04:56 19 Februar 2018
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    Litauen will radioaktive Abfälle an der Grenze zu Weißrussland endlagern

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    Die litauischen Atomexperten wollen radioaktive Abfälle vom Atomkraftwerk Ignalina am Ort Stabatiskes, vier Kilometer von der Grenze zu Weißrussland, endlagern.

    VILNIUS, 02. Januar (RIA Novosti). Die litauischen Atomexperten wollen radioaktive Abfälle vom Atomkraftwerk Ignalina am Ort Stabatiskes, vier Kilometer von der Grenze zu Weißrussland, endlagern.

    Bei der Auswahl des Ortes sei Litauen auf heftige Proteste von Nachbarländern gestoßen, berichtete das litauische Fernsehen am Mittwoch. "In anderen Ländern dauern Diskussionen über den Standort für solche Objekte Jahrzehnte. Uns gelang es aber, die Untersuchungsarbeiten im Laufe von etwa vier Jahren abzuschließen", sagte der Direktor der litauischen Agentur für die Entlagerung von radioaktivem Abfall, Dainius Janenas. Da Weißrussland gegen zwei mögliche Standorte in unmittelbarer Nähe zu seiner Grenze protestiert habe (700 Meter bzw. drei Kilometer), sei beschlossen worden, das Endlager bei Stabatiskes, vier Kilometer von der weißrussischen Grenze, zu bauen.

    "In der Welt gibt es keine idealen Orte für solche Objekte, genau so wenig wie für die Lagerung von Haushaltsmüll. Das Depot muss die Sicherheit im Laufe von mindestens 300 Jahren gewährleisten", sagte Vitalius Auglis, Mitarbeiter der Agentur. "Unsere Experten hatten berechnet, dass Stabatiskes diesem Kriterium entspricht. Das wurde auch von Fachleuten der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) bestätigt."

    Das Depot mit einem Fassungsvermögen von 100 000 Kubikmeter soll mit Blei, Beton und anderem Material abgedichtet werden und eine Fläche von 40 Hektar einnehmen. Die Strahlung soll in 300 Jahren auf Naturwerte zurückgehen. Der litauischen Entwicklung liegt ein schwedisches Modell zugrunde.

    "Äußerlich wird das Depot als ein grüner Hügel aussehen. Dabei wird darauf geachtet, dass auf dem Hügel keine Bäume wachsen", sagte der Experte Stasis Motejunas. Unter dem Gras werden sich dicke Schicht aus Erde und aus Lehm befinden, die auf einem Betonmantel liegen. Für die Erhaltung der Sicherheit sind keine speziellen technologischen Ausrüstungen erforderlich, die auf die Stromversorgung angewiesen sind. Ein Vorteil des gewählten Ortes besteht auch darin, dass Stabatiskes mit dem Atomkraftwerk Ignalina durch eine Eisenbahn und eine Verkehrsstraße verbunden ist, hieß es.

    Mit Projektarbeiten soll den Angaben zufolge noch in diesem Jahr und mit dem Bau in etwa fünf Jahren begonnen werden. Zum Jahr 2016 soll das Endlager einsatzbereit sein. Das geschätzte Investitionsvolumen beträgt bis zu 168 Millionen Euro. Die Kosten sollen durch das Atomkraftwerk Ignalina gedeckt werden.