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    Rund 3000 Funde auf Kurilen/ Neuer Asphalt doppelt so fest wie sein Vorgänger/ Mammograph für täglichen Gebrauch/ Auf der Jagd nach Eisbergen

    MOSKAU, 14. September (RIA Novosti)

    Rund 3000 Funde auf Kurilen

    * Neue archäologische Denkmäler sind auf den Mittelkurilen entdeckt worden. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Expedition, an der 35 russische und ausländische Wissenschaftler - Vulkanologen, Geologen, Geophysiker, Seismologen und Archäologen - beteiligt waren.

    Wie der Leiter des Archäologielabors des Heimatkundemuseums des Gebietes Sachalin, Valeri Schubin, mitteilte, sind bei den Ausgrabungen auf Urup, Simuschir und Schiaschkotan etwa 3000 Artefakte gefunden worden. "Urup erwies sich als besonders ergiebig. Dort wurde eine technisch gute, mit schönen Schnitzornamenten verzierte Sammlung von Harpunen aus Bein und Holz entdeckt", sagte Schubin.

    Ihm zufolge handelt es sich um äußerst interessante Funde: Kunstgegenstände, darunter einen geschnitzten Löffel mit anthropomorpher Abbildung, ein Applikationsbild von einem robbenartigen Seetier und einige andere mit Ornament verzierte Erzeugnisse aus Bein wie auch Arbeitswerkzeuge, Hausgerät und sonstiges.

    "Diese Gegenstände waren vermutlich von Menschen der Ochotsker Kultur hergestellt worden. Die Funde werden auf 1500 bis 2000 Jahre zurückdatiert. Um die ethnische Herkunft der Urbewohner der Kurilen, die diese Gegenstände herstellten, wird noch gestritten. Möglicherweise waren das Einwanderer aus dem nördlichen Pazifikgebiet, die so genannten Eskaleuten. Gerade sie, Angehörige der eskimo-aleutischen Ethnie, waren es, die damals Sachalin und die Kurilen erschlossen", fügte Schubin hinzu.

    Neuer Asphalt doppelt so langlebig wie sein Vorgänger

    * Asphaltbeton wird nicht so sehr durch Frosttemperaturen selbst, sondern viel mehr durch sehr häufige Temperaturgefälle um Null Grad Celsius zerstört, wenn Wasser auf der Straße bald gefriert, bald taut und wieder gefriert und dabei zahlreiche Risse bildet. Eine Gruppe russischer Wissenschaftler hat über den von ihnen entwickelten Straßenbelag berichtet, der rissfest ist und zehn bis 15 Jahre ohne Generalreparatur durchhalten kann - das ist das Doppelte der bisherigen nominalen Nutzungsdauer. In Moskau wurde mit einer offiziellen Erprobung dieses Materials begonnen: 7000 Quadratmeter sind bereits mit dem neuen Asphalt bedeckt. Der Straßenbelag wird bis zum Frühjahr ständig beobachtet.

    Das neue Material ist nicht teurer, als konventioneller Asphalt, und erfordert keine kompliziertere Technologie: Die Straßenbaubrigade bedient sich wie bislang einer Bodenfräse und einer Asphaltiermaschine. Auf dem griffigem Belag haften die Räder besser und der Fahrer kann sein Auto leichter steuern.

    Eine prinzipielle Neuheit ist die Verbindung von zwei völlig unterschiedlichen Asphaltbetonsorten: Gussasphalt und Splittmastixgemisch. Auf die zu erneuernde Straßenfläche wird konventioneller Asphalt aufgetragen, in den Splittgemisch in dünner (1 bis 1,5 Zentimeter) Schicht eingewalzt wird. Die dadurch gewonnene Substanz vereint die Plastizität des Gussasphalts und die Strapazierbarkeit des Splitts in sich. Der alte Asphalt weist zu 3 bis 5 Prozent Luftporen auf, während die neue Sorte überhaupt porenfrei ist.

