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    Rückblick in die Geschichte: Russland erschließt kosmische Weiten

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    Auf einer Pressekonferenz im Jahre 1957 wurde der sowjetischen Delegation eine Frage gestellt: "Die russische Troika ist legendär, aber werden es die Russen schaffen, wenigstens in 100 Jahren ins All zu kommen?"

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    Im Jahre 1957 verlas auf einem internationalen Kongress in Kopenhagen eine US-amerikanische Delegation mit großem Pomp ein Schreiben des US-Präsidenten. In dem Schreiben wurde mitgeteilt, dass die USA 1957 oder 1958 einen künstlichen Erdsatelliten starten werden. Auf der Pressekonferenz dazu wurde auch der sowjetischen Delegation eine Frage gestellt: "Die russische Troika ist ja legendär, aber werden es die Russen schaffen, wenigstens in 100 Jahren ins All zu kommen?"

    Der damalige Leiter der sowjetischen Raumfahrtprogramms, Sergej Koroljow (1907-1966), wusste recht gut, dass die Amerikaner nicht über Trägerraketen verfügen, wie sie unter seiner Leitung in der Sowjetunion entwickelt wurden und weder eine Apfelsine, erst Recht aber keinen richtigen Raumapparat in den Orbit befördern konnten. Aber es war nicht der russische Stil, die bevorstehenden Leistungen an die große Glocke zu hängen.

    Im Oktober 1957 wurde der sowjetische Sputnik dann zu einer Sensation. Das Wort "Sputnik" ist in mehrere Sprachen eingegangen. Der erste amerikanische Erdtrabant wurde 1958 gestartet. 1965 waren die Franzosen dran. Japan und China brachten ihre ersten Raumapparate im Jahr 1970 in den Orbit. 1971 trat Großbritannien dem Satellitenclub bei.

    Dem ersten Erdtrabanten, der äußerst wertvolle Informationen über den Weltraum lieferte, folgten weitere Sensationen der sowjetischen Raumfahrt: Das erste Lebewesen im All - der Hund Laika, die ersten Flüge zum Mond, erste Bilder der Mondrückseite, die bislang niemand gesehen hat. Der erste Mensch im All war ebenfalls ein Russe. Juri Gagarin umflog die Erde am 12. April 1961 an Bord des Raumschiffes Wostok. Fast alle Rekorde, die mit Raumflügen von Menschen zu tun haben, wurden von sowjetischen und später von russischen Raumfahrern aufgestellt. Den längsten ununterbrochenen Aufenthalt im All verbuchte mit 437 Tagen, 17 Stunden und 58 Minuten der russische Arzt Waleri Poljakow. Und der Kosmonaut Sergej Awdejew verbrachte im Orbit insgesamt etwas mehr als 748 Tage und Nächte.

    Russland ist in mehreren Raumfahrtbereichen führend. Das betrifft unter anderem Entwicklung und Bau von Trägermitteln für die Beförderung interplanetarer Sonden ins All, die kosmische Navigation, Geodäsie und Kartographie, die medizinisch-biologische Forschung und Weltraumtechnologien.

    In den 1990er Jahren musste die russische Raumfahrt schwere Zeiten durchstehen. Die staatliche Finanzierung des raketen-kosmischen Komplexes schrumpfte um fast 94 Prozent zurück. Die Zahl der in der Branche Beschäftigten schrumpfte auf ein Drittel, die Produktion in der Raumfahrt verringerte sich auf ein Fünftel und die Zahl der Raketenstarts um ein Mehrfaches. Aber die Sparte erlernte auch das Überleben und Handeln unter den Bedingungen der Marktwirtschaft. Mit russischen Trägerraketen werden Satelliten verschiedener Länder ins All geschossen, darunter auch der USA. Der Preis ausländischer Aufträge wuchs in den 1990er Jahren auf das 25-fache. Russische Trägerraketen sind im Vergleich zu ihren Konkurrenten zuverlässiger und im Einsatz erheblich billiger.

    Der Weltraum bleibt eine nationale Priorität Russlands mit seinem riesigen Territorium, immensen und nicht gut genug erschlossenen Naturreichtümern wie auch mit einer extrem langen Grenze. Ohne Satelliten-gestützte Mittel wäre die Lösung mehrerer Aufgaben kaum denkbar wie Beobachtung der Umwelt, Kontrolle über außerordentliche Situationen, Schaffung eines einheitlichen Informationsraumes, Gewährleistung der Sicherheit des Landes und Förderung der Grundlagenforschung.

    Vieles muss umgebaut werden. So blieb der wichtigste sowjetische Raumbahnhof Baikonur nach dem Zerfall der Sowjetunion auf dem Territorium der zentralasiatischen Republik Kasachstan. Für die Pacht von Baikonur muss Russland jetzt zahlen. Dafür entwickelt sich der weltweit nördlichste Raketenstartplatz Plessezk bei Archangelsk auf vollen Touren.

    Objektiv gesehen, hat Russland die meisten Erfahrungen und eine große Zahl von Entwicklungen im Bereich der bemannten Raumfahrt, die sich heutzutage auf Flüge zur Internationalen Raumstation ISS beschränkt. Russland hat zum Aufbau der ISS den entscheidenden Beitrag geleistet. Alle Versorgungssysteme der Station befinden sich im russischen Segment. Die russischen Progress-Raumfrachter versorgen die Besatzungen mit allem Notwendigen, Sojus-Raumschiffe dienen auch als Rettungskapseln für unvorhergesehene Fälle. Eine Sojus-Rettungskapsel bleibt immer an der ISS angedockt.

    Leider ist es wegen der Einstellung der Flüge mit US-amerikanischen Raumfähren nach dem "Columbia"-Unglück unmöglich, die Langzeitbesatzungen zu erweitern. Selbst die Wiederaufnahme von Shuttle-Flügen - in geringem Umfang - kann das Problem kaum lösen helfen. Zu jeder Langzeitbesatzung gehören gegenwärtig nur zwei Raumfahrer, deren Hauptaufgabe darin besteht, die Station im Arbeitszustand zu halten. Daher bleiben viele Forschungen und Experimente an Bord aus. Zudem ist die ISS für andere Teilnehmer dieses internationalen Projekts unzugänglich.

    Für 2009 ist die Beförderung normaler sechsköpfiger Besatzungen mit zwei russischen Sojus-Raumschiffen zur ISS geplant. Ab dem Jahr 2010 wollen die Amerikaner das Shuttle-Programm schließen. Von Ersatzschiffen für Raumfähren fehlt jedoch noch jede Spur.

    Es sei erwähnt, dass Russland auch im Bereich des Weltraumtourismus bahnbrechend war, wenngleich derartige Unternehmen nicht eindeutig eingeschätzt werden.

    Russland Weltraumrekorde

    1957: Am 4. Oktober wurde der erste künstliche Erdsatellit gestartet.

    1959: Erster künstlicher Sonnensatellit (die Sonde Luna-1 flog in 6000 Kilometer Entfernung am Erdtrabanten vorbei); erste harte Mondlandung (Sonde Luna-2 setzte einen UdSSR-Wimpel auf die Mondoberfläche aus); erste Bilder der Mondrückseite (Sonde Luna-3).

    1960: Erste Lebewesen im All - die Hunde Belka und Strelka kehrten nach einem kurzen Aufenthalt im Weltraum zur Erde zurück.

    1961: Am 12. April unternahm Juri Gagarin (1934-1968) als erster Mensch in der Geschichte einen Weltraumflug.

    1961: Der zweite Kosmonaut der Erde, German Titow, fotografierte erstmals die Erde aus dem Orbit. Im selben Jahr wurde die erste sowjetische automatische Venus-Sonde gestartet.

    1962: Start der automatischen interplanetaren Sonde Mars-1 zum Roten Planeten. Im selben Jahr absolvierten sowjetische Kosmonauten den ersten Gruppenflug an Bord von zwei Raumschiffen.

    1963: Erster Weltraumflug einer Frau - Valentina Tereschkowa.

    1964: Erster Flug eines Mehrsitzers der Woschod-Serie. Die Kosmonauten Wladimir Komarow, Konstantin Feoktistow und Boris Jegorow unternahmen den ersten Flug ohne Raumanzüge.

    1965: Der sowjetische Kosmonaut Alexej Leonow unternahm den ersten Ausstieg in den freien Weltraum.

    1965: Start der schweren sowjetischen Satelliten Proton-1 und Proton-2 mit der Trägerrakete UR-500, die später in Proton umgetauft wurde. Die Raumapparate waren für die Erforschung kosmischer Strahlen bestimmt.

    1966: Erste Landung eines irdischen Raumapparaten auf einem anderen Planeten: Die automatische interplanetare Sonde Venus-3 erreichte die Oberfläche des Morgensterns und setzte einen Wimpel der Sowjetunion aus. Im selben Jahr konnte die automatische Sonde Luna-9 erstmals weich auf dem Mond landen und Panorama-Bilder der Mondoberfläche zur Erde funken. Die Sonde Luna-10 wurde der erste künstliche Mond-Satellit.

    1967: Erste automatische Kopplung unbemannter Raumschiffe.

    1969: Bau einer ersten experimentellen Orbitalstation: Erstmal stiegen Kosmonauten von einem Raumschiff in ein anderes um.

    1970: Die automatischen Sonden Luna-16 und Luna-17 brachten erste Muster vom Mondgestein zur Erde; Forschungen unter Einsatz des automatischen Mondmobils "Lunochod-1".

    1971-2001: Einsätze an Bord langfristiger Orbitalstationen. Die weltweit erste bemannte Orbitalstation - Salut - wurde im April 1971 mit einer Proton-Trägerrakete in den Orbit befördert und später durch den multifunktionalen Orbitalkomplex - die legendäre Mir-Station - ersetzt.

    1978: Erster Flug eines Raumfrachters vom Typ Progress mit Nutzlast an Bord.

    1984: Erster Ausstieg einer Frau - Swetlana Sawizkaja - in den freien Weltraum.

    1986: Erster Flug von Kosmonauten von einer Orbitalstation zu einer anderen (von Mir zu Salut-7 und zurück).

    1987: Erfolgreicher Teststart der Trägerrakete Energija, die ihrer Leistung nach alle bisherigen Raketen in der Welt übertraf. Möglich sind Starts dieser Raketen unter Einsatz von Beschleunigungsblöcken, die vereinheitlichte Plattformen mit einem Gewicht von über 15 Tonnen in eine geostationäre Umlaufbahn befördern können. Diese schwere Rakete kann dem Bau von Orbitalkomplexen neuer Generation zugrunde gelegt werden und eignet sich für die Umsetzung künftiger Raumfahrtprojekte wie der Erschließung des Mondes oder für einen Flug zum Mars.

    1988: Start eines sowjetischen wiederverwendbaren Raumschiffes vom Typ Buran mit einer Energija-Trägerrakete. Die Buran flog in automatischem Regime und absolvierte zum ersten Mal eine automatische Landung auf der Erde. Das raketen-kosmische System Buran-Energija war der vorhandenen ausländischen Raumfahrttechnik mehreren Charakteristika nach um mehrere Jahre voraus.

    1995: Abschluss des längsten Dauerfluges des sowjetischen Bordarztes Waleri Poljakow - 438 Tage.

    1996: Zehn Jahre ununterbrochener bemannter Betrieb der Mir-Station. Erst 2001 wurde die Station im Ozean versenkt.

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