05:51 22 Oktober 2020
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    Das russische Versorgungsschiff „Iwan Sidorenko“ hat am Donnerstag Kurs auf Kaliningrad genommen, ohne einen Tag auf der logistischen Basis des Projekts Nord Stream 2 (Hafen Mukran) verankert gewesen zu sein. Das geht aus dem Schiffsüberwachungssystem MarineTraffic hervor.

    Die „Iwan Sidorenko“ befand sich demnach mit dem anderen Versorgungsschiff „Ostap Scheremet“ in Kaliningrad, das dort immer noch vor Anker liegt. 

    Anfang September war die „Iwan Sidorenko“ in St. Petersburg eingetroffen und am Dienstag, dem 15. September, von dort mit Kurs auf Mukran (Rügen) ausgelaufen. Das russische Versorgungsschiff war am Donnerstag im dortigen Hafen eingetroffen, nahm jedoch schon am Abend Kurs auf Kaliningrad und soll Freitagabend dort eintreffen. 

    Das Versorgungsschiff „Iwan Sidorenko“ wurde vom Amur Shipbuilding Plant gebaut und im Dezember 2018 der „Gazprom-Flotte“ zum Betrieb übergeben. Es ist für die Arbeit mit schwimmenden Halbtauchbohrgeräten vorgesehen und verfügt über einen unbegrenzten Fahrbereich. Es ist geplant, die „Iwan Sidorenko“ neben der „Ostap Scheremet“, einem weiteren Schiff dieses Typs, beim Bau von Nord Stream 2 einzusetzen. 

    Nord Stream 2

    Das Nord Stream 2-Projekt umfasst den Bau von zwei Strängen einer Gaspipeline mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmetern pro Jahr von der russischen Küste durch die Ostsee bis nach Deutschland.

    Die Pipeline verläuft in Territorialgewässern von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland und kostet rund zehn Milliarden Euro. Die Behörden in Schweden hatten dem Projekt 2018 ihre Zustimmung gegeben. Es wird je zur Hälfte vom russischen Energieriesen Gazprom und den fünf europäischen Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert. Die USA, die verflüssigtes Erdgas auf den europäischen Markt bringen wollen, treten gegen den Bau der Gaspipeline auf. Washington hatte im Dezember Sanktionen gegen das Nord Stream 2-Projekt verhängt und von den Partnerunternehmen einen unverzüglichen Arbeitsstopp gefordert. Das schweizerische Unternehmen Allseas stellte die Arbeit ein. US-Politiker erwägen derzeit eine Erweiterung der Restriktionen.

    Offiziell teilte der Konzern Gazprom im August nur, dass er weiter zu seinen Plänen zum Weiterbau von Nord Stream 2 stehe und die dafür notwendigen Arbeiten erfülle. Das Unternehmen sei jedoch in der öffentlichen Preisgabe der Informationen beschränkt, unter anderem wegen des erheblichen Drucks, der auf das Projekt ausgeübt werde. 

    Aufrufe zu Nord Stream 2-Stopp wegen Fall Nawalny

    In den letzten Wochen wurden die Aufrufe zu Sanktionen gegen das Projekt oder gar zu seinem Stopp lauter – nun auch vonseiten europäischer Politiker. Grund dafür war die Mitteilung Berlins unter Berufung auf Militärmediziner, dass der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny mit einem Kampfstoff der „Nowitschok“-Reihe vergiftet worden wäre. Laut Berlin bestehe ein „schwerwiegender Verdacht”, dass Russland in den Fall verwickelt sei. Trotzdem gilt Deutschland weiter als Anhänger des Projekts.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert allerdings nicht mehr aus, dass die Ostsee-Gaspipeline von möglichen Sanktionen gegen Russland betroffen sein könnte.

    Moskau hat wiederholt betont, bei der Aufklärung des Falls Nawalny zusammenarbeiten zu wollen. „Die Berliner Seite muss hier operatives Handeln zeigen“, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, im Staatsfernsehen.

    ao/sb/sna

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    Schiff, Kaliningrad, Nord Stream 2