05:38 27 Oktober 2020
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    Der Weltbank-Chef David Malpass hat angesichts der Corona-Pandemie vor einer neuen Schulden- und Finanzkrise gewarnt und Hilfsmaßnahmen einschließlich des Schuldenerlasses für ärmere Länder gefordert. Dies geht aus einem Interview hervor, das das „Handelsblatt“ am Montag veröffentlicht hat.

    Die Corona-Krise mache Fortschritte rückgängig, die die Weltbank bei der Armutsbekämpfung über Jahrzehnte gemacht habe, sagte Malpass. Laut dem neuen Armutsbericht der Institution könnten in diesem Jahr weltweit etwa 100 Millionen Menschen in extreme Armut zurückfallen. Im Jahr 2021 könnte die Zahl auf 150 Millionen steigen. Damit würden 1,4 Prozent der Weltbevölkerung zusätzlich unter die extreme Armutsgrenze rutschen.

    Malpass rief dazu auf, mehr zur Abwendung einer neuen Schuldenkrise zu tun. Zwar hätten sich im April die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) darauf geeinigt, die Schuldentilgung durch die ärmsten Länder vorerst auszusetzen. Es sollten jedoch weitere Schritte folgen. Malpass kritisierte unter anderem das Vorgehen der privaten Investoren sowie einiger großer chinesischer Kreditgeber:

    „Im April haben wir zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) dafür gesorgt, dass der Schuldendienst auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Wir müssen aber jetzt dafür sorgen, dass insbesondere auch private Investoren sich an dieser Schuldenerleichterung beteiligen. Diese Investoren tun nicht genug, und ich bin enttäuscht davon. Außerdem haben sich einige der großen Kreditgeber aus China nicht ausreichend beteiligt.“

    Der Weltbank-Präsident sprach mit dem „Handelsblatt“ kurz vor der Alljährlichen Herbsttagung der World Bank, die zwischen dem 12. und dem 18. Oktober online stattfinden soll.

    Zahlungsaufschub reicht offenbar nicht aus

    Es sei offensichtlich, dass einige Länder nicht in der Lage seien, ihre aufgenommenen Schulden zurückzuzahlen, so Malpass. „Wir müssen deshalb auch den Schuldenstand verringern. Man kann das als Schuldenerlass oder Stornierung bezeichnen. Wichtig ist, dass die Schuldenhöhe durch eine Restrukturierung geringer wird“, sagte er.

    „Abwärtsspirale aus Wachstums- und Finanzkrise“

    Zur Folge könnte eine neue Finanz- und Schuldenkrise in den Schwellenländern werden: „Einige Länder sind bereits in eine Abwärtsspirale aus Wachstums- und Finanzkrise geraten. Die enormen Haushaltsdefizite und Schuldenzahlungen überfordern diese Volkswirtschaften. Hinzu kommt, dass die dortigen Banken durch faule Kredite in Schwierigkeiten kommen.“

    Weltbank stellt mehr als 10 Milliarden Euro zur Versorgung mit Impfstoffen bereit

    Die Weltbank trage auch zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie bei und stelle bis zu zwölf Milliarden US-Dollar bereit, um Länder mit mittlerem oder geringem Einkommen mit Impfstoffen zu versorgen.

    Ungleichheit wächst auch in reicheren Ländern

    Auch in den entwickelten Ländern treffe die Krise vor allem jene, die an der Armutsgrenze leben würden. Die soziale Ungleichheit werde sowohl in ärmeren, aber auch in reicheren Ländern verstärkt, betonte Malpass: „Das liegt einmal daran, dass die staatlichen Hilfen, etwa durch fiskal- und geldpolitische Maßnahmen vor allem den oberen Einkommensschichten zugutekommen oder jenen, die noch nicht aus dem sozialen Netz rausgefallen sind.“

    asch/dpa/ae

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    Covid-19, Pandemie, Coronavirus, Schuldenkrise, Finanzkrise, Schuldentilgung, Schulden, Weltbank