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    Forscher: Jeanne d’Arc - nur psychologische Waffe im Feldzug gegen England

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    MOSKAU, 28. September (RIA Novosti). Französische Forscher haben die These formuliert, dass das Bild der Jeanne d’Arc nur als psychologische Waffe der Franzosen in der Schlacht gegen England gedient hat, meldet France Press.

    Jeanne war, so heißt es, weder Hirtin noch Märtyrerin. Der Legende nach war die Hirtin Jeanne durch Gott dazu berufen, das Königreich Frankreich zu retten. Unter ihrer Führung fochten die Truppen im Hundertjährigen Krieg und befreiten Orleans. Das Werk von Marcel Gay und Roger Senzig führen die Fiktion indes ad absurdum.

    In ihrem Buch „L'affaire Jeanne d'Arc“ behaupten die Forscher, selbst der Vorname sei frei erfunden und entspreche nicht der historischen Wahrheit. Marcel Gay hat 19 überlieferte und der Fachwelt bekannte Briefe der Jeanne analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Jungfrau sich selbst nicht d’Arc genannt hat.

    Außerdem entstammt sie aller Wahrscheinlichkeit nach einer erhabenen Familie. Während des Prozesses, der gegen sie in Rouen geführt worden ist, hat die „Hirtin“ erklärt, sie habe „niemals Schafe oder andere Tiere gehütet“. Jeanne war nicht nur eine hervorragende Reiterin, sondern sprach ein gepflegtes Französisch, was die Untersuchungsunterlagen belegen.

    Die Umstände des Todes der Jeanne d’Arc bleiben dennoch rätselhaft. Allgemein gilt die Sage, sie sei 1431 in Rouen von den Engländern als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, doch in Hunderten Dokumenten kann nachgelesen werden, dass sie noch nach 1436 in Orleans und Metz in Frankreich, im heute belgischen Arlon und in Köln war.

    „Im 15. Jahrhundert, wie auch heute nicht anders, haben die Machthaber die öffentliche Meinung manipuliert. Jeanne d’Arc - das ist Geheimdiplomatie. Eine schöne Legende, doch die Wahrheit ist noch faszinierender“, behauptet Gay.

    Die Autoren glauben, dass Jeanne in Wirklichkeit Jeanne d’Orleans hieß und eine psychologische Waffe in der Hand der französischen Krone im Kampf gegen die Engländer war.

    Gemäß der „Operation Jungfrau“, erdacht von Yolanda von Anjou, der Schwiegermutter des späteren französischen Königs Karl VII., hat Jeanne, bevor sie auszog, Frankreich zu retten, göttliche Stimmen gehört, die sie zur Abgesandten des Herrn machten und die Engländer in Angst und Schrecken versetzen sollten. Diese Kriegslist hat den Forschern zufolge tatsächlich Wirkung erzeugt.

    Auch die Jungfräulichkeit der Jeanne war nicht mehr als eine Legende. 1436 heiratete die „Jungfrau“ Robert des Armoises und wurde zu Madame des Armoises.

    Die Legende der Jungfrau erlebte nach der Niederlage Frankreichs gegen Preußen von 1870 - 1871 eine Renaissance, und zwar als historisches und ideologisches Symbol der Dritten Republik. 1920 wurde Jeanne d'Arc von der katholischen Kirche heilig gesprochen.

    Wie die Forscher glauben, ist nicht nur die Biografie der Jeanne d'Arc eine Legende. 1867 wurden der Öffentlichkeit Frankreichs erstmals die Überreste der Jungfrau präsentiert - eine Mischung aus angebrannten Knochen und Holz- und Stoffresten. Seitdem werden sie in der zentralfranzösischen Stadt Chinon aufbewahrt. Im April wurden sie schließlich von Wissenschaftlern analysiert, die feststellten, dass die Knochen lediglich Fragmente einer ägyptischen Mumie sind.

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