleichbar ist.

    Peking erleichtert ausländischem Kapital Zugang zu chinesischem Markt

    Trotz einer komplizierten internationalen politischen Situation soll Peking Schritte unternehmen, um dem ausländischen Kapital den Zugang zum chinesischen Markt zu erleichtern. Erst vor wenigen Tagen haben die Finanzaufsichtsbehörden neue Entwürfe von Regelungen für den Zugang ausländischer Investoren zum chinesischen Anleihemarkt veröffentlicht. Die neuen Regeln vereinfachen eine Reihe formaler Verfahren und vereinheitlichen die Möglichkeiten für ausländische Investoren, Zugang zu verschiedenen Arten von Wertpapiermärkten im Land zu erhalten.

    Die Stoppliste für ausländische Investitionen wird Berichten zufolge ständig reduziert, und eine Reihe von Beschränkungen für ausländische Kapitalanteile für Banken, Versicherer und Maklergeschäfte wurden in diesem Jahr aufgehoben. Viele ausländische Finanzkonzerne beantragten die volle Kontrolle über ihre eigenen Joint Ventures in China, um der staatlichen Kontrollaufsicht durch Peking auszuweichen.

    JP Morgan wurde kürzlich zum ersten Unternehmen, das die volle Kontrolle über seine Geschäfte in China erhielt. Andere große globale Akteure, darunter UBS Group AG, Nomura Holdings Inc. und Credit Suisse, sind diesem Beispiel gefolgt.

    asch/sna/ae

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    Tags:
    Reservewährung, Währung, Yuan, Morgan Stanley, China