22:20 27 November 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    2834
    Abonnieren

    Unbegründete und unberechenbare Sanktionen der USA und EU verhindern die Erholung der Weltwirtschaft. Diese Auffassung äußerte der Chef des russischen Erdölkonzerns Rosneft, Igor Setschin. Ein krasses Beispiel dafür sei die Situation um die Gaspipeline Nord Stream 2.

    „In den letzten Jahren haben die Instrumente des Sanktionsdrucks, die von den USA und der EU eingesetzt werden, ein qualitativ neues Niveau erreicht – nun bedarf es keiner Begründung mehr, um Sanktionen zu verhängen, sie können fast jederzeit gegen jedes Unternehmen oder sogar gegen eine Einzelperson eingeführt werden“, sagte er bei seinem Auftritt bei dem 13. Eurasischen Wirtschaftsforum im italienischen Verona, das am 22. und 23. Oktober stattfindet.

    Die Sanktionsfrage verhindere die Erholung der Märkte und der Weltwirtschaft und werde das auch weiterhin tun, so Setschin.

    „Ein krasses Beispiel dafür ist der Druck auf das Projekt Nord Stream 2, das ins Gesetz über den Verteidigungsetat aufgenommen wurde“, fügte er hinzu.

    Erneuerbare Energien können Nachfrage nicht decken

    Die Corona-Pandemie habe zwar neue Standards des Energieverbrauchs ins Leben gerufen, gab Setschin zu. Unabhängig davon werde die Welt in Zukunft mehr Energie benötigen. Die Nachfrage danach werde steigen. Erneuerbare Quellen seien zu teuer und würden nicht in der Lage sein, die Energienachfrage vollständig zu decken:

    „Bei Unternehmen und der Menschheit als Ganzes etablieren sich allmählich neue Standards für das Sozialverhalten im Zusammenhang mit Fernarbeit, der Virtualisierung von Bedürfnissen und dem zunehmenden Anteil digitaler und Internet-Segmente in der Wirtschaft. Dabei wird die Menschheit mit dem Wachstum der Weltwirtschaft und der Weltbevölkerung – unabhängig von veränderten Verhaltensmustern – in Zukunft mehr Energie brauchen, und die Nachfrage danach wird sicher steigen“, sagte Setschin.

    „Allein die erneuerbaren Energien werden nicht die wachsende Nachfrage decken können“, fuhr er fort. Dabei würden sich nicht alle Länder diese leisten können, warnte er.

    Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) sollten in den nächsten zehn Jahren mindestens 28 Billionen US-Dollar investiert werden, um Null-Netto-Emissionen zu erreichen, erinnerte der Rosneft-Chef. Der völlige Verzicht der Menschheit auf fossile Brennstoffe werde Investitionen in Höhe von etwa 50 Billionen US-Dollar während des gleichen Zeitraumes erfordern. Die Summe sei dreimal so hoch wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union.

    Verzicht auf traditionelle Brennstoffe bringt neue Probleme mit sich

    Dabei könnten neue Herausforderungen entstehen:

    „Beim Verzicht auf die Verwendung traditioneller fossiler Brennstoffe darf man nicht den möglichen Mangel an Metallen vergessen, die für die Herstellung von Geräten notwendig sind wie zum Beispiel Batterien für die Speicherung der von Solar- und Windparks erzeugten Energie“, sagte er.

    Zudem könnte ein beschleunigter Übergang zu erneuerbaren Energien Investitionsungleichgewichte zur Folge haben: Eine Unterinvestierung in die Förderung der Öl- und Gasproduktion werde zu einem starken Anstieg der Preise für alle Energiearten führen, nicht nur für Öl und Gas“, so Setschin weiter.

    „Die globale Öl- und Gasindustrie steht bei der Entwicklung neuer Technologien an vorderster Front, und wir haben noch immer ein enormes Entwicklungspotenzial. Infolgedessen werden wir in den kommenden Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit eine Symbiose aus traditioneller und erneuerbarer Energie erleben, die Klimaprobleme gemeinsam lösen und den Bedarf der Verbraucher an erschwinglicher Energie decken wird“, sagte Setschin.

    Neue Sanktionen der USA gegen Nord Stream 2 

    Am Dienstag haben die USA die Sanktionsliste gegen die Gaspipeline Nord Stream 2 erweitert. Zu den Aktivitäten, die nun von den USA mit Sanktionen strafbar sind, gehören die „Bereitstellung von Dienstleistungen oder Anlagen für die Modernisierung oder die Installierung von Ausrüstung für diese Schiffe (welche die Pipeline verlegen – Anm. d. Red.) oder die Finanzierung von Upgrades oder Installierung der Ausrüstung für diese Schiffe”.

    Nord Stream 2

    Das Projekt Nord Stream 2 umfasst den Bau von zwei Strängen einer Gaspipeline mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmetern pro Jahr von der russischen Küste durch die Ostsee bis nach Deutschland. Die Pipeline verläuft in den Territorialgewässern von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland und kostet rund zehn Milliarden Euro.

    Die USA, die verflüssigtes Erdgas auf den europäischen Markt bringen wollen, treten gegen den Bau der Gaspipeline auf. Washington hatte im Dezember Sanktionen gegen das Nord-Stream-2-Projekt verhängt und von den Partnerunternehmen einen unverzüglichen Arbeitsstopp gefordert. Das schweizerische Unternehmen Allseas stellte seine Arbeit ein. US-Politiker erwägen derzeit eine Erweiterung der Restriktionen.

    Offiziell teilte der Konzern Gazprom im August nur mit, dass er weiter zu seinen Plänen zum Weiterbau von Nord Stream 2 stehe und die dafür notwendigen Arbeiten erfülle. Das Unternehmen sei jedoch in der öffentlichen Preisgabe der Informationen beschränkt, unter anderem wegen des erheblichen Drucks, der auf das Projekt ausgeübt werde.

    asch/sna/ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Streit um Bundeswehreinsatz gegen türkisches Schiff: EU-Geheimdokument bringt neue Details ans Licht
    Im Fall einer Wahl zum Bundeskanzler: Scholz will Kabinett weiblicher machen – Netz spottet
    Rohrlegeschiff „Akademik Cherskiy“ verlässt Mukran – nun auf dem Weg nach Kaliningrad
    Tags:
    Igor Setschin, Rosneft, Nord Stream-2, Nord Stream 2, Nord Stream 2, wirtschaftliche Erholung, Erholung, Weltwirtschaft, Sanktionen, EU, EU, USA