13:10 04 Dezember 2020
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    Um in der Pandemie zu bestehen, haben US-Unternehmen Notkredite aufgenommen, die allmählich zum Problem werden. Das Verhältnis zwischen Verschuldung und Eigenvermögen amerikanischer Firmen schießt auf ein 20-Jahres-Hoch, während auch der Börsenwert der Unternehmen steigt. Wegen einer Pleitewelle droht in den USA ein Aktiencrash, sagt sogar die Fed.

    Amerikanische Firmen sind in den letzten sechs Monaten auf der Börse immer teurer geworden. Die Regierung hat die Wirtschaft mit massiven Corona-Hilfen gestützt, und Anleger haben ausgelassen investiert. Nur kurz vor den Wahlen knickten die Aktienkurse ein: eine Folge politischer Unwägbarkeiten. Mit den ersten Nachrichten über erfolgreiche Impfstofftests von Pfizer schossen die Aktienkurse dann wieder nach oben. Anleger sind im Überschwang: Das Schlimmste sei überstanden – Firmenwerte legen kräftig zu.

    Ein Aufschwung, der jederzeit wieder einbrechen kann. Zumindest warnt die amerikanische Notenbank davor. Die Pandemie sei noch lange nicht ausgestanden, ein weiterer kompletter Lockdown nicht auszuschließen, Massenverlust von Arbeitsplätzen ein realistisches Risiko. Besonders beunruhigend seien die aufgehäuften Unternehmensschulden.

    Viele Firmen mussten Zusatzkredite aufnehmen, um den wirtschaftlichen Stillstand und die Umsatzeinbrüche zu überstehen. Im Moment ist das Verhältnis der Schulden zum Eigenkapital der US-Unternehmen so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die amerikanische Versicherungswirtschaft zum Beispiel ist seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr so verschuldet gewesen wie heute. Besonders gelitten unter den Covid-bedingten Einschränkungen hat in den USA der Markt für Geschäftsimmobilien. Alle Hoffnungen sind nun auf die Massenimpfung gerichtet.

    „Anderenfalls wird die einsetzende Erholung der Wirtschaft wieder einbrechen, was die Finanzmärkte belasten wird“, heißt es im November-Bericht der Federal Reserve. „Zudem birgt die Kombination aus umfangreichen Darlehen und den dauerhaft niedrigen Erträgen im Nicht-Finanzsektor das Risiko einer Pleitewelle und als Folge davon eines Einbruchs der Aktienpreise.“

    Die anhaltenden Spannungen im Handel zwischen USA und China könnten den wirtschaftlichen Schock zusätzlich verstärken, warnt die amerikanische Zentralbank. Es gehe um „geopolitische Unsicherheiten in Verbindung mit unbegründet hohen Aktienpreisen“. Die Risikobereitschaft der Investoren stehe derweil auf der Kippe.

    Eine Zusatzbelastung könnte sich ergeben, wenn der Leitzins steigt. Sollte die US-Regierung zu einer strengeren Liquiditätspolitik ansetzen, würden Märkte und Firmen, die sich an billiges Geld gewöhnt haben, unvermittelt mit großen Problemen konfrontiert.

    Im März hatte der amerikanische Aktienmarkt so stark an Wert verloren wie seit 1987 nicht mehr: Der Dow Jones, S&P 500 und NASDAQ brachen um zehn Prozent ein. Das könnte sich wiederholen, sagt Fondsgründer und Milliardär Bill Ackman. Trotz aller Hoffnungen auf die Impfstoffe würden die Regierungen weitere Lockdowns beschließen müssen. Die größten Schwierigkeiten stünden in den kommenden Monaten bevor. Masseninsolvenzen drohten.

    Auch der Star-Investor Jim Rogers, ein Weggefährte von George Soros, hat einen Börsencrash prophezeit: Die Anti-Covid-Maßnahmen hätten eine ohnehin schwierige Lage verschlimmert. Die Verschuldung sei auf präzedenzlose Weise angestiegen und erfordere immer stärkere Eingriffe der Zentralbanken.

    Es gebe nur zwei realistische Szenarien: Entweder massenhafte Insolvenzen oder Währungsentwertungen in den verschuldeten Ländern, sagt Rogers. Es könnte der größte Aktiencrash in den USA seit der Großen Depression werden, so der Finanzguru. 

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    Tags:
    US-Wirtschaft, USA, aktienmarkt