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    Wissenschaftler schreiben an Medwedew: Kollaps der Grundlagenforschung abwenden

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    Auf den "katastrophalen Zustand der Grundlagenforschung" in Russland verweist eine Gruppe von im Ausland arbeitenden russischen Wissenschaftlern in einem Brief an Präsident Dmitri Medwedew.

    MOSKAU, 02. Oktober (RIA Novosti). Auf den "katastrophalen Zustand der Grundlagenforschung" in Russland verweist eine Gruppe von im Ausland arbeitenden russischen Wissenschaftlern in einem Brief an Präsident Dmitri Medwedew.

    "Wir halten es für unsere Pflicht, Ihre Aufmerksamkeit auf den katastrophalen Zustand der Grundlagenforschung in Russland zu lenken", heißt es im offenen Brief, der am Freitag von der Tageszeitung "Wedomosti" veröffentlicht wird. "Der Verfall dauert an. Der Finanzierungsumfang bildet einen starken Kontrast zu den entsprechenden Kennziffern in den Industrieländern. Ein Riesenproblem für Russland bleibt weiterhin der Massenexodus von Wissenschaftlern ins Ausland."

    Die Verfasser des Briefes verweisen auf einen wesentlichen Rückstand der russischen Forschung zum Weltniveau, auf das Ausbleiben einer strategischen Planung mit klaren Zielsetzungen, auf eine unadäquate Finanzierung der aktiv wirkenden Wissenschaftler, auf das gesunkene Ansehen der Forschungsberufe und auf gesunkene Standards der Ausbildung der Naturwissenschaften.

    "Unseres Erachtens muss der Prozess einer strategischen Planung in der Wissenschaft, der vom Präsidenten bzw. vom Regierungschef koordiniert wird, das Ziel verfolgen, einen umfassenden Plan der Stabilisierung und der Entwicklung der Grundlagenforschung und der naturwissenschaftlichen Ausbildung in Russland innerhalb kurzer Zeit zu konzipieren", wird im Brief betont. "Für die Konzipierung des Plans müssten namhafte Wissenschaftler, Vertreter von Ministerien und der Industrie sowie ausländische Experten gewonnen werden."

    Die Autoren des Briefes schlagen unter anderem vor, die Finanzierung der Forschung zu erhöhen und die Transparenz der Finanzströme dabei zu gewährleisten, die Einbeziehung der russischen Forschung in die globale Wissenschaft radikal zu verbessern, internationale Standards für die Einschätzung der Qualität der wissenschaftlichen Arbeit einzuführen und das System der unabhängigen Forschungsstipendien zu festigen.

    Außerdem schlagen die Experten vor, die Hauptbereiche des wissenschaftlich-technischen Fortschritts sowie konkrete Projekte festzulegen, die die Entwicklung anspornen und zu greifbaren Resultaten führen, wie es seinerzeit die Weltraum- und die Atomforschungsprogramme in der UdSSR waren. Sie plädieren auch dafür, dass Russlands Territorium für große Forschungsprojekte von globalem Maßstab zur Verfügung gestellt wird.

    "Unseres Erachtens muss die Verhinderung eines drohenden Zusammenbruchs der Wissenschaft im Lande sowie eine unverzügliche Entwicklung und Anwendung des neuen Modells der wissenschaftlich-technischen Entwicklung zu den Hauptprioritäten der Staatsführung Russlands gehören", wird im Brief betont, der von mehr als 40 russischen Wissenschaftlern unterzeichnet wurde, welche an führenden Universitäten und Forschungszentren der Welt tätig sind.

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