    Mammograph für täglichen Gebrauch

    *Russische Wissenschaftler haben ein völlig gefahrloses Gerät für die Untersuchung der Milchdrüse geschaffen. Das Gerät, das am Institut für Radiotechnik und Elektronik der Russischen Akademie der Wissenschaften (Moskau) entwickelt wurde, kennt nicht seinesgleichen in der Welt.

    Röntgenuntersuchungen, auch mit Hilfe von Computertomographen mit sehr geringer Strahlungsdosis, gelten nicht als absolut schadlos. Daher dürfen solche Untersuchungen nicht sehr oft vorgenommen werden. "Unser Gerät arbeitet nach einem anderen Prinzip", berichtet einer der Urheber, Dr. phys. et. math. Wladimir Tscherepenin. Ihm zufolge werden in dem Gerät überhaupt keine Röntgenstrahlen verwendet. "Es werden 256 Elektroden genutzt, die in Kontakt mit der Milchdrüse kommen und schwachen Strom leiten, wie ihn etwa das Herz bei seinen Kontraktionen erzeugt. Das Gerät gestattet es, ein räumliches Bild von der elektrischen Leitfähigkeit des Gewebes bis in zehn Zentimeter Tiefe zu gewinnen. Auf diese Weise können die allerersten Zeichen einer Anomalie festgestellt werden, bevor sich ein Tumor entwickelt hat. Eine solche Untersuchung ist einfach und völlig ungefährlich." Das Gerät kann auch für die Untersuchung von Gewebe anderer Organe verwendet werden, die sich in unmittelbarer Nähe zur Körperoberfläche befinden.

    In Jaroslawl (240 Kilometer nordöstlich von Moskau, Wolgagebiet) ist jetzt die Serienproduktion von Mammographen aufgenommen worden.

    Auf der Jagd nach Eisbergen

    * Das Forschungs- und Expeditionsschiff "Michail Somow" ist jetzt zur Arktis unterwegs. Bis Ende November wird das Schiff die Archipele Nowaja Semlja, Franz-Josef-Land und Sewernaja Semlja besuchen. An Bord befinden sich sieben Expeditionsgruppen, die ein umfangreiches Forschungsprogramm durchführen sollen.

    Die Wissenschaftler vom Institut für Arktis und Antarktis (Sankt Petersburg) werden erstmals zur Herbstzeit das Verhalten der Eisberge in der Barents- und der Karasee beobachten können: Normalerweise gehen Expeditionsgruppen erst im April auf die Jagd nach schwimmendem Eis. Wie der wissenschaftliche Mitarbeiter des Institutes für Arktis und Antarktis Nikolai Kubyschkin erläuterte, gibt es nur solche Informationen über Eisberge der Karasee, die bei Lufterkundung gewonnen worden können. Aber nach diesem Verfahren kann nur der augenblickliche Lageort eines Eisbergs registriert werden.

    Schon während dieser Expedition werden erstmals im Herbst Gletscher der Arktisarchipele erforscht. Die Eisbildung darin verläuft im September besonders intensiv. Die Forscher interessieren sich vor allem für die Prozesse, die am Gletscherrand vor sich gehen - gerade dort bilden sich die Eisberge.

    Spezialisten vom Moskauer Institut für Geografie der Russischen Akademie der Wissenschaften werden eine beispiellose Arbeit zur Gletschersondierung ausführen. Nach dieser Methode kann die Stärke eines Gletschers gemessen und die Prognose erstellt werden, ob der betreffende Gletscher zur Bildung eines Eisberges bereit ist. Diese Technologie ermöglicht es, vorauszusagen, wann sich ein Eisberg abspalten und wie groß er sein wird. Vorgesehen sind auch Messungen der Gletscherlänge. Bekanntlich ist der Pawlow-Gletscher auf Nowaja Semlja in einem Jahr um 300 Meter und der Schokalski-Gletscher um 400 Meter "abgerückt". Die Wissenschaftler können noch nicht mit Sicherheit feststellen, ob dies eine Folge des globalen Klimawandels oder ein lokaler Prozess ist.