10:57 15 Dezember 2018
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    Russland auf 2. Platz weltweit bei Selbstmordrate

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    Die russische Regierung finanziert die Gerichtsmedizin und insbesondere die Gerichtspsychiatrie nur unzureichend, wobei das Problem der Suizide in Russland sehr akut ist. Professor Poloschij vom Moskauer Serbski-Institut zufolge nimmt Russland seit Mitte der 1990er Jahre den zweiten Platz in der Welt bei der Zahl der Selbstmörder ein.

    Die russische Regierung finanziert die Gerichtsmedizin und insbesondere die Gerichtspsychiatrie nur unzureichend, wobei das Problem der Suizide in Russland sehr akut ist. Professor Poloschij vom Moskauer Serbski-Institut zufolge nimmt Russland seit Mitte der 1990er Jahre den zweiten Platz in der Welt bei der Zahl der Selbstmörder ein.

    „In den letzten 20 Jahren haben fast 800 000 Menschen in Russland Selbstmord begangen. Das Durchschnittsalter bei den Männern beträgt 45 Jahre und bei den Frauen 52 Jahre“, teilte Boris Poloschij am Tag der offenen Tür im Serbski-Wissenschaftszentrum für Sozial- und Gerichtspsychiatrie (kurz: Serbski-Institut) in Moskau mit. In den psychiatrischen Kliniken Russlands mit insgesamt 154 000 Betten geht nach Poloschijs Worten die Zahl der Patienten nicht zurück, weil die finanzielle Unterstützung der Gerichtspsychiatrie unzureichend ist.

    Die Mitarbeiter des Serbski-Instituts hatten nach Poloschijs Worten ein Programm zur Vorbeugung gegen Selbstmorde und für Hilfe für Menschen, die zu Selbstmord veranlagt sind, entwickelt. Das Institut hatte in der Republik Komi (im Norden Russlands) und in Udmurtien (im Mittleren Ural, im Einzugsgebiet der Flüsse Kama und Wjatka) - in Regionen, in denen dieses Problem besonders akut ist - dieses Programm bereits umgesetzt und wäre bereit, das Modell auch landesweit anzuwenden. Die unzureichende staatliche Finanzierung bremst jedoch die Umsetzung des Programms. „Das lässt sich unter einem wirtschaftlichen Aspekt möglicherweise erklären, doch unter einem medizinischen und humanitären Aspekt gibt es kaum eine Erklärung dafür“, fügte der Psychiater an.

    Poloschij verwies darauf, dass in vielen anderen Ländern, in denen das Problem der Selbstmorde nicht so akut stehe, staatliche Programme zur Vorbeugung verwirklicht werden. Der Aufbau eines ähnlichen medizinischen Systems in Russland, die Finanzierung und Betreuung muss seiner Meinung nach „auf der höchsten staatlichen Ebene gelöst werden“.

    Auch die Gesellschaft selbst, die nicht bereit sei, suizidal veranlagten Menschen zu helfen, müsse Problemen der Gerichtspsychiatrie mehr Aufmerksamkeit widmen, betonte der Experte.

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