06:14 03 Dezember 2020
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    Das Vorkrisenniveau in der Ölproduktion ist auf Jahressicht wohl nicht mehr zu erreichen. Jedenfalls rechnen die Internationale Energieagentur und die OPEC für 2021 mit einer schlechteren Nachfrage als bisher angenommen. Die Erneuerbaren Energien legen indessen zu.

    Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht in ihrer Ölmarktschätzung für das laufende Jahr von einem Rückgang des täglichen Ölbedarfs auf 91,3 Millionen Barrel. Das ist eine Million Barrel weniger als kürzlich noch angenommen. Auslöser für die Korrektur sind die europaweiten Teil-Lockdowns infolge der zweiten Corona-Welle. Die Einschränkungen sind zwar weniger hart als im Frühjahr, aber die Tendenz ist eine „deutlich negative“, sagen Experten.

    Impfstoffe wie der von BioNTech könnten indirekt eine Aufhellung auf den wichtigsten Ölmärkten nach sich ziehen, sofern denn die dritte Testphase positive Ergebnisse bringt. Doch mit schnellen Erholungseffekten rechnet die Internationale Energieagentur auch dann nicht. Es sei noch zu früh, darüber zu sprechen, ob und wann die Impfstoffe dazu beitragen könnten, das Leben wieder in gewohnte Bahnen zu lenken, heißt es im IEA-Bericht. Deshalb erwartet die Behörde, dass die Ölnachfrage auch 2021 nur teilweise wieder anzieht: auf 97,1 Millionen Barrel pro Tag. „Das sind, im Vergleich zum Vorkrisenniveau, drei Millionen Barrel weniger.“

    Noch negativer ist die Aussicht der OPEC. Die Organisation erdölexportierender Länder schätzt die Ölnachfrage im kommenden Jahr auf 96,3 Millionen Barrel pro Tag. Im Juli haben OPEC-Experten noch 0,8 Millionen Barrel mehr prognostiziert. Und:

    „Dass Impfstoffe die Lage radikal ändern, ist nicht zu erwarten“, sagt Ökonom Oleg Tscherednitschenko von der Plechanow-Hochschule in Moskau. „Die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Präparate hält sich in Grenzen. Es steht noch gar nicht fest, dass Menschen sich 2021 massenweise impfen lassen.“

    Was man für 2021 allerdings erwarten kann, ist ein Überangebot auf dem Ölmarkt. Denn seit diesem November gibt auch Libyen zusätzliche 1,2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag in den Markt. Das Land hat seine Ölproduktion wiederaufgenommen. Außerdem steht bald die Amtseinführung Bidens bevor – und damit womöglich eine gewisse Lockerung der amerikanischen Sanktionspolitik. Sollte Joe Biden das Teheran-Embargo aufweichen, steigt das Ölangebot on top. Höchstens 45, allerhöchstens 50 Dollar – so lautet vor diesem Hintergrund die allgemeine Einschätzung zu den Ölpreisen im kommenden Jahr.

    Andererseits könnten weitere Konjunkturprogramme in den USA (man spricht von zwei Billionen Dollar an Liquiditätsspritzen) auch das globale Wirtschaftswachstum anspornen – mit positiven Auswirkungen auf den Ölpreis. Die kurzfristige Preisspanne für die Ölsorte Brent geben Analysten mit 36 bis 44 Dollar an. Startet parallel zu den amerikanischen Konjunkturmaßnahmen eine Impfkampagne, sei ein Anstieg auf bis zu 50 Dollar möglich.

    Auch könnte das Ende des Handelskriegs zwischen USA und China den Anstieg der Ölpreise antreiben, nur seien die Gegensätze zwischen den beiden Volkswirtschaften so groß, dass eine Erholung frühestens Ende nächsten Jahres einsetzen würde, mahnen Experten. Obendrein seien starke Preisschwankungen nicht auszuschließen, weil Investoren auf jede negative Corona-Nachricht irrational reagierten.

    Währenddessen legen Erneuerbare Energien weltweit zu, betont die IEA in ihrer Marktschätzung. Für das laufende Jahr rechnet die Energieagentur mit einem Anstieg der installierten Leistung aus Regenerativen Energien um vier Prozent und erreicht mit den USA und China zusammen den Rekordwert von 200 Gigawatt. Die chinesische Verkehrsstrategie ist ohnehin nicht gerade ölförderlich: Ende Oktober hat der chinesische Verband der Autoexperten mitgeteilt, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren könnten ab 2035 pauschal nicht mehr zulassungsfähig sein.

    Auf dem Vormarsch sind die Regenerativen Energien jedoch hauptsächlich in den industriell entwickelten Ländern. Andere Länder hingegen fragen mehr Erdöl nach. In Indien, dem drittgrößten Ölverbraucher der Welt, ist die Nachfrage in den letzten zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen – und steigt laut Experten weiter. Viele Länder Südostasiens geben ein vergleichbares Bild ab.

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    Tags:
    Erneuerbare Energien, OPEC, Internationale Energieagentur (IEA), Ölproduktion