15:58 28 November 2020
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    Der Marktstratege der Deutschen Bank, Jim Reid, hat in einem Bericht vorgeschlagen, eine Steuer für diejenigen einzuführen, die auch ohne coronabedingte Empfehlungen der Regierung von zu Hause aus arbeiten.

    Im am Dienstag unter dem Titel „Was wir für den Wiederaufbau machen sollen“ auf der offiziellen Webseite der Bank erschienenen Schreiben bezifferte Reid die mögliche Steuer auf fünf Prozent. Das Geld soll Förderungen für Niedrigverdiener finanzieren, die nicht im Homeoffice arbeiten könnten.

    Der Analytiker begründet die Maßnahme damit, dass Angestellte, die nicht ins Büro kommen müssen, Geld sparen, das sie sonst etwa für Reisen, Mahlzeiten oder Kleidung ausgegeben hätten. Remote-Mitarbeiter „tragen weniger zur wirtschaftlichen Infrastruktur bei, während sie dennoch von dieser profitieren“.

    „Unser Wirtschaftssystem ist einfach nicht darauf eingerichtet, Menschen zu bewältigen, die sich selbst von der Von-Angesicht-Zu-Angesicht-Gesellschaft abkoppeln können. Diejenigen, die im Homeoffice arbeiten können, profitieren davon finanziell – direkt und indirekt – und sollen deshalb mit einer Steuer belegt werden, um den Übergang reibungslos zu machen für diejenigen, die ihren Job plötzlich verloren haben.“

    Aus Reids Sicht wird die Maßnahme nur außerhalb des Zeitraums gelten, wo die Regierung es empfiehlt, von zu Hause aus zu arbeiten. Selbstständige und Niedrigverdiener könnten ebenso von der Besteuerung ausgeschlossen werden. Wenn Angestellten kein „ständiger Arbeitsplatz“ gewährt würde, sollte der Arbeitgeber die Steuer zahlen.

    Oft verdienen Remote-Mitarbeiter laut dem Bericht mehr als im Durchschnitt. Der Stratege geht von einem 40.000 Euro Jahresgehalt aus. Eine Fünf-Prozent-Steuer bedeute dann rund 7,50 Euro täglich, „weder Unternehmen noch einzelne Personen werden schlimmer dran sein“.

    Die Maßnahme würde in Deutschland 15,9 Milliarden Euro beschaffen, die Geldhilfen in Höhe von 1500 Euro für die ärmsten zwölf Prozent Menschen im Land finanzieren würde.

    Reaktion der Finanzfachleute

    Den Vorschlag Reids schätzten russische Experten skeptisch ein. Gegenüber der russischsprachigen Version des Magazins „Forbes“ sagte etwa Sofja Donez von der Investitionsfirma „Renaissance Capital“, dass die Entscheidung, von zu Hause aus zu arbeiten, „verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft“ sei. Remote-Angestellte zusätzlich zu besteuern würde dann „unlogisch“ sein.

    Für den Investitionsdirektor vom Unternehmen „Loco-Invest“, Dmitri Polewoj, sei die Idee des „Deutsche Bank“-Analytikers „merkwürdig“. Das Geld, das im Homeoffice gespart worden sei, würde sowieso „in die Wirtschaft gelangen“ und könnte für viele Familien andere Einkommensverluste ausgleichen.

    mo/mt

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