09:58 27 November 2020
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    Die Asean, China und weitere vier asiatisch-pazifische Staaten haben das weltgrößte Freihandelsabkommen abgeschlossen. Das RCEP-Abkommen sorge dafür, dass die Standards künftig vermehrt in Asien gesetzt würden, sagt Finanzanalyst Christian Buntrock im Sputnik-Interview. Was bedeutet das für die EU?

    Der Volkswirt und Fondsmanager der „Solvecon Invest GmbH“, Christian Buntrock, erwartet nach dem Abschluss des asiatisch-pazifischen Freihandelsabkommens – der „Regionalen, Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft“ (RCEP) – positive Wachstumseffekte sowie Chancen für europäische Unternehmen und Investoren „Wir sehen eine weitere Strukturverbesserung in den asiatischen Märkten. Dieses Abkommen sorgt für einen einfacheren Handel, für vermehrten Warenaustausch und natürlich für entsprechendes Wachstum mit den entsprechenden Zweit- und Drittrunden-Effekten. Das bedeutet, die Region wird wirtschaftlich stärker, sie wird für Investments noch interessanter“, sagt der Finanzanalyst im Sputnik-Interview.

    „Ein Weckruf“

    Seine Prognose: Das RCEP sorge dafür, dass künftig die Standards vermehrt in Asien gesetzt würden – „nicht mehr in Europa“. Doch damit stünden europäische Unternehmen, die in den asiatischen Markt investieren wollen, vor der Herausforderung, sich zunächst an den dortigen Standard anpassen zu müssen. „Den Standard können sie aber selber nicht mehr definieren und diesen damit nicht mehr in unserem Interesse durchsetzen. Von der Seite her ist es ein Weckruf“, moniert Buntrock.

    Zuvor hatte die „Internationale Handelskammer“ (ICC) von einem „Weckruf“ gesprochen. Vor dem Hintergrund des neuen asiatisch-pazifischen Freihandelsabkommens fordert die Organisation mehr Tempo beim Freihandel

    „Europa muss sich fragen, welche Zukunftsvisionen es hat. Hier brauchen wir schnelle Fortschritte“, teilte „ICC Germany“, der deutsche Zweig der Wirtschaftsorganisation, am Montag mit.

    Politische Schlappe für die deutsche Autoindustrie

    Mit Blick auf die deutsche Autoindustrie sei das Abkommen eine politische Schlappe und verschlechtere die Wettbewerbssituation, kritisierte Ferdinand Dudenhöffer vom „Center Automotive Research“ (Car). Er warf der Bundesregierung und der EU einen einseitigen und naiven US-Kurs vor.

    Schon jetzt kämen die RCEP-Märkte bei Neuwagenverkäufen auf einen Weltmarktanteil von knapp 43 Prozent, in 20 Jahren dürften es 50 Prozent sein, schreibt Dudenhöffer. Japanische und südkoreanische Hersteller wie Toyota, Honda, Nissan sowie Hyundai und Kia und auch die Zulieferer bekämen nun einen wichtigen Zugang vor allem zum chinesischen Markt. Deutschen Herstellern und Zulieferern hingegen bleibe nur der Ausweg, ihre Standorte in Asien noch stärker auszubauen und dafür die Produktion in Deutschland aufzugeben.

    ​Diese Kritik teilt Buntrock. „Man darf nicht vergessen: Dieses Abkommen (RCEP) umfasst etwa 30 Prozent des Welt-BIP. Das bedeutet, da sind 2,1 Milliarden Menschen in dieser Region, die innerhalb dieses Abkommens leben, während die USA gerade einmal vier Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Die Absatzmärkte im Osten seien erheblich interessanter und erheblich größer.

    „Ohne China hätte unsere Automobilindustrie ein sehr, sehr, sehr großes Problem. Und von der Seite her sind das die Zukunftsmärkte, auf die wir uns fokussieren müssen“, betont der Portfoliomanager von „Solvecon Invest“.

    Gemeinsame EU-Handelspolitik nötig

    Buntrock sieht aufgrund des schnellen Wachstums der EU die Notwendigkeit zu einer Umstrukturierung. Eine klare gemeinsame Außen- und Handelspolitik, die auch dann mit allen Vor- und Nachteilen von allen EU-Mitgliedsstaaten mitgetragen werde, sei langfristig für Europa entscheidend, ist der Finanzmarktanalyst überzeugt.

    Die südostasiatische Union Asean hatte am Sonntag mit China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland federführend das größte Freihandelsabkommen der Welt geknüpft. Der Pakt umfasst 2,2 Milliarden Menschen und rund ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung. Das Abkommen verringert Zölle, legt einheitliche Regeln fest und erleichtert damit Lieferketten.

    Kritiker bemängeln allerdings, dass in dem Abkommen ausreichende Regelungen zur Liberalisierung der Volkswirtschaften sowie zum Umwelt- und Arbeitsschutz fehlen würden.

    Interview mit Christian Buntrock zum Nachhören:

     

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    Tags:
    EU, Europa, Wirtschaft, Handelsprotektionismus, Protektionismus, USA, ASEAN, Freihandelsabkommen, Südkorea, Asien, Japan, china