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    Der neue russische Reaktor - ohne Konkurrenz/ Das Tiefenwasser des Baikalsees - Eichmuster des natürlichen Süßwassers/ Familiennamen berichten über die Ur-Russen/ Strom für das Rückgrat.

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    MOSKAU, 29. August (RIA Novosti).

    Der neue russische Reaktor - ohne Konkurrenz

    Das Versuchskonstruktionsbüro für Maschinenbau "Afrikantow" in Nischni Nowgorod hat einen staatlichen Auftrag über einen Schnellreaktor für das Kernkraftwerk von Belojarsk (Föderaler Bezirk Ural) bekommen. Das ist das einzige Kraftwerk in der Welt, in dem seit 1980 der weltweit größte Schnellreaktor BN-600 im Einsatz ist. Die Leistung des neuen BN-800 wird um ein Drittel höher sein.

    Großreaktoren dieses Typs werden weder in Europa noch in den USA gebaut, Indien allein hat mit dem Bau eines schnellen Energiereaktors begonnen, aber mit seinen 500 Megawatt wird er eine geringere Leistung haben. Eine kleinere Versuchsanlage entsteht gegenwärtig mit Hilfe der Konstrukteure aus Nischni Nowgorod und einiger anderer russischer Betriebe in China.

    Gemäß dem Föderalen Zielprogramm für die Entwicklung der Atomenergie ist die Inbetriebnahme des neuen Energieblocks für 2012 geplant. Die veranschlagten Kosten betragen 1,2 Milliarden Dollar.

    Das Versuchskonstruktionsbüro "Afrikantow" gibt es seit 1947 und führt alle Arbeiten an der Entwicklung unterschiedlicher Kernreaktoren und Dampfturbinen für die Atomenergie, die Zivil- und die Seekriegsflotte aus.

    Die Schnellbrüter eignen sich am besten für die Verwendung von Uran und Plutonium, darunter für die Verbrennung von überschüssigem Waffenplutonium. Der BN-600 kann bis zu 0,3 Tonnen Plutonium im Jahr verbrauchen. Der BN-800 ist für die Verwendung von 2,3 Tonnen Plutonium für die Erstbeschickung und von 1,6 Tonnen für die alljährliche Zuspeisung berechnet.

    Das Tiefenwasser des Baikalsees - Eichmuster des natürlichen Süßwassers

    Wie das Akademiemitglied Michail Gratschow, Direktor des Limnologischen Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagt, gilt als Standard für das Baikal-Wasser der "Kern" des Sees: in einer Tiefe zwischen 300 Metern Entfernung von der Oberfläche und bis zu 100 Metern über dem Grund. Gerade dort verändern sich die Konzentrationen von chemischen Elementen unabhängig von der Tiefe und den Jahreszeiten wenig. Der Wissenschaftler präzisierte: Das Eindringen von Oberflächenwasser in diesen Kern nimmt ein Jahrzehnt in Anspruch.

    Vor sechs Jahren entnahmen Limnologen Proben von dem Tiefenwasser in 2 000 Flaschen. Sie werden in den Labors des Instituts bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Die mikrobiologische Analyse hat gezeigt, dass dieses Wasser absolut keine lebendigen Mikroorganismen aufweist. Außerdem wurde die chemische Zusammensetzung des Baikal-"Kerns" bestimmt, und zwar nach einer maximal möglichen Zahl von Komponenten, einschließlich der Konzentration von Ionen und Mikroelementen.

    Familiennamen berichten über die Ur-Russen

    Die Erforschung der Genfonds aufgrund von DNS-Mustern gibt die Möglichkeit, von der Entstehung der Völker und ihren Herkunftszentren zu erfahren, erfordern jedoch Zeit und kostspielige Anlagen. Doch gibt es Spuren, die eine umfassendere Forschung bei weit geringerem Aufwand ermöglichen. Die Rede ist von Familiennamen. Solche Forschungen werden im Labor für Populationsgenetik des Menschen am Medizin-Genetik-Forschungszentrum der Russischen Akademie der medizinischen Wissenschaften durchgeführt.

    Zur Erforschung des russischen Genfonds werden die Familiennamen der Stammbevölkerung des "urrussischen" Areals untersucht. Es handelt sich also um das Territorium, auf dem sich die Herausbildung des russischen Volkes ereignete: Zentralrussland und den russischen Norden. Dieses Areal wurde in fünf Regionen geteilt: eine nördliche, eine östliche, eine zentrale, eine westliche und eine südliche. Unter fast einer Million der ländlichen Bewohner wurden 67 000 unterschiedliche Familiennamen festgestellt. Kein einziges Gen besitzt eine solche Zahl der Allele.

