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    Akademiemitglied Welichow: Kernfusionsreaktor völlig sicher für Menschen und Umwelt

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    MOSKAU, 27. November (RIA Novosti). Der Internationale thermonukleare Experimentalreaktor (ITER) birgt keinerlei Gefahr für die Umwelt und die Menschheit.

    Das sagte der Sekretär der russischen Gesellschaftskammer und Präsident des russischen Wissenschaftszentrums "Kurtschatow-Institut", Akademiemitglied Jewgeni Welichow, am Montag auf einer Pressekonferenz bei RIA Novosti.

    "In einem Kernfusionsreaktor kann eine Situation wie zum Beispiel im Kernkraftwerk Tschernobyl nicht zustande kommen. Außerdem entstehen bei der Arbeit eines Kernfusionsreaktors keine radioaktiven Abfälle wie Spaltungsprodukte. Somit ist die Strahlungsgefahr, die von dem Internationalen Kernfusionsreaktor ausgeht, um einiges geringer", sagte Welichow.

    "Der Kernfusionsreaktor wird so geplant, dass die Bevölkerung nicht evakuiert werden muss", sagte er.

    Er wies auch darauf hin, dass der Reaktor keine Elemente enthalte, die zur Konstruktion einer Atombombe dienen könnten. "Somit hat er keinen Einfluss auf das Regime der Nichtverbreitung von Kernwaffen", sagte er.

    Russland, die USA, die EU, Japan, China, Südkorea und Indien haben am 21. November in Paris die Dokumente über die Errichtung des ersten Internationalen thermonuklearen Experimentalreaktors unterzeichnet.

    Nach dem mehrseitigen Abkommen soll mit dem Bau des Kernfusionsreaktors im Januar 2007 in Cadarache (Departement Bouches-du-Rhône, Südfrankreich) begonnen werden. Die Bauarbeiten sollen zehn Jahre dauern. Danach soll der Reaktor 20 Jahre lang genutzt werden.

    Die Gesamtkosten des Projekts werden auf circa 10 Milliarden Dollar geschätzt, von denen 40 Prozent von der EU und 60 Prozent in gleichen Anteilen von den anderen Teilnehmern des Projekts kommen sollen.

    Anders als in den Reaktoren moderner Kernkraftwerke, die die Kernspaltung benutzen, liegt dem internationalen Experimentalreaktor die thermonukleare Synthese zugrunde. Die Wissenschaftler wollen erst im Labor, dann unter industriellen Bedingungen die Prozesse nachvollziehen, die auf der Sonne ablaufen: Bei der Fusion der Kerne der Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium bildet sich das chemisch träge Helium. Dabei wird viel Energie freigesetzt. Bei der Benutzung von einem Gramm Deuterium-Tritium-Brennmaterial wird theoretisch genauso viel Energie frei wie bei der Verbrennung von acht Tonnen Öl.

    Was den Brennstoff angeht, so können dessen Vorräte ohne besondere Mühe aufgefüllt werden: Deuterium wird leicht aus gewöhnlichem Wasser gewonnen, das etwa 40 Milligramm davon pro Liter enthält. Und Tritium, das in der Natur nicht frei existiert, kann bei der Bestrahlung von Lithium gewonnen werden.

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