04:30 29 Oktober 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    464183
    Abonnieren

    Die Wirtschaftskraft ostdeutscher Bundesländer wird auch in absehbarer Zeit nicht die des westdeutschen Durchschnitts erreichen. So eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Als „erreichbares Ziel“ gelten die schwächeren Westländer. Mehr Zuwanderung aus dem Ausland soll beim Aufholen helfen.

    Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung hinkt die Wirtschaft Ostdeutschlands der des Westens noch um 25 Prozent hinterher. Und rechnet man das Bundesland Berlin heraus, beträgt der Abstand sogar satte 30 Prozent zum Westniveau.

    Allerdings dürfe nicht nur das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Meßlatte herangezogen werden, denn so würden wichtige Erfolge übersehen, die beim Aufbau Ost erzielt wurden, so das IW.

    Ein „Einheitsindex“ für Erfolgsmeldungen

    Um diese Erfolge Ostdeutschlands aufzuzeigen, hat das Kölner Wirtschaftsinstitut den „Einheitsindex“ entwickelt. Er bewertet neben der Wirtschaftskraft sechs weitere Indikatoren wie die Produktivität, die Arbeitslosigkeit und den Kapitalstock.

    Ein Wert von 100 hieße vollkommene Angleichung – im Idealfall. Am Index zeigen sich zwei Dinge, so die Wirtschaftsexperten: Zum einen sei Ostdeutschland weiter fortgeschritten, als es der reine Blick auf das BIP vermuten lasse. So ist der IW-Einheitsindex zwischen 1991 und 2019 von gut 50 Prozent des westdeutschen Niveaus auf knapp 77 Prozent gestiegen. Zum anderen steht die Konvergenz nicht still, seit 2014 ist der Index um drei Prozentpunkte gestiegen. „Der Aufbau Ost ist nicht gescheitert und schreitet voran", so IW-Regionalexperte Klaus-Heiner Röhl.

    Verfügbare Ost-Einkommen hoch im Vergleich zum schwächsten Westen

    Besonders gut stehe Ostdeutschland bei den verfügbaren Einkommen dar, die zum Teil schon so hoch sein sollen, wie in manchen Westländern, so die Studie. Brandenburger und Sachsen hätten im Schnitt 20.475 beziehungsweise 20.335 Euro pro Jahr Einkomen – das sei mehr als die Saarländer und nur etwas weniger als die Niedersachsen hätten.

    Auch bei der Produktivität sähe es „gut“ aus: Sie liege bereits seit dem Jahr 2005 bei 80 Prozent des westdeutschen Werts. Ebenso seien die Arbeitskosten nur geringfügig höher als im Westen, so das Institut am Dienstag.

    Mehr Zuwanderung kann Ostdeutschland helfen

    Allerdings bremsen einige Indikatoren auch den ostdeutschen Aufstieg. Zu wenig werde in Ostdeutschland in Maschinen und Anlagen investiert und auch zu wenig Geld in Forschung und Entwicklung gesteckt.

    Als Gründe dafür führt das IW die verhältnismäßig wenigen Großunternehmen im Osten und einen Rückstand der Industrie an.

    Ein Problem ist auch die Demografie, so die Experten. Die Zahl der Erwerbstätigen schrumpfe. Denn jene Jahrgänge, die jetzt Kinder bekämen, seien schwach besetzt; außerdem sei die Zuwanderung aus dem Ausland geringer als im Westen.

    „Die demografische Entwicklung ist die Achillesferse Ostdeutschlands", sagt Studienautor Röhl. Die Region müsse daher attraktiver werden für qualifizierte Zuwanderer aus dem Ausland.

    Schwache West-Länder sind das Ziel

    Angesichts der negativen Einflussfaktoren sei es allerdings „unrealistisch“, dass das ostdeutsche BIP in absehbarer Zeit den westdeutschen Durchschnitt erreichen werde, so Röhl. Vielmehr dürften Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und das Saarland, also die drei wirtschaftlich schwächsten West-Länder, eine realistische Zielmarke sein. Deren räumliche Struktur ähnelt der des Ostens am ehesten, denn es gibt dort wenige starke Ballungsräume. Zu diesen drei Ländern hat die ostdeutsche Wirtschaft nur noch eine Lücke von sechs Prozent aufzuholen, wenn man Berlin mit einbeziehe.

    ba

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    MdB Hansjörg Müller (AfD) zum Fall Nawalny: Die deutsche Seite will nicht kooperieren
    Grenzverletzung verhindert: Su-27 verjagt französische Kampfflugzeuge – Video
    Hohe Corona-Zahlen: Drosten fordert „Mini-Lockdown“ und Lauterbach Kontrollen in Privatwohnungen
    Bund will im November massive Beschränkungen für Freizeit und Reisen – Medien
    Tags:
    Wiedervereinigung, Ostdeutschland