    Wie sich erwiesen hat, sind vom Westen nach Osten viel geringere genetische Unterschiede zu beobachten als vom Norden nach Süden. Interessant ist, dass bei den anderen osteuropäischen Völkern die Veränderlichkeit an der West-Ost-Achse größer ist.

    Ungefähr einer von je 100 Einwohnern des russischen Hauptareals heißt Kusnezow, jeder fünfundsiebzigste Iwanow und beinahe jeder fünfzigste Smirnow. Es gibt Familiennamen, die in allen regionalen Listen vorkommen. Unter Einschluss der zusätzlich untersuchten sibirischen Region beträgt die Zahl solcher Familiennamen an die 250.

    Die Träger des Familiennamens Iwanow werden sonst als der Kern des Ur-Russen betrachtet ("russischer Iwan"). Im Kirchenkalender kommt der Vorname Ioann (gleich Iwan) 79mal vor, seine Häufigkeit unter den anderen Männernamen des Kalenders macht etwa 15 Prozent aus. Dennoch fehlen in einigen Territorien Iwanows praktisch gänzlich. Ihre Gebiete liegen im Westen und Nordwesten. Sehr selten sind die Iwanows im Norden und Süden. Im Süden gibt es auch keine Smirnows.

    Ein Unterscheidungsmerkmal der südlichen Region ist eine kolossale Zahl von Familiennamen, die von Berufsbezeichnungen abgeleitet sind (34 Prozent). Der Kreis der entsprechenden Berufe ist außerordentlich weit: Weber, Schmiede, Töpfer, Schneider, Bäcker und andere. Ein Merkmal des Nordens ist ein häufiges Vorkommen von dialektgefärbten Familiennamen (34 Prozent). Die Hälfte der Familiennamen in der zentralen Region stammen von Tiernamen. Charakteristisch für den Osten ist eine ungemein hohe Häufigkeit von Smirnows (5,9 Prozent), und in der östlichen Region ist mehr als ein Drittel der Familiennamen mit äußeren oder sozialen Merkmalen eines Menschen verbunden (36 Prozent). Die westliche Region ist arm an einmaligen, dafür reich an Familiennamen, die sich von Kalendernamen ableiten (60 Prozent).

    Die sibirische Population liegt am weitesten - um 3 000 Kilometer - von Moskau entfernt, aber vom ursprünglichen Areal ist sie nicht so sehr geographisch wie vielmehr historisch getrennt. Das ist eine Übersiedler-, eine Zwischenzone. Dank diesem Umstand gleicht das "Familienportrait" der sibirischen Region merklich dem des zentralrussischen Streifens. Wie sich erweist, ist der sibirische Genfonds in höherem Grade "allgemein-russisch" als viele ursprüngliche Territorien.

    Die "Aussagen" der Familiennamen stimmen in erstaunlichem Maße mit denen der Gene überein. Die Familiennamen präzisieren und erklären die Struktur des russischen Genfonds. So haben die Wissenschaftler aufgrund der angestammten Familiennamen eine Prognose des zufälligen Inbreedings für die Stammbevölkerung in 49 Regionen aufgestellt. Dieses Niveau und die damit verbundene Last von Erbkrankheiten nehmen von Südwest nach Ost unentwegt zu.

    Strom für das Rückgrat

    Sibirische Physiker und Neurochirurgen entwickeln einen Komplex von Programmapparaten für die Stromstimulation des Rückenmarks. Der Apparat, den die Wissenschaftler "Neuro-Puls 01" genannt haben, erlaubt es, das Rückenmark durch die Haut zu stimulieren. Die Methode senkt die so genannten "elektrophysiologischen Störungen" der Durchlässigkeit von elektrischen Signalen an einzelnen Abschnitten des Rückenmarks, die zu physiologischen Störungen führen: zum fehlenden Muskeltonus, einer partiellen Lähmung, zur Störung der Tätigkeit der inneren Organe und der Motorik.

    Ein zehntägiger Behandlungskurs eines Patienten mit einer Rückgratschädigung zeigt, dass das Heilverfahren es ermöglicht, die Schmerzen zu lindern, die Muskelspannung zu normalisieren und das Spektrum der Bewegungen des Rückenkranken zu erweitern. Bei der zerebralen Kinderlähmung, der multiplen Sklerose und den Rückenmarkschädigungen kommt es zu einer effektiver Wiederherstellung einzelner Funktionen des Organismus.

    Die Behandlung zeigt praktisch keine Nebenerscheinungen, die Einwirkung der Ströme ist lokal (nur auf den Krankheitsherd). Hierbei erhöht sich die Effizienz anderer Heilverfahren.

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