22:14 27 November 2020
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    Mit einem unerwartet kräftigen Wachstum im dritten Jahresquartal hat die deutsche Wirtschaft den coronabedingten Einbruch teilweise wettgemacht. Dennoch ist Europas größte Volkswirtschaft trotz eines Rekordanstiegs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal noch nicht über den Berg.

    Das Berliner Bundeswirtschaftsministerium rechnet in seiner aktuellen Prognose im Gesamtjahr mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von 5,5 Prozent.

    Wirtschaftsminister Peter Altmaier sieht die Entwicklung der Konjunktur angesichts der zweiten Corona-Welle am Scheideweg. Zwar erwartet der CDU-Politiker 2020 nun einen geringeren Konjunktureinbruch als zuvor und rechnet im kommenden Jahr mit einem Aufschwung. Er sagte aber am Freitag zugleich:

    „Das Pendel kann in die eine oder andere Richtung ausschlagen.“ Entscheidend sei, ob eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden könne.

    Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes wurde das Wachstum im dritten Quartal von höheren privaten Konsumausgaben und stark gestiegenen Exporten getragen. Zudem investierten Unternehmen mehr in Maschinen und andere Ausrüstungen. Nach Angaben der Wiesbadener Behörde war es der stärkste BIP-Anstieg im Quartalsvergleich seit Beginn der Zeitreihe 1970. Das Wachstum fiel stärker aus, als von Ökonomen erwartet. Das Minus aus dem ersten Halbjahr sei zu etwa zwei Drittel aufgeholt worden, sagte Michael Holstein von der DZ Bank.

    Corona-Zahlen und Teil-Lockdown gefährden den Aufschwung

    Ein Blick auf den Jahresvergleich zeigt allerdings die deutlichen Spuren, die die Corona-Krise bislang hinterlassen hat. Gegenüber dem dritten Quartal 2019 sowie dem letzten Vierteljahr 2019 brach die Wirtschaftsleistung zwischen Juli und September 2020 um je gut vier Prozent ein. Ökonomen und Wirtschaftsverbände befürchten, dass steigende Corona-Neuinfektionen und der jüngst beschlossene Teil-Lockdown im November den Aufschwung ausbremsen.

    „Wegen der zweiten Welle und des Lockdowns können wir froh sein, wenn die Wirtschaft im vierten Quartal stagniert“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

    Auch andere Volkswirte rechnen damit, dass der Aufschwung erst einmal zum Erliegen kommt. Aus Sicht des Ifo-Instituts setzen die beschlossenen Maßnahmen der kräftigen Erholung vom Sommer ein abruptes Ende. Sie dürften einen Ausfall bei der gesamtwirtschaftlichen Produktion von etwas mehr als zehn Milliarden Euro zur Folge haben.

    Wirtschaftsminister Altmaier verteidigte die harten Maßnahmen von Bund und Ländern, die ab Montag für den gesamten November gelten. In der Herbstprognose rechnet er für das laufende Jahr mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland von 5,5 Prozent. Anfang September hatte sein Ministerium noch ein Minus von 5,8 Prozent vorhergesagt. Für das kommende Jahr erwartet Altmaier einen BIP-Anstieg um 4,4 Prozent, für 2022 ein Plus von 2,5 Prozent. Allerdings dauert es laut der Prognose bis zum Jahreswechsel 2021/2022, bis das Vorkrisenniveau erreicht sei.

    Kräftiger als in Deutschland wuchs die Wirtschaft in Frankreich, Italien und Spanien. Dort war die Wirtschaft im Frühjahr aber noch stärker eingebrochen, da die drei Länder besonders harte Maßnahmen gegen die Corona-Krise ergriffen hatten. Fast alle Länder der Eurozone haben inzwischen erneut heftige Beschränkungen beschlossen.

    leo/dpa/ae

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    Bundeswirtschaftsministerium, Peter Altmaier, Einbruch, Lockdown, Infektionen, Coronavirus, Rekord, BIP, Anstieg, Wirtschaft, Deutschland