07:04 22 Oktober 2020
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    Wenn Währungen schwächeln, gewinnen Gold und Silber. „Die Edelmetall-Preise werden noch weiter steigen“, blickt Ökonom und Goldmarkt-Experte Thorsten Polleit im Sputnik-Interview voraus. Außerdem erläutert er das in der Wirtschaftswelt diskutierte Geld-Modell von Ludwig von Mises: „Wäre eine gute Lösung für viele Probleme.“

    Heutzutage regiere das sogenannte „Fiat-Geld“ die Weltwirtschaft und Finanzmärkte, kritisiert Ökonom und Goldmarkt-Experte Thorsten Polleit im Sputnik-Interview. Dieses Geld sei durch keine externen Werte – früher war das vor allem die Golddeckung – gedeckt und werde in Massen von den Zentralbanken ausgegeben. Die Folge: Inflation, Geldwertverlust, wirtschaftliche Schieflagen, ungleiche Reichtumsverteilungen sowie krisenhafte Erscheinungen.

    Dem gegenüber stehe die Idee vom „Sound Money“ nach Ludwig von Mises, das „gute Geld“. Dies betonte Polleit erst vor wenigen Wochen auf Einladung in einer englischen Rede auf der internationalen Bitcoin-Konferenz „Unchain Bitcoin and Blockchain Convention“ in Frankfurt am Main. Darin lobte der Chef-Volkswirt beim Goldhändler „Degussa“ erneut die wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse und Lösungsmodelle des US-österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises. Jener hob immer wieder das „Sound Money“-Prinzip hervor, ein Konzept, das mit „gesundes Geld“ oder „gutes Geld“ übersetzt werden kann.

    „Sound Money“: Was ist „gutes Geld“?

    „Das 'Sound Money'-Prinzip, das von Mises in den 1950er Jahren formulierte, ist in der Tat das Prinzip des guten Geldes“, schätzte der Goldmarkt-Experte und Ökonom im Sputnik-Gespräch ein.

    Der Österreicher „meinte damit einen positiven Aspekt, nämlich dass die Menschen ihr Geld selbst im freien Markt wählen können. Die Geldwahl soll den Menschen obliegen. Nicht der Staat solle die Geldmenge diktieren. Der Staat soll somit aus den Geldangelegenheiten herausgehalten werden. Die Erfahrung zeigt eben, dass der Staat immer wieder sein Monopol über das Geld missbraucht zum großen Schaden der breiten Bevölkerung.“

    „Wenn Sie in die Währungsgeschichte schauen, dann können Sie erkennen, dass die Menschen immer ein Sachgeld oder Warengeld gewählt haben, wenn sie die Freiheit hatten, zu wählen. Vorzusgsweise das Edelmetall-Geld, abgesichert durch Gold oder Silber. Das hat mehr oder weniger immer stattgefunden in relativ freien Märkten. Das, was wir heute vorfinden – das Fiat-Geldsystem der Zentralbanken – ist eine Entwicklung, die erst seit den frühen 1970er Jahren entstanden ist. Als die Staaten die Golddeckung mutwillig entfernt haben und dem Geld die Deckung entzogen haben.“

    Gutes Geld sei wichtig, „weil nur es sicherstellen kann, dass Markt-Transaktionen zum beiderseitigen Nutzen ablaufen können“. Außerdem schütze „gutes Geld“ auch die Freiheits- und Bürgerrechte, wie zum Beispiel das Recht auf Demonstrationen, betonte Polleit.

    Im Vergleich dazu: Unser heutiges Geld „ist schlecht“

    „Wenn man jedoch schlechtes, inflationäres Geld hat, wie dieses staatliche Fiat-Geld, dann haben Sie Umverteilungswirkungen, dann gibt es Gewinner und Verlierer. Das führt letztendlich zu Ungerechtigkeiten, sozialen und politischen Spannungen, und es schädigt letztlich auch den Wachstums- und Beschäftigungspfad der Volkswirtschaft.“ Außerdem werde die wirtschaftliche Kreativität und Aktivität von Unternehmern so beschränkt.

