12:38 03 Dezember 2020
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    Trotz der anhaltenden Kritik von Umweltschützern will die Bundesregierung viel Geld investieren, um US-Gas zu importieren. Medien und die Deutsche Umwelthilfe berichten nun, dass die Netzbetreiber mit Kosten von über 800 Millionen Euro für den gesamten Netzausbau rechnen, um ein Vielfaches mehr als ursprünglich geplant. Wer trägt die Mehrkosten?

    „Der Ausbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland“, so eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), „ist ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung.“ Um ein Gegengewicht zu dem Erdgas aus Russland zu haben, will die deutsche Regierung zwei LNG-Terminals für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) für Deutschland an den Standorten Brunsbüttel und Stade bauen, um so Flüssigerdgas aus den USA importieren zu können. Das am Standort Wilhelmshaven geplante Terminal wurde in der vergangenen Woche vom Energiekonzern Uniper abgesagt.

    Kleinere Erdbeben und radioaktive Stoffe

    Die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin beschäftigt sich seit Jahren mit dem Gasbedarf in Europa. Sie sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“:

    „Die Planung der drei Terminals ist energiewirtschaftlich unnötig und klimapolitisch schädlich.“

    Das Gas wird in den USA durch das sogenannte Fracking (ein umstrittenes Verfahren zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl) gefördert. Das bedeutet aber Verunreinigung des Trinkwassers, Luftverschmutzung durch freigesetztes Methan, kleinere Erdbeben und radioaktive Stoffe, die an die Oberfläche gespült werden. Forscher machen die Gasförderung weltweit für rund ein Drittel der Emissionen aus fossilen Energien verantwortlich.

    Abgesehen von den gravierenden Umweltschäden, die dieses Flüssiggas verursacht, wurde jetzt bekannt, dass die Infrastruktur dafür in Deutschland um ein Vielfaches teurer würde als ursprünglich von der Bundesregierung angekündigt. Dies berichten die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) und „Die Zeit“.

    800 Millionen Euro für ein neues Gasleitungsnetz – statt 134 Millionen

    Für den Anschluss der Anlagen für fossiles Flüssigerdgas müssen nicht nur neue Leitungen gebaut, sondern auch die Leistungsfähigkeit des Gasleitungsnetzes erweitert werden, teils bis in die Mitte Deutschlands hinein. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 800 Millionen Euro. Die Politik hatte bisher lediglich Kosten von 134 Millionen Euro für den Bau der direkten Anschlussleitungen eingeräumt. Diese Kosten betragen nach aktuellen Schätzungen jedoch tatsächlich rund 200 Millionen Euro. Hinzu kommen laut aktuellem Entwurf des „Netzentwicklungsplans Gas“ außerdem circa 600 Millionen Euro für die Ertüchtigung des Gasleitungsnetzes zum Weitertransport des Gases.

    All diese Kosten werden nicht von den Investoren getragen, sondern über den Gaspreis auf die Gaskunden umgelegt.

    Der Bundesgeschäftsführer der DUH, Sascha Müller-Kraenner, kritisiert, dass der zuständige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die wahren Kosten der Terminals systematisch verheimlicht: „Unsere Recherchen enthüllen eine perfide Taktik der Befürworter von Fracking-Gas. Die wahren Kosten der Terminals werden vor der Öffentlichkeit verschwiegen und klammheimlich und im Nachhinein den Verbraucherinnen und Verbrauchern in Rechnung gestellt. Der Großteil der Ausgaben entfällt nämlich auf das Gasnetz, das von den Gaskundinnen und -kunden finanziert wird. Diese müssen damit ungefragt den Fortbestand einer sterbenden, klimaschädlichen Industrie sichern – ein handfester Skandal. Bundes- und Landespolitik müssen umgehend die direkte und indirekte Subventionierung der Terminals stoppen.“

    „Verbraucher finanzieren Expansionspläne der fossilen Gaswirtschaft“

    Laut DUH gehen die bisher verheimlichten Kosten aus dem Entwurf des Netzentwicklungsplans Gas hervor. Dieser wurde von den Gasnetzbetreibern vorgelegt und wird derzeit von der Bundesnetzagentur geprüft. Der Bau der LNG-Terminals wird in dem Netzentwicklungsplan als einer der wichtigsten Treiber für den Aus- und Umbau des Gasnetzes genannt.

    Constantin Zerger, Leiter des Bereichs Energie und Klimaschutz der DUH, fordert einen sofortigen Stopp des Netzentwicklungsplans Gas und der Pläne für die LNG-Terminals. Er erklärt:

    „Die Planung zum Aus- und Umbau des Gasnetzes gehen völlig an den Klimazielen vorbei. Statt das Gasnetz auf eine erneuerbare Zukunft und den Einsatz von Wasserstoff vorzubereiten, soll heute noch Geld in Leitungen für den Transport von Fracking-Gas aus den geplanten LNG-Terminals investiert werden. Die Dummen sind am Ende die Verbraucherinnen und Verbraucher. Ohne es zu wissen, müssen sie die Expansionspläne der fossilen Gaswirtschaft finanzieren, die sich keinen Deut um Klimaziele schert.“

    Die Mehrkosten für den Gasnetzausbau werden durch die beiden Terminals in Brunsbüttel und Stade ausgelöst. Bislang wurde noch kein Antrag auf Genehmigung gestellt, es gibt auch noch keine finale Investitionsentscheidung seitens der Vorhabenträger.

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    Tags:
    Gasleitung, Klimaschutz, Klima, USA, Fracking, Fracking-Gas, Flüssiggasprojekte, Flüssiggas