08:36 27 Oktober 2020
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    Wie neueste Zahlen von Wissenschaft und Bundesregierung aussagen, verdienen Frauen in manchen ostdeutschen Regionen „mehr als Männer“. Trotz dieser Entwicklung verbleibt weiterhin ein großer Einkommensunterschied zwischen beiden Geschlechtern. Eine Studie kritisiert zudem die bundesweit zu geringe Anzahl weiblicher Führungskräfte.

    Bekanntlich haben Menschen in Westdeutschland im Durchschnitt am Ende des Monats mehr im Geldbeutel als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Osten des Landes. Dazu kommt ein relativ großes Gefälle bei den Einkommen zwischen Mann und Frau. „Gender Pay Gap“, nennen das Experten.

    Sprich: Im Schnitt ist das monatliche Einkommen von Frauen geringer als das von Männern. Doch nun überraschen neue Zahlen, über die der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) am Montagvormittag berichtete.

    Kaum bekannt ist demnach die Tatsache, dass in gewissen Regionen in Ostdeutschland weibliche Angestellte und Arbeitnehmerinnen sogar mehr als arbeitende Männer verdienen.

    Auch wenn ein Vollzeitbeschäftigter im Osten im Vergleich zu westdeutschen Arbeitnehmern immer noch „rund 15 Prozent weniger verdient laut Angaben der Bundesregierung“.

    Stadt in Sachsen-Anhalt: „Hier verdienen Frauen mehr als Männer“

    Im Durchschnitt lägen die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern in Ostdeutschland nur „bei sieben Prozent, in Westdeutschland aber bei 21 Prozent – allerdings bleiben sie im Osten seit 2006 konstant, während die Unterschiede im Westen geringer werden“.

    Nirgendwo seien die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen „geringer als in Sachsen-Anhalt. Zusammen mit Brandenburg hat das Bundesland mit drei Prozent den geringsten Gender Pay Gap. In Thüringen liegt er bei acht Prozent, in Sachsen bei zehn Prozent.“

    In der drittgrößten Stadt Sachsen-Anhalts, in Dessau-Roßlau, sei der Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Verdienst besonders hoch. „Hier verdienen Frauen 11,2 Prozent mehr als Männer. Auf dem zweiten Platz folgt Stendal. Hier haben die Frauen 7,6 Prozent mehr Gehalt.“

    Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau: Regional verschieden

    Auch im Landkreis Mansfeld-Südharz, in Halle (Saale) und Magdeburg, in Gera in Thüringen und in Görlitz (Sachsen) „verdienen Frauen minimal mehr als ihre männlichen Kollegen“.

    Der Bericht gibt jedoch auch zu:

    „Alles keine Regionen, die durch ihre starke Wirtschaftskraft bekannt sind. Und das ist wohl auch einer der Gründe für die Gehaltsunterschiede: Verdienen Männer vergleichsweise wenig, wie es in vielen Regionen Sachsen-Anhalts der Fall ist, ist auch der Unterschied zu den Frauen-Gehältern geringer bzw. kehrt sich um.“

    Thüringen: „Höchste Frauen-Beschäftigungsquote“

    Aber auch in Mitteldeutschland gebe es viele Regionen, in denen Männer im Schnitt ein größeres Einkommen als Frauen haben. Darunter „43 von 50 Landkreisen und kreisfreie Städte“. Dieser geschlechtsbedingte Unterschied sei besonders dort ausgeprägt, „wo viele männerdominierte Branchen zu finden sind. Zum Beispiel sind im Wartburgkreis und im Kreis Sömmerda (Thüringen) viele Industrieunternehmen ansässig. In diesen Gegenden verdienen Männer weiterhin über 15 Prozent mehr als Frauen.“

    30 Jahre nach der Wende habe Thüringen mit 63,3 Prozent „die höchste Frauenbeschäftigungsquote in ganz Deutschland. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist sie mit 62,5 Prozent sehr hoch. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise liegt sie dagegen nur bei 53,3 Prozent.“ Der MDR beruft sich dabei auf Daten von der Bundesarbeitsagentur aus dem Jahr 2018.

    „Außerdem arbeiten Frauen in Mitteldeutschland häufiger im öffentlichen Dienst, der tarifgebunden bezahlt wird, und sitzen häufiger in Führungspositionen als in Westdeutschland.“

    „Noch lange kein Idealzustand erreicht“

    Dieser Meldung widerspricht in Teilen ein aktueller Bericht der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung . Eine Pressemitteilung der Stiftung machte Mitte September auf den neuen „WSI-Report“ aufmerksam, der „30 Jahre deutsche Einheit: Gleichstellung von Frauen und Männern auf den Arbeitsmärkten in West- und Ostdeutschland“ thematisiert:

    „Frauen in West- wie in Ostdeutschland haben in puncto Bildung, Erwerbstätigkeit und soziale Absicherung in den vergangenen Jahren gegenüber Männern aufholen können“, heißt es darin. „Trotzdem gibt es beim Thema Gleichstellung weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West.“

    Bei zentralen und wichtigen „Arbeitsmarkt-Größen wie der Erwerbsbeteiligung, der Arbeitszeit und dem Einkommen sind die Abstände zwischen Männern und Frauen im Osten spürbar kleiner – allerdings beim Einkommen auf insgesamt niedrigerem Niveau als im Westen. (…) Auch wenn die Gleichstellung in Ost- wie Westdeutschland vielfach vorangekommen ist, bleibt die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen in beiden Landesteilen weiterhin oft schlechter als die von Männern.“

    „Zu wenige Frauen in Führungspositionen“ – in Ost und West

    Diese Entwicklung beruhe „vor allem auf mehr weiblicher Teilzeitarbeit. In Ostdeutschland ist der Anteil der Teilzeitstellen an allen Beschäftigungsverhältnissen von Frauen zwischen 1991 und 2018 um 17,2 Prozentpunkte gewachsen – sogar etwas stärker als in Westdeutschland (14,3 Prozentpunkte). Dennoch liegt die Teilzeitquote der westdeutschen Frauen mit aktuell 48,6 Prozent weiterhin deutlich über der der Ostdeutschen (34,7 Prozent).“ Bei Männern sei Teilzeitarbeit „in beiden Landesteilen hingegen eher ein Randphänomen“.

    Weiterhin problematisch bleibe die weibliche Besetzungsquote auf höheren Führungsebenen und bei leitenden Positionen in großen Unternehmen und Behörden. Rückstände, die im Osten aber kleiner seien, so die Forscher. „Insbesondere auf den obersten Führungsetagen: Hier wird in Ostdeutschland nur eine von drei Stellen von einer Frau besetzt, in Westdeutschland sogar nur eine von vier. Der Anteil ist in den vergangenen 15 Jahren vor allem im Westen nur geringfügig gewachsen.“

    Die „Unterschiede in den Erwerbsverläufen ost- und westdeutscher Frauen führen auch zu gravierenden Differenzen bei der Absicherung im Alter: Nimmt man gesetzliche Rente, betriebliche und private Alterssicherung zusammen, beziehen Frauen in Westdeutschland durchschnittlich ein um 58 Prozent niedrigeres Alterseinkommen als Männer. Anfang der 1990er Jahre lag der Gender Pension Gap im Westen sogar bei 73 Prozent. In Ostdeutschland beträgt der Abstand durchschnittlich 28 Prozent, 1992 waren es noch 39 Prozent.“

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    Tags:
    Männer, Frauen, Gendergleichheit, Gleichheit, Gehalt, Ostdeutschland