    „In den letzten Jahren haben die Edelmetalle wie Gold und Silber preislich stark zugelegt, während die Banken-Aktienkurse stark verfallen sind. Davon kann man durchaus ableiten, dass das Halten von Gold und Silber – zumindest in der Vergangenheit – ein guter Schutz, eine Versicherung war, gegen die Risiken im Banken- und Finanzsystem. Ich glaube, dass die Preis-Tendenzen für diese Edelmetalle weiter nach oben zeigen. Die Zentralbanken versuchen jetzt, die Probleme, die sich im internationalen Finanz- und Bankensektor zeigen, mit Niedrig-Zinsen und immer mehr Geldmengenausweitung zu bekämpfen und in den Griff zu bekommen.“

    Die Folge davon wären getroffene Währungen, die bereits seit Jahren und Jahrzehnten schwächeln. „Die Wahrscheinlichkeit, dass darunter die Kaufkraft von Währungen wie US-Dollar, Euro, japanischer Yen oder chinesischer RMB (bzw. Yuan, Anm. d. Red.) leiden wird, ist sehr hoch.“

    Gold sei eben eine sehr gute Möglichkeit, „sich gegen diesen Wertverfall zu schützen“.

    Was Marx mit dem aktuellen Zentralbanken-System zu tun hat ...

    Die US-Zentralbank FED spiele die Rolle der Zentralbank der Welt. „Sie setzt die Konditionen für Liquidität und Zins-Konditionen für den US-Dollar als de facto Weltleitwährung fest. Und alle anderen Zentralbanken folgen der US-Notenbankpolitik früher oder später. Man kann, wenn man so will, von einem weltweiten Zentralbanken-Kartell sprechen, das insbesondere angeführt wird von der mächtigsten Notenbank, der US-amerikanischen Federal Reserve.“

    In seinem Redebeitrag auf der Bitcoin-Konferenz stellte Polleit die These auf, dass weltweite Zentralbank-System sei marxistisch. „Ich sage damit nur“, konkretisierte er im Interview, „dass Friedrich Engels und Karl Marx (die als Begründer von Kommunismus und Sozialismus gelten, Anm. d. Red.) in der Einrichtung einer staatlichen Zentralbank einen wichtigen Schritt sahen, um die Eigentumsverhältnisse umzustoßen.“

    Doch der tatsächliche Effekt sei ein anderer und negativ. Das staatlich abgesegnete Fiat-Geldsystem, getragen von den Zentralbanken, führe letztlich zu massiven Umverteilungen von arm nach reich und Verzerrungen im Einkommensbereich. Vor allem treffe es den einfachen Sparer sowie „in der Regel die unteren und mittleren Einkommen. Die sind die Geschädigten. Während diejenigen, die bereits Vermögen haben, noch weiter profitieren. Ich bin ganz erstaunt, dass von linken politischen Kräften und auch Gewerkschaften diese Problematik nicht aufgenommen und adressiert wird.“

    Bitcoin (Symbolbild)
    © Sputnik / Alexej Suchorukow

    Ob sich etwas an der misslichen Geld-Situation in naher Zukunft ändern werde, bleibe abzuwarten. „Für die Staaten ist die Hoheit über das Geldsystem natürlich der entscheidende Machtfaktor. Was ich beobachte, ist der Versuch, jede Konkurrenz des staatlichen Fiat-Geldes zu ersticken.“ Und zwar sowohl in Deutschland, Europa als auch in den USA. Darüber hinaus müsse in der Bevölkerung auch „eine kritische Bewegung hin zu besserem Geld“ entstehen.

    Das Radio-Interview mit Thorsten Polleit zum Nachhören:

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    Tags:
    Silber, Gold, Europäische Zentralbank (EZB), US-Notenbank FED