16:38 26 November 2020
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    Die Edelmetall-Preise bleiben anhaltend hoch und steigen weiter, vor allem der für Gold. Was auch für Kleinanleger interessant sein kann, hat verschiedene Ursachen. Über diese hat Sputnik mit zwei Experten für Edelmetalle, Dimitri Speck und Thorsten Polleit, gesprochen. Sie klären auch über die Rolle der US-Präsidentschaftswahl in dieser Frage auf.

    „Wenn Realzinsen – nicht nur in den USA – sinken, so wie jetzt, steigt der Preis für Gold“, erklärt Edelmetall-Kenner Dimitri Speck im aktuellen Sputnik-Interview. Dazu ergänzt Ökonom Thorsten Polleit von Deutschlands größtem Goldhändler: „Auch Zentralbanken begünstigen dieses Hoch.“ Beide Finanz-Experten blicken dabei auf die US-Präsidentschaftswahl in diesem Jahr.

    Trotz leichter Rückgänge in den letzten Tagen, bleibt der Preis für eine Feinunze Gold weiterhin stabil bei weit über 1900 US-Dollar. Aktuell kostet eine Unze des goldenen Edelmetalls etwa 1910 Dollar (circa 1612 Euro).

    Diese Entwicklung sagt Goldmarkt-Experte Dimitri Speck, Spezialist im Bereich der Edelmetalle, bereits seit mindestens drei Jahren voraus.

    „Dieser Faktor treibt das Gold hoch...“ – Edelmetall-Insider Speck

    Im Interview mit der Redaktion betont er:

    „Der Realzins, also der Zins abzüglich der Inflationsrate, ist einer der Haupt-Antriebsfaktoren für den Goldpreis. Seit 2001 ist der Realzins gering bzw. negativ. Dies hat sehr zur Gold-Hausse (zum Hoch, Anm. d. Red.) beigetragen.“

    Vor allem das Realzins-Umfeld in den USA sei dabei entscheidend. „Man sieht hier sehr deutlich: Wenn der Realzins steigt, fällt der Goldpreis – und umgekehrt“, berichtete der Edelmetall-Insider bezugnehmend auf offizielle Statistiken aus der Wirtschaft. In den letzten Monaten waren „deutlich fallende Zinsen“ im US-Wirtschaftsraum zu beobachten. Gut sei dies immer für den Anstieg des Goldes, erklärte er.

    „Insofern könnte kurz- bis mittelfristig gesehen der Goldpreis über 2000 Dollar je Unze steigen. Weitere Faktoren umfassen sicherlich das gestiegene Misstrauen aufgrund der Corona-Krise“, bilanzierte der Gold-Kenner.

    Wo steht Silber momentan?

    „Auch die in den USA explosivartig gestiegenen Geldmengen (vor allem durch die lockere Geld-Politik der US-Zentralbank Fed, Anm. d. Red.) sind gut für den Goldpreis“, analysierte er.

    „Seit dem 'Low' in der Corona-Krise hat sich der Wert von Silber verdoppelt“, schätzte Fachmann Speck den Silbermarkt in der aktuellen Verfassung ein. „Mittel- und langfristig sehe ich Silber besser performen (abschneiden, Anm. d. Red.) als Gold. Prozentual und faktoriell. Das liegt vor allem daran, dass Silber als Anlage-Metall in Hausse-Phasen traditionell stärker steigt.“

    Momentan ist eine Unze Silber für rund 25 Dollar (etwa 21 Euro) an den Märkten zu haben.

    Dennoch schwanke der Silber-Preis „deutlich stärker“ als Gold. Deshalb sei ein reges An- und Verkaufen mit dem gelben Edelmetall meist die bessere Option. Eigene physische Silberbestände sollten auch in Krisenzeiten langfristig „für mehrere Jahre“ gehalten werden, riet er. „Bitte dabei auch auf die Lagerung und Sicherung sowie auf die Seriösität von Anbietern achten“, gab er einen weiteren Tipp.

    Bei Gold empfiehlt er Klein-Anlegern obligatorisch den Kauf physischer Standard-Münzen von bekannten Anbietern. Per Börsenbrief und Website informiert Edelmetall-Kenner Speck regelmäßig über Entwicklungen an den Märkten.

    „Globales Gut“ Gold und „expansives Geld“ – Ökonom Polleit

    „Gold ist tatsächlich ein globales Gut, wird zu Industrie-, Schmuck- und Investitionszwecken nachgefragt“, erklärte Ökonom Thorsten Polleit im Sputnik-Gespräch. Er ist seit 2012 Chef-Volkswirt bei „Degussa Goldhandel“ in Frankfurt/Main, dem größten Edelmetallhändler Deutschlands, und verantwortet dort volkswirtschaftliche Analysen zu Konjunktur, Edelmetall- und Finanzmärkten, Geld- und Wirtschaftspolitik.

    „Ein Faktor war in den letzten Jahren besonders bedeutsam: Nämlich die Geldpolitik der großen Zentralbanken. Diese haben die Zinsen an bzw. unter die Null-Linie gebracht bzw. gezerrt, sie weiten die Geldmengen massiv aus. Das führt dazu, dass die Liquidität in den Finanzmärkten steigt. Der Inflationsdruck nimmt zu. Viele Investoren sehen im Gold einen sicheren Hafen. All das beflügelt den Goldpreis. Derzeit liegt ein sehr stabiler Aufwärtstrend vor, der sich meiner Meinung nach noch fortsetzen wird.“

    In den letzten Jahren „ist sicherlich auch das Absenken der Zinsen, darunter die Negativ-Zinsen, ganz entscheidend gewesen, den Goldpreis in die Höhe zu treiben“, stimmte der Volkswirt der vorhergehenden Analyse von Gold-Experte Speck zu.

    US-amerikanische Medien berichten aktuell von weiteren staatlichen Corona-Rettungspaketen in Milliardenhöhe, die Washington ankündigt, um die eigene Volkswirtschaft anzukurbeln und zu stimulieren. Auch diese Programme würden zusätzliches Geld in die Märkte spülen, die dann wieder in die Edelmetalle fließen – und so die Preise hochtreiben könnten, meinte Polleit.

    Showdown im US-Wahlkampf: Und was ist mit Gold und Silber?

    Grundsätzlich sei Vorsicht geboten, mahnte er, „wenn man Informationen an den Finanzmärkten ablesen will“.

    Diese Erkenntnis gelte auch für den aktuellen Präsidentschaftswahlkampf um das Weiße Haus, der nun mit der letzten TV-Debatte zwischen Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden in die heiße Phase eingetreten ist.

    Ökonom Polleit glaubt dennoch, „mit der gebotenen Vorsicht, dass die Finanzmärkte – insbesondere die Aktienmärkte – schon damit rechnen, dass US-Präsident Donald Trump eine zweite Amtszeit erhält. Der Kapitalmarkt antizipiert gewissermaßen diese Entscheidung.“ Deswegen war aus seiner Sicht der Rücksetzer der Märkte nach dem positiven Covid-19-Test des US-Regierungschefs bezeichnend.

    Er denke, „die Märkte haben die Hoffnung, auf ein wirtschaftlich besseres Umfeld zu hoffen unter der Präsidentschaft von Donald Trump. Der Steuern gesenkt hat, der viele Regularien zurückgedrängt hat, der die Re-Industrialisierung der Vereinigten Staaten von Amerika anstrebt. Das sind alles Faktoren, die tendenziell positiv sind für die US-Wirtschaft. In den Märkten scheint sich die Erwartung festgesetzt zu haben: Trump wird auch der 46. Präsident der Vereinigten Staaten sein. Solange diese Erwartungshaltung aufrechterhalten bleibt, haben die Aktienmärkte weiterhin Luft nach oben.“

    Kontrahent Joe Biden von den Demokraten „verfolgt hingegen eine weniger wirtschaftsfreundliche Politik. Bei der Steuerpolitik sehen die Demokraten erhebliche Steuererhöhungen vor. Insgesamt ist das eher ein interventionistisches Programm.“ Bei einem Wahlsieger Biden würde es Polleit zufolge „erhebliche Rücksetzungen geben, vor allem in den Aktienmärkten“.

    Was die Edelmetall-Märkte anbetrifft, sei es fast schon egal wie die US-Wahl Anfang November ausgeht: „Die Geldpolitik der Zentralbanken bleibt expansiv. Ich glaube nicht, dass der US-Präsidentschaftswahlkampf da erhebliche Auswirkungen haben wird.“ Die Edelmetall-Preise seien unabhängig vom Wahlausgang „weiterhin nach oben gerichtet“.

    Trump oder Biden? – die Edelmetall-Märkte und der neue US-Präsident

    Edelmetall-Insider Speck hatte in seiner Bewertung der Wirtschaftspolitik-Strategien beider US-Parteien eine anders gelagerte Sichtweise. „Es wird den Republikanern oft nachgesagt, dass sie besser haushalten könnten“, bewertete er. „Das ist nicht zwingend so. Trump hatte schon weit vor der Corona-Krise ein starkes Defizit im US-Haushalt aufgebaut. Die USA gehören aktuell zu den Industrieländern mit den höchsten Defiziten.“ Die staatlichen Corona-Rettungspakete würden diese staatsfinanzielle Schieflage noch weiter verschärfen. „Nun fordern die Demokraten noch größere Hilfspakete.“ Er glaube, aus Goldanleger-Sicht mache es „keinen Unterschied“, wer die Wahl gewinnen wird.

    Er bestätigte letztlich die Grund-Analyse des Chef-Volkswirts:

    Die Preise für Gold und Silber würden mittel- und langfristig weiter ansteigen, blickte Speck voraus. Unabhängig vom Wahlausgang Anfang November in den USA. „Beide sind positiv für Gold“, vermutete er. Denn: „Dass Politiker den Geldwert (nicht nur des Dollars, Anm. d. Red.) zerstören, darauf ist ziemlich sicher Verlass.“

    „Keine verlässlichen Muster“

    „Fünf der letzten zwölf US-Präsidenten waren Demokraten, sieben waren Republikaner“, berichtet Ökonom Polleit in einem aktuellen Rundbrief für sein Goldhaus. Mit Blick auf Statistiken der letzten Jahrzehnte „lassen sich keine verlässlichen 'Muster' erkennen. Im Durchschnitt hat der Goldpreis in den sechs Monaten nach Wahl eines demokratischen Präsidenten um knapp drei Prozent zugelegt, nach Wahl eines republikanischen Präsidenten knapp vier Prozent.“

    Der Preis für Silber sei gegenwärtig „gegenüber dem Goldpreis immer noch weit abgeschlagen“, verglich er abschließend. Dies „lässt vermuten, dass bei einem weiteren Anstieg des Goldes auch Silber überproportional anzieht. Dann erkennt man weiterhin, dass die Silber-Produktion mittlerweile ein Nachfrage-Defizit aufweist.“ Einer der Gründe dafür läge in den ETFs .

    Für Gold-Anleger sei in der aktuellen Lage interessant, einen Teil des eigenen Portfolios „in Silber“ einzutauschen, also anzulegen. Diese Empfehlung geben beide Experten.

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Dimitri Speck:

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Thorsten Polleit:

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    Tags:
    Donald Trump, Joe Biden, US-Wahlen, Edelmetalle, Silber, Gold