05:23 03 Dezember 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    55011
    Abonnieren

    Drohungen gegen Nord Stream 2 sollten mit dem neuen US-Präsidenten Biden kein Thema mehr sein. Einmischungen in die Energiepolitik gehören sich unter Partnern auf Augenhöhe schließlich nicht, erklärt Oliver Hermes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Möge seine Meinung greifen – ein Kommentar im Sputnik-Gespräch.

    Eines ist für den Vorsitzenden des deutschen Wirtschaftsverbands klar: „Die transatlantischen Konflikte werden sich unter einem Präsidenten Joe Biden nicht in Luft auflösen“, sagt Oliver Hermes in einer Erklärung zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahl. Man sehe jedoch „gute Chancen für die Rückkehr zu Kooperation und einem zivilisierten Dialog“.

    So sollte es zwischen Partnern und Verbündeten schließlich auch sein.

    „Die amerikanische Einmischung in europäische Angelegenheiten muss der Vergangenheit angehören. Die USA und die EU brauchen einander als Partner auf Augenhöhe. In der Sanktionspolitik müssen wir zu einem abgestimmten Vorgehen auf Basis internationalen Rechts zurückfinden. Die Androhung von Sanktionen gegen ein europäisches Energieprojekt wie Nord Stream 2 muss vom Tisch“, fordert der Ausschussvorsitzende.

    „Absolut nachvollziehbar, absolut naheliegend“ sei diese Forderung, sagt der Energiemarktexperte Stanislaw Mitrachowitsch von der Stiftung Nationale Energiesicherheit im Sputnik-Gespräch. „Man kann es ja nur begrüßen, wenn Biden im Unterschied zu Trump weniger egozentrisch, also nicht allein auf US-Interessen bedacht, agiert und die europäische Position in seine Entscheidungen einbezieht. Meine Sorge ist aber auch, dass es innerhalb der US-Demokraten zu viele Gegner einer russisch-europäischen Zusammenarbeit gibt. Sie werden sicherlich nicht sang- und klanglos nachgeben. Die Vorstellung, dass die Zusammenarbeit Russlands und Europas zu verhindern, kaputtzumachen ist, hat sicherlich auch im künftigen US-Kabinett fruchtbaren Boden“, so der Experte.

    Gleichwohl gibt es in der deutschen Wirtschaft über die Zukunft der Gasleitung Nord Stream 2 einen klaren Konsens.

    „Ich gehe davon aus, dass die Pipeline fertiggestellt wird. Es fehlen ja nur noch wenige Kilometer“, sagte beispielweise Andreas Schierenbeck, Chef des Energieversorgers Uniper, kürzlich gegenüber Journalisten.

    Uniper sei interessiert an guten Beziehungen mit den USA und zuversichtlich, dass es zu einer Veränderung der US-Position gegenüber dem Pipelineprojekt komme. Man habe allerdings wenig Einfluss darauf und müsse die Situation vorerst weiter beobachten. 

    Nord Stream 2

    Das Projekt Nord Stream 2 umfasst den Bau einer Gaspipeline mit einer Kapazität von 55 Milliarden Kubikmetern pro Jahr von der russischen Küste über den Meeresgrund der Ostsee bis nach Deutschland.Es wird von der Nord Stream 2 AG mit ihrem Alleingesellschafter Gazprom umgesetzt. Europäische Partner - Royal Dutch Shell, OMV, Engie, Uniper und Wintershall - finanzieren das Projekt insgesamt zu 50 Prozent, das heißt, jeweils bis zu 950 Millionen Euro. 

    Der Bau der Pipeline wurde Ende vorigen Jahres gestoppt, nachdem die USA das Verteidigungsbudget mit Sanktionen gegen beteiligte Unternehmen verabschiedet hatten. Daraufhin stieg das Unternehmen „Allseas“, das mit der Verlegung der Gasleitung beauftragt war, aus dem Projekt aus.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Wie Verbrecher behandelt? Quarantäne-Schreiben wegen harter Wortwahl in Kritik – Sputnik hakt nach
    Russischer Impfstoff darf dran, so Kommission von der Leyens - aber „nirgendwo in EU außer Ungarn“
    Auf Sexparty erwischt: Polizei löst Orgie in Brüssel auf – EU-Abgeordneter tritt zurück
    Tags:
    Wirtschaft, Uniper, Joe Biden, Russland, USA, Nord Stream 2