06:14 25 September 2017
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    Russisches Forschungsschiff wagt sich wieder ins Arktis-Eis – „Iswestija“

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    Arktis. Territorium des Dialogs (88)
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    Das russische Forschungsschiff „Michail Somow“ will erstmals den Nördlichen Seeweg komplett durchqueren, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Dienstag.

    Das russische Forschungsschiff „Michail Somow“ will erstmals den Nördlichen Seeweg komplett durchqueren, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Dienstag.

    Es soll dabei Polarstationen an der Küste mit Waren beliefern und Forschungen durchführen.

    Das Forschungsschiff Michail Somow lief 1975 vom Stapel und nahm bereits an mehreren Arktis- und Antarktis-Expeditionen teil. Das Schiff ist zwar kein Eisbrecher im eigentlichen Sinne, kann aber eine bis zu 70 Zentimeter dicke Eisdecke durchbrechen. Dickeres Eis und die Bildung von Eishügeln vereitelten das Fortkommen dieses Veteranen der Polarflotte. 1977, 1985 und 1991 fuhr die „Michail Somow“ monatelang in der Antarktis. Jetzt gehört das Schiff dem russischen Wetter- und Umweltbeobachtungsdienst und versorgt die Grenzposten, Küstensiedlungen und Wetterstationen in der Arktis.

    Bei der kürzlich begonnenen Expedition muss die „Michail Somow“ in 80 Tagen mehr als 15 000 Kilometer zurücklegen, von Archangelsk bis Pewek auf der Tschukotka-Halbinsel und zurück. Es gibt bereits ein Abkommen mit Atomflot, der staatlichen Reederei von atombetriebenen Schiffen, über ein Eisbrechergeleit für das Schiff. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass die „Michail Somow“ die Eisfelder selbständig passiert – in der Arktis ist es jetzt viel wärmer als 1975. Vor kurzem konnte der Supertanker „Baltika“ erstmals den Nördlichen Seeweg durchqueren, wenn er auch an einigen Stellen die Hilfe von Atomeisbrechern benötigte.

    Das Forschungsschiff soll Bauarbeiter und Gebäudeteile für eine Beobachtungsstation des Navigationssystems Glonass auf die Andreasinsel im Ostteil der Halbinsel Taimyr bringen. Gegenwärtig befindet sich dort eine halb verwahrloste Wetterstation. Auf der Wrangelinsel soll eine moderne Wetterstation statt einer Anfang der 1990er Jahre geschlossenen Radarstation entstehen.

    Was die Forschungsmission der „Michail Somow“ angeht, so sollen Experten des russischen Lichatschow-Instituts für Kultur- und Naturerbe die Arktis-Gebiete erforschen. Unter anderem soll die Insel Waigatsch besser erschlossen werden. Laut Juri Wedenin, Direktor des Instituts, ist es die einzige heilige Insel in der Welt, wohin die Nenzen kamen, um ihre Götter anzubeten, aber dort niemals lebten. Forscher des Sewerzow-Instituts für Umwelt- und Evolution sollen die Tierwelt der Arktis, darunter den geschützten Eisbären, studieren.

    Die Wrangelinsel ist eine der wichtigsten Geburtsstätten der Eisbäres im Nördlichen Eismeer. Hier kriegen die Bärinnen in den Schneehöhlen ihren Nachwuchs, die Insel beheimatet außerdem die größte Population dieser Tiere im Osten der russischen Arktis. Vor kurzem schenkte Ministerpräsident Wladimir Putin dem Schutz der Eisbären auf der westlichsten Inselgruppe der russischen Arktis, Franz-Josef-Land, seine Aufmerksamkeit. Er legt persönlich einem gefangenen Tier ein Satellitenhalsband an.

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