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    Raketenbauer Energija feiert sein 60-jähriges Bestehen

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    MOSKAU, 25. August (RIA Novosti). Der russische Raketenbauer Energija begeht am heutigen Freitag sein 60. Jubiläum. Zu den nächsten Plänen der Korporation gehören eine industrielle Erschließung des Mondes und die darauf folgende Förderung von Helium-3 sowie der Bau des Schleppers Parom und ein Marsflug.

    Wie Energija-Chef Nikolai Sewastjanow in einem Interview für RIA Novosti mitteilte, soll ein bemanntes Raumschiff vom Typ Sojus schon 2012 den Mond umfliegen.

    In der ersten Etappe werde eine dreiköpfige Crew den Mond umfliegen. "Zuerst wird eine modernisierte Sojus an die ISS andocken. Danach wird der Booster DM aus Energija-Produktion mit dem Raumtransporter Proton auf eine erdnahe Umlaufbahn gebracht. Der Booster soll der Sojus den notwendigen Impuls verleihen, damit das Schiff die zweite kosmische Geschwindigkeit entwickeln und eine Mondumlaufbahn erreichen kann", erzählte Sewastjanow. Nach dem Mond-Umflug soll die Crew in einer modernisierten Kapsel auf die Erde zurückkehren.

    Nach der Modernisierung kann das russische Raumschiff Sojus bis zu einem Jahr in einer Erdumlaufbahn bleiben oder zum Mond fliegen und auf dem Rückweg mit Besatzung an Bord mit der zweiten kosmischen Geschwindigkeit (11,2 km/s) wieder in die Erdatmosphäre eintreten, erzählte Sewastjanow.

    "Die modernisierte Sojus wird ein Universalraumschiff sein. Im Unterschied zu den jetzigen Sojus-TMA, die heute im Bestand der ISS-Raumstation nur ein halbes Jahr im All bleiben können, wird die modernisierte Sojus-Variante bis zu 360 Tage im Orbit verbringen können", sagte Sewastjanow. Außerdem wird dieses Raumschiff in der Lage sein, nicht nur zur ISS zu fliegen, sondern auch zum Mond und zurück.

    Der Hauptunterschied der neuen Sojus von ihrem Vorgänger ist die verstärkte Wärmeisolation, die der Kapsel den Eintritt in die Erdatmosphäre mit der zweiten kosmischen Geschwindigkeit ermöglichen soll, so Sewastjanow weiter.

    "In der Sojus-TMA sind bis heute Geräte im Einsatz, die aus den 1970er Jahren stammen. Dank der Digitaltechnologien können wir all diese großen und schweren Geräte in einem kompakten Block zusammen fassen", erläuterte Sewastjanow. Das schaffe Raum, der für die Kosmonauten und weitere Nutzlast zur Verfügung steht.

    Parallel entwickle Energija auf der Grundlage des modernisierten Raumschiffs Sojus einen mehrfach verwendbaren zwischenorbitalen Schlepper unter der Bezeichnung Parom (russisch: "Fähre"), der den jetzigen Einwegtransporter Progress ersetzen soll.

    Der Schlepper Parom wird in der Lage sein, bis zu zwölf Tonnen Güter zur Internationalen Raumstation ISS zu befördern, teilte Sewastjanow mit. Die Tragfähigkeit des Transporters Progress betrage lediglich etwas mehr als zwei Tonnen.

    Der Einsatz des wieder verwendbaren Parom-Schleppers, der mindestens 15 Jahre einsetzbar sein soll, biete die Möglichkeit, die Kosten des Gütertransports zur ISS um bis 75 Prozent zu senken, so Sewastjanow weiter. Ausgestattet mit Triebwerken und Solarbatterien könnte er neben Gütercontainern auch größere nicht-hermetische Plattformen mit Forschungsapparatur auf eine erdnahe Umlaufbahn bringen.

    Die Raketenkorporation RKK Energija war 1946 unter dem Namen OKB-1 gegründet worden. An seiner Wiege stand Raketenkonstrukteur Sergej Koroljow. Energija entwickelte den ersten künstlichen Erdsatelliten der Welt, viele Mond-, Venus und Mars-Sonden sowie bemannte Raumschiffe und Raumstationen. Die Korporation hat ihren Sitz in der Moskauer Vorstadt Koroljow (bis 1996 Kaliningrad). Ihre größten Eigner sind die russische Regierung (38,22 Prozent), die Investmentgesellschaft Raswitije (17,25 Prozent), die Firmengruppe Kaskol (10 Prozent) sowie das Werk für Experimentalmaschinenbau (3 Prozent